Falsch übersetzte Bibelverse

An dieser Stelle möchte ich, soweit mir bekannt, einige Bibelstellen auflisten, die aufgrund einer nicht ganz so korrekten Übersetzung in ihrem Sinn entfremdet werden. Manche Fehlübersetzungen führen zu Widersprüchen und manche zu verdrehten Lehren.

Apostelgeschichte 22,9

In Bezug auf die Bekehrung des Saulus führt eine Fehlübersetzung von Apostelgeschichte 22,9 zu einem Widerspruch.

»Die Männer aber, die mit ihm reisten, standen sprachlos da, denn sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemand.« Apostelgeschichte 9,7

»Meine Begleiter aber sahen zwar das Licht und wurden voll Furcht, aber die Stimme dessen, der mit mir redete, hörten sie nicht.« Apostelgeschichte 22,9

In Apostelgeschichte 9 sagt Paulus, seine Begleiter hörten sie Stimme dessen, der mit Paulus sprach (d.h. die Stimme von Jesus). Später sagte Paulus zu einer anderen Zuhörerschaft, dass seine Begleiter die Stimme dessen, der mit Paulus redete nicht hörten. Das ist der Widerspruch. Die Fehlübersetzung, wie wir sie in der Schlachter 2000 (Elberfelder 2006, Luther 2017, Hoffnung für Alle, Gute Nachricht, Einheitsübersetzung, Neues Leben) finden, führt automatisch zu dem Widerspruch, der gern von Gegnern des christlichen Glaubens herangezogen wird, um gegen die Autorität der Heiligen Schrift zu kämpfen. Ein wenig Grundkenntnisse über die Bedeutung des Verbes »hören« (akouo) und des Wortes »Stimme« (phoné) löst diesen Widerspruch jedoch auf.

hören – akouo

Strong’s: hören, verstehen
Thayer’s: hören, verstehen
Bauer: hören, verstehen

Stimme – phoné

Strong’s: Ton, Geräusch, Sprache
Thayer’s: Ton, Geräusch, Stimme, Sprache, Rede
Bauer: Laut, Ton, Geräusch, Stimme, Rede, Äußerung, Ausspruch

Wie wir sehen können haben beide Worte mehrere Bedeutungen. Wenn man dies berücksichtigt, dann sehen wir auch, dass die Begleiter nach Apostelgeschichte 9,7 zwar die Stimme von Jesus hörten, aber nach Apostelgeschichte 22,9 konnten sie nicht verstehen, was Jesus gesagt hat. Dies wird auch die Tatsache untermauert, als Paulus sich vor dem König Agrippa verantwortete. Dort fügt er dem Zeugnis nämlich noch hinzu, dass Jesus in hebräischer Sprache zu ihm gesprochen hat:

»Als wir aber alle zur Erde fielen, hörte ich eine Stimme zu mir reden und in hebräischer Sprache sagen: Saul! Saul! Warum verfolgst du mich? Es wird dir schwer werden, gegen den Stachel auszuschlagen!« Apostelgeschichte 26,14

Dies würde dann auch erklären, weshalb die Begleiter zwar die Stimme von Jesus hörten, aber nicht verstehen konnten, was er sagte. Die Begleiter waren demnach der hebräischen Sprache nicht mächtig, was auch den damaligen Verhältnissen entsprach. Zur Zeit Jesu waren Griechisch und Aramäisch weit verbreitet und der Gebrauch der Septuaginta unter den Juden beweist, dass Hebräisch unter den Juden nicht so verbreitet war, da Israel dem Römischen Reich gehörte. Das heißt nicht, dass keine hebräischsprechenden Juden mehr existierten. In der Apostelgeschichte werden griechischsprechende Juden zum Beispiel »Hellenisten« genannt (Apostelgeschichte 9,29). Paulus’ Begleiter gehörten offenbar zu jenen, die kein Hebräisch verstanden. Daher konnten sie hören, wie Jesus zu Paulus sprach, aber was er ihm sagte, konnten sie nicht verstehen, weil Jesus hebräisch sprach.

Wenige Bibelübersetzer haben den Sachverhalt erkannt und übersetzen Apostelgeschichte 22,9 richtig:

»Meine Begleiter sahen zwar das Licht, verstanden aber nicht, was die Stimme sagte.« Neue evangelistische Übersetzung

»Meine Begleiter sahen zwar das Licht, verstanden aber nicht, was die Stimme sagte, die mit mir sprach.« Neue Genfer Übersetzung

Viele englische Übersetzer haben hier ebenso den Sachverhalt erkannt:

»Now those who were with me saw the light but did not understand the voice of the one who was speaking to me.« English Standard Version

»The men who were with me saw the light but did not understand what the person who was speaking to me said.« God’s Word Translation

»And those who were with me saw the light, to be sure, but did not understand the voice of the One who was speaking to me.« New American Standard Bible

»Those who were with me did not understand the voice, but they saw the light.« New Century Version

»My companions saw the light, but they did not understand the voice of him who was speaking to me.« New International Version

»The people with me saw the light but didn’t understand the voice speaking to me.« New Living Translation

2.Korinther 5,21

Diese Fehlübersetzung führt zu einer falschen Ansicht über das, was Jesus am Kreuz wurde, als er starb. Aufmerksam darauf wurde ich durch das Kommentar von Adam Clarke.

»Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm zur Gerechtigkeit Gottes würden.« Schlachter 2000

Das Wort Sünde (harmatia) taucht in dem Text zweimal auf. An erster Stelle bedeutet es »Sünde« (Übertretung, Schuld) und an zweiter Stelle bedeutet es »Sündopfer«. Es entspricht dem hebräischen chattath, das sowohl »Sünde« als auch »Sündopfer« im Pentateuch bedeutet. Die Septuaginta übersetzt 49 mal das hebräische chattath mit harmatia, wo ein Sündopfer gemeint ist und unsere deutsche Übersetzung das Wort nicht mit Sünde, sondern korrekt mit Sündopfer wiedergibt.

Hätten unsere Übersetzer dieses Wort im Neuen Testament so übersetzt, wie man es auch im Alten Testament verstand, dann gäbe es nicht die falsche Ansicht, dass »Christus selbst das Objekt der Entrüstung göttlicher Gerechtigkeit war«, weil er durch die ihm  übertragene Sünde in seinem heiligen Wesen beschmutzt wurde. Einige gehen sogar so weit in dieser gotteslästerlichen Laufbahn, dass sie sagen, dass Christus als der »größte aller Sünder« betrachtet werden kann, weil ihm alle Sünden zugeschrieben wurden und als seine Sünden angesehen werden.

Anhand der Septuaginta und des Alten Testamentes werde ich zeigen, dass das zweite harmatia in 2.Korinther 5,21 korrekterweise Sündopfer heißt und nicht Sünde:

2.Mo 29,14 – 2.Mo 29,36 – 2.Mo 30,10

3.Mo 4,3 – 3.Mo 4,8 – 3.Mo 4,20 – 3.Mo 4,21 – 3.Mo 4,24 – 3.Mo 4,25 – 3.Mo 4,29 – 3.Mo 4,32 – 3.Mo 4,33 – 3.Mo 4,34 – 3.Mo 5,6 – 3.Mo 5,7 – 3.Mo 5,8 – 3.Mo 5,9 – 3.Mo 5,11 – 3.Mo 5,12 – 3.Mo 6,17 – 3.Mo 6,23 – 3.Mo 7,7 – 3.Mo 7,37 – 3.Mo 8,2 – 3.Mo 8,14 – 3.Mo 9,2 – 3.Mo 9,3 – 3.Mo 9,7 – 3.Mo 9,8 – 3.Mo 9,10 – 3.Mo 9,15 – 3.Mo 9,22 – 3.Mo 10,16 – 3.Mo 10,17 – 3.Mo 10,19 – 3.Mo 12,6 – 3.Mo 12,8 – 3.Mo 14,13 – 3.Mo 14,19 – 3.Mo 14,22 – 3.Mo 14,31 – 3.Mo 15,15 – 3.Mo 15,30 – 3.Mo 16,3 – 3.Mo 16,5 – 3.Mo 16,6 – 3.Mo 16,9 – 3.Mo 16,11 – 3.Mo 16,15 – 3.Mo 16,25 – 3.Mo 16,27 – 3.Mo 23,19

4.Mo 6,11 – 4.Mo 6,14 – 4.Mo 6,16 – 4.Mo 7,16 – 4.Mo 7,22 – 4.Mo 7,28 – 4.Mo 7,34 – 4.Mo 7,40 – 4.Mo 7,46 – 4.Mo 7,52 – 4.Mo 7,58 – 4.Mo 7,70 – 4.Mo 7,76 – 4.Mo 7,82 – 4.Mo 7,87 – 4.Mo 8,8 – 4.Mo 8,12 – 4.Mo 15,24 – 4.Mo 15,25 – 4.Mo 15,27 – 4.Mo 18,9 – 4.Mo 28,15 – 4.Mo 28,22 – 4.Mo 29,5 – 4.Mo 29,11 – 4.Mo 29,16 – 4.Mo 29,22 – 4.Mo 29,25 – 4.Mo 29,28 – 4.Mo 29,31 – 4.Mo 29,34 – 4.Mo 29,38

In allen diesen Stellen in der Septuaginta wurde das harmatia nicht wörtlich mit Sünde übersetzt, sondern richtigerweise (durch den Kontext ersichtlich) mit Sündopfer. Am Kreuz wurde Jesus nicht zu Sünde gemacht. Sünde ist seinem Wesen völlig fremd und es ist unvereinbar mit der Lehre des Erlösungswerkes, dass Jesus selbst in seinem Wesen verunreinigt wurde (d.h. zur Sünde gemacht wurde), da Er der dreimal heilige Gott ist. Jesus wurde am Kreuz zu einem Sündopfer. Er, der von keiner Sünde wusste (keinerlei Beziehung zu ihr hatte) ertrug stellvertretend den Lohn der Sünde für das Volk Gottes, aber er selbst blieb allezeit der heilige Gott, dessen Wesen von Sünde nicht beschmutzt werden kann. 2.Korinther 5,21 sollte demnach so lauten:

»Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zum Sündopfer gemacht, damit wir in ihm zur Gerechtigkeit Gottes würden.« Schlachter 2000

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