Jesaja 7,14 und die junge Frau?

Die einzigartige Jungfrauengeburt des Herrn Jesus Christus wird von Bibelkritikern und Gegnern des Christentums in letzter Zeit stärker unter Beschuss genommen. Hierbei wird behauptet, das Wort »Jungfrau« in Jesaja 7,14 ist eine Fehlübersetzung und würde lediglich »junge Frau« bedeuten. Leider hat diese unbegründete Behauptung sogar Einzug in einige Bibelübersetzungen gefunden. Während wir in folgenden Ausgaben noch über eine »Jungfrau« lesen, die schwanger werden wird (Elberfelder 2006, Schlachter 2000, Luther 2017/1984, Einheitsübersetzung, Neues Leben, Hoffnung für alle), finden wir in einigen anderen Übersetzungen (Gute Nachricht, Neue evangelistische Übersetzung, Menge Bibel, Zürcher Bibel) schon die »junge Frau«, die schwanger werden wird.

Die Prophezeiung der Jungfrauengeburt erfüllte sich gemäß des Neuen Testamentes bei Maria, der Verlobten von Joseph. Die Schrift macht dabei deutlich, dass Maria eine »Jungfrau« war. Sie fragte den Engel, der ihr die frohe Botschaft verkündete:

Wie kann das sein, da ich von keinem Mann weiß? Lukas 1,34

Maria war bereits mit Joseph verlobt. Von keinem Mann zu »wissen« (gr. ginosko) war der gewöhnliche Ausdruck dafür, dass eine Frau noch keinen geschlechtlichen Umgang mit einem Mann hatte (Matthäus 1,25; 1.Mose 4,1). Wenn almah also nicht Jungfrau heißen würde, dann würde Matthäus den Propheten Jesaja völlig falsch zitieren. Dies würde dazu führen, dass die Lehre des Christentums und die Glaubwürdigkeit des ersten Evangeliums in sich zusammenbricht. Heftige Kontroversen haben sich an dem Wort almah entzündet. »Nach Ansicht zahlreicher Bibelkritiker bedeutet almah nicht eine biologische Jungfrau, sondern eine junge verheiratete Frau. Sie alle irren.« [1]

Die Bedeutung des hebräischen almah

In der hebräischen Sprache gibt es zwei Ausdrücke für das Wort »Jungfrau«. Zum einen almah und zum anderen betulah. Gemäß dem Lexikon von Brown-Driver-Briggs (A Hebrew and English Lexicon of the Old Testament), das auf dem hebräischen und aramäischen Handwörterbuch von Wilhelm Gesenius basiert, bezieht sich betulah auf eine Jungfrau und almah auf eine Jungfrau im heiratsfähigem Alter. »Die Wahl des Wortes almah in Jesaja 7,14 ist bezeichnend, denn im Unterschied zu betulah ist almah eine erwachsene, heiratsfähige Frau.« [2] Jene, die die Jungfrauengeburt ablehnen, behaupten gern, dass almah nur ein junges Mädchen im heiratsfähigen Alter meint, ungeachtet ob es Jungfrau ist oder nicht. Tatsache jedoch ist, dass es kein einziges Beispiel gibt, »das beweisen kann, dass almah eine »junge Frau« kennzeichnet, die keine Jungfrau mehr ist.« [3] Darüber hinaus beweist die Schrift, dass almah und betulah austauschbare Begriffe sind (1.Mose 24,16.43).

(16) Sie war aber ein sehr schönes Mädchen, eine Jungfrau (betulah), und kein Mann hatte sie erkannt; und sie stieg zum Brunnen hinab und füllte ihren Krug und stieg wieder herauf.
(43) Siehe, ich stehe hier bei dem Wasserbrunnen. Wenn nun eine Jungfrau (almah) zum Schöpfen herauskommt und ich spreche: »Gib mir doch aus deinem Krug ein wenig Wasser zu trinken!«

Die Wortwahl in der Septuaginta

Noch bevor es das Christentum gab, wurde im 3. Jahrhundert v. Chr. eine griechische Übersetzung des hebräischen Alten Testamentes von ca. 70 jüdischen Gelehrten angefertigt. Als die Übersetzer zu Jesaja 7,14 kamen, verwendeten sie für die Übersetzung von almah das gr. parthenos, was wiederum Jungfrau bedeutet – mehr nicht. Wäre für die Übersetzer klar gewesen, dass almah lediglich eine junge Frau meinte, hätten sie bei der Übersetzung darauf Acht gegeben und ein anderen griechischen Ausdruck gewählt. Die Tatsache jedoch, dass sie es nicht taten und sich bewusst für parthenos entschieden, zieht der Behauptung, dass almah lediglich eine junge Frau meint, den Boden unter ihren Füßen weg.

Die Wortwahl im Neuen Testament

Die Autoren des Neuen Testamentes kannten sowohl die hebräischen Schriften und die griechische Septuaginta. Gerade sie hätten in dem Falle, wo in der Septuaginta das hebr. almah fälschlicherweise mit parthenos wiedergegeben wurde, den Übersetzungsfehler korrigieren  können.

Dies alles aber ist geschehen, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten geredet hat, der spricht: »Siehe, die Jungfrau (parthenos) wird schwanger werden und einen Sohn gebären; und man wird ihm den Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: »Gott mit uns«. Als nun Joseph vom Schlaf erwachte, handelte er so, wie es ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich; und er erkannte sie nicht, bis sie ihren erstgeborenen Sohn geboren hatte; und er gab ihm den Namen Jesus. Matthäus 1,22-25

Die Tatsache jedoch, dass auch sie bei dem Zitat von Jesaja 7,14 das gr. parthenos verwendet haben, bekräftigt die Tatsache, dass sich bei der Septuaginta keine Fehlübersetzung eingeschlichen hat. Würde es sich bei almah lediglich um eine »junge Frau« handeln, hätten sie nämlich peinlichst darauf geachtet, bei der Wiedergabe des Zitates keinen Fehler zu machen.

Ein Zeichen Gottes?

Die Jungfrauengeburt wird in Jesaja folgendermaßen eingeleitet:

Deshalb wird der Herr euch von sich aus ein Zeichen geben. Jesaja 7,14

Was meint die Schrift hier mit Zeichen? In biblischen Wörterbüchern bezieht sich ein Zeichen in der Bibel auf ein Zeichen, Kennzeichen oder Merkmal, durch das eine Person oder eine Sache von anderen unterschieden und erkannt wird. Gemeint sind Wunder und ungewöhnliche Erscheinungen, die über den normalen Lauf der Natur hinausgehen und darauf hindeuten, dass ein bemerkenswertes Ereignis bevorsteht. Zeichen und Wunder, durch die von Gott gesandte Menschen beglaubigt werden oder durch welche Menschen beweisen, dass die Sache, die sie vertreten, Gottes ist (vgl. Apostelgeschichte 2,22). Eine Jungfrau, die schwanger werden wird, wäre ein übernatürliches Zeichen. Doch worin besteht das Zeichen, wenn lediglich eine junge Frau, die keine Jungfrau mehr ist, schwanger werden soll? Was soll an dem Zeichen ungewöhnlich oder übernatürlich sein?

Schlussfolgerung

Das biblische Christentum braucht keine Angst davor haben, dass sein Zeugnis auf wackeligen Beinen steht. Das hebr. almah bedeutet Jungfrau. Selbst wenn man den Grundtext außer Acht lässt, deutet der gesamte Kontext von Jesaja 7,14 auf eine »Jungfrau« hin. Dies alles aber ist geschehen, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten geredet hat, der spricht: »Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären; und man wird ihm den Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: »Gott mit uns« (Matthäus 1,22-23). Mit dies alles ist Maria gemeint, die von keinem Mann wusste, deren Schwangerschaft durch den Heiligen Geist geschah. Deutlicher kann man es nicht sagen. Wer also behauptet, dass das hebr. almah lediglich eine junge Frau meint, leugnet neben der Heiligen Schrift auch historische Tatsachen.

[1]  John A. Martin, Das Alte Testament erklärt und ausgelegt

[2] William MacDonald, Kommentar zum Alten Testament

[3] R. Laird Harris: Theological Wordbook of the Old Testament

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