Was ist neutestamentliche Realität?

Folgende Gedanken sollen helfen, dass man erkenne, dass nicht alles, was im Neuen Testament steht und geschehen ist, auch heute noch geschehen muss. Nur weil etwas in Mat, Mk, Luk, Joh oder Apg geschehen ist, heißt das noch lange nicht, dass das Geschehene die „Norm“ für den neutestamentlichen Glauben ist. Das Neue Testament (gemeint sind die vier Evangelien und die Apostelgeschichte) ist keine Anleitung für die „Norm“, die man unter uns vorfinden muss. Der Gedanke, so gebe ich gerne zu, erschreckte auch mich zuerst und ich hielt diese Aussage für „Schwachsinn“, aber mit der Zeit, als ich das NT in seinem Kontext studierte, entdeckte ich, dass ich nur aus meiner Unwissenheit über die Aussagen des NT heraus es als „Schwachsinn“ abstempelte. Wenn man sich der Lehre des Cessationismus auseinandergesetzt hat, wird man um einiges klarer verstehen, dass nicht alle Bibelstellen für heute „anwendbar“ sind. Folgende Zitate stammen größtenteils aus dem Buch von Manfred Haller: Christus – das Geheimnis Gottes (Aßlar: Verlag Schulte + Gerth, 1984).

„Als erstes muss uns ein für allemal klar werden, dass nicht alles, was im Neuen Testament geschrieben steht, neutestamentlich genannt werden darf. Diese Erkenntnis scheint recht harmlos, ja, fast banal zu sein, aber sie hat weitreichende Konsequenzen, sobald wir sie mit dem konfrontieren, was sich der Durchschnittschrist unter neutestamentlichen Dingen vorstellt. Sind die Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas und Johannes) neutestamentlich? Ist die Apostelgeschichte ihrem Wesen nach wirklich neutestamentlich? Die reformatorischen Kirchen haben lange Zeit (und sie tun es heute noch) weitgehend aus den Evangelien gepredigt. Wenn man den Protestanten fragt, was er vom Neuen Testament wisse, dann sind es meistens die Geschichten und Ereignisse aus den vier Evangelien (die Wunderberichte, die Heilungen, die Gespräche, die Ereignisse um Jesu Tod und Auferstehung). Darum war es möglich, dass sich der moderne Liberalismus* beinahe kampflos in diesen Kirchen breitmachen konnte, denn in den Evangelien ist Jesus ja vor allem der „Menschensohn“.“

*Theologischer Liberalismus ist eine ernst zu nehmende Realität, die vor frommen Gemeinden, theologischen Ausbildungsstätten, christlichen Werken und Institution nicht halt macht und sehr geschickt theologische Anschauungen von Einzelpersonen, Gemeinden und Institutionen infiltriert. Der gravierende Mangel in der Weltanschauung des theologischen Liberalismus ist, dass die Bibel nicht mehr als autoritative Instanz in allen Bereichen der christlichen Lehre und des christlichen Lebens angesehen und akzeptiert wird. Die Bibelkritik fördert nach wie vor diese Grundhaltung und bleibt weiterhin bemüht, die liberal-theologischen Paradigmen unters (Kirchen-)Volk zu bringen. In keiner einzigen Frage des Glaubens kann nun mehr definitiv ausgesagt oder bekannt werden, dass dieses oder jenes allgemeingültiger Wille Gottes sei, dieses oder jenes verbindliche Lehre oder ethische Anweisung seien. Die Gewissheit des Glaubens an Jesus Christus und eines Lebens im Glauben wird dadurch auf vielfältige Weise angegriffen und zerstört, und zwar im Namen einer „wissenschaftlichen Redlichkeit“ mit höchst zweifelhaftem Ruf. Christus verliert dadurch im Bekenntnis der Kirche seinen offenbarten Anspruch, Erlöser, Gott mit uns, Menschensohn, Gottessohn, Gott selbst, Kyrios und Retter zu sein. Die Frage nach dem „historischen Jesus“ bemüht sich nach wie vor mit Vehemenz, die alleinige Menschheit Jesus zu betonen und seine ihm entgegengebrachte Huldigung als Gott und Erlöser ins Reich der Fantasie und der Mythen zu verbannen.

„Er ist der Mensch par excellence (d.h. das Musterbeispiel, wie der Mensch sein sollte). Seine Taten sind Wohltaten und sein Verhalten ist erstaunlich bis revolutionär. Es gibt also genügend Stoff auch für Leute, die nicht an Ihn als den Sohn Gottes glauben. […] Die meisten Argumente zum Thema Krankenheilung stammen aus den Evangelien oder aus dem Alten Testament. Manche behaupten, die Krankenheilung sei im Werk am Kreuz inbegriffen, zusammen mit der Vergebung der Sünden. Das geht so weit, dass man Sündenvergebung  und Krankenheilung beinahe gleichsetzt und behauptet, wer Vergebung erlangt hat, sei auch geheilt und sollte nicht mehr krank sein. In Jesaja 53 heißt es klar und deutlich: „Fürwahr, er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen“ (Jes 53:4). Und weil Jesaja 53 vom Leiden und vom Tod des Gottesknechtes spricht, schließt man einfach daraus, dass Jesus die Krankheiten und Schmerzen ans Kreuz getragen habe, genauso wie unsere Sünden.“

In Mat 8:17 zeigt uns die Schrift, dass die Zeichen, Wunder und Heilungen das Erkennungszeichen des Messias sein sollten, denn im AT wurde vorausgesagt, dass der Messias unsere Krankheiten tragen würde. Wenn man anhand der Zeichen und Wunder, die ein einzelner Mensch vollbracht hätte, messen würde, wer der Messias ist, von dem das AT prophezeit hat, dann sollte durch die historische Betrachtung aller Zeiten die Person Jesus von Nazareth den einzigen Platz einnehmen, über den gesagt werden konnte „…damit erfüllt würde, was durch den Propheten Jesaja gesagt ist, der spricht: »Er hat unsere Gebrechen weggenommen und unsere Krankheiten getragen«“. Daher sind die Zeichen, Wunder und Heilungen, die Jesus vollbrachte nicht der Ausdruck für die Dinge, die allen Christen passieren sollen und werden, sondern sie waren der Beweis dafür, dass er der verheißene Messias war.

„Es ist wahr: Jesus heilt und er heilt auch heute. Aber er heilt nicht, weil er am Kreuz gestorben ist, sondern er heilt, weil er der König des messianischen Gottesreiches ist. Jede Heilung ist ein neues, persönliches Eingreifen, eine neue persönliche Zuwendung des Herrn und kann niemals durch eine Lehre verabsolutiert oder automatisiert werden.“

„Wenn wir die Apostelgeschichte studieren, stellen wir fest, dass auch nach Pfingsten nicht alles neutestamentlich war. Die Gemeinde, wie sie sich unmittelbar am Pfingsttag darstellte, ist, von dem damaligen Standpunkt aus gesehen, keineswegs die Urgemeinde, zu der wir zurückkehren müssten. Das Christentum der Apostelgeschichte ist keineswegs das Christentum, das es nachzuahmen oder zu erreichen gilt. Im Gegenteil. Es ist ein eben erst geborener Säugling, der heranwachsen und seine Kinderschuhe allmählich abstreifen muss, bis er die volle Mannesreife erlangt hat. Wir können die Gemeinde am Pfingsttage keinesfalls zum Vorbild für neutestamentliches Gemeindeleben nehmen, und zwar aus folgendem Grund: nach Paulus ist das wesentliche der Gemeinde die Einheit zwischen Juden und Heiden, dass beseitigte Gesetz, das Wegfallen aller kulturellen, sozialen, materiellen und sexuellen Unterschiede. Die Gemeinde nach Pfingsten bestand praktisch aus Juden, die sich noch weitgehend an das Gesetz hielten. Ihr Leben, ihre Gottesdienst waren fast ausschließlich alttestamentlich mit Ausnahme der unmittelbaren Gütergemeinschaft, die spontan entstand, später aber als für das Christentum nicht typisch wieder verschwand. Der apostolische Dienst hatte noch nicht richtig eingesetzt. Die Sicht dieser Gemeinde war noch sehr alttestamentlich geprägt. Erst durch den Dienst von Paulus und seinen Mitarbeitern brach die Offenbarung der neutestamentlichen Wirklichkeit voll und ganz durch und beseitigte, soweit die Gläubigen darauf eingingen, die letzten Reste der jüdischen und natürlichen Schalen. Erst Paulus erkannte die Gemeinde als den Leib Christi; dies ist ein spezifischer Beitrag an die neutestamentliche Offenbarung. Von hier aus müssen wir alles sehen, was mit der Gemeinde zusammenhängt. Nur unter diesem Aspekt können wir begreifen, was er über das Mannesalter, über das Kind und den Mann (1Kor 13) sagt. Nur von hier aus verstehen wir auch die Funktion und den Platz der Apostolischen Geistesgaben und die Zeichen und Wunder in der apostolischen Zeit. Die Gemeinde ist etwas, das vom Kind zum Manne heranreifen und heranwachsen muss. Die Kindheitsstufe ist geprägt von vielen äußeren Begleiterscheinungen, durch sichtbare Zeichen und Wunder und anderen Manifestationen. Die reife Gemeinde streift diese Dinge mehr und mehr ab und lebt aus der unmittelbaren Wirklichkeit des innewohnenden Herrn. Wir sehen also: durch schweres Ringen, durch zusätzliche Offenbarungen schälte sich erst allmählich die neutestamentliche Wirklichkeit in Christus heraus. Erst in Antiochien (Apg 13) wurden die Jünger zum ersten Mal „Christen“ genannt. Aber noch weit später, bis hinein in den Galaterbrief, setzen sich die Spannungen und der Loslösungsprozess fort. Dort musste Paulus Petrus öffentlich zurechtweisen, weil er wieder hinter das Neue Testament zurückgegangen war. Gerade der Galaterbrief zeigt den gewaltigen Konflikt, den es durchzustehen galt, wenn man sich ganz auf die neue geoffenbarte Wirklichkeit des Christus in mir und des innewohnenden Geistes stellen wollte. Erst an den großen Offenbarungsbriefen von Paulus (Galater bis Kolosser) und den Römerbrief (Röm 8:12-16) erreichen wir die voller Höhe des Neuen Testamentes, und es ist erstaunlich, wie wenig in diesen Schriften von äußeren Begleiterscheinungen die Rede ist. Dagegen liegt das ganze Gewicht auf dem auferstandenen und erhöhten Christus, unserer Gemeinschaft und Einheit mit Ihm und auf der Wirklichkeit des Leibes Christi als dem Bereich, in dem sich die neutestamentliche Wirklichkeit voll verkörpert.“

Was ist nun wirklich neutestamentlich? Was ist das Ziel des Kommens Jesu, das Ergebnis von Kreuz und Auferstehung, das Ziel des ganzen Erlösungswerkes? Oder anders gefragt: Was ist denn eigentlich „neu“ und was hat es im AT und vor Pfingsten nicht gegeben? Was ist das wesentlich neutestamentliche?“ Genau diese Frage gilt es zu beantworten. Ich habe diese Frage Gott selbst gestellt und er hat mir durch die Schrift eine so umfassende Antwort gegeben, dass es mir unmöglich ist einem anderen Menschen dies zu erläutern, selbst wenn ich 100 Seiten Text schreiben würde. Doch wenn ich gezwungen wäre diese Antwort in Form von wenigen Sätzen wiederzugeben, selbst wenn der Leser diese Sätze auch nicht im Geringsten verstehen würde, so würde ich sagen: „Die neutestamentliche Wirklichkeit besteht darin, dass Gott im Neuen Bund alles vollbringt, was er im Alten Bund versprochen hat, dass er es tue. Einmal wird er alles in Christus zusammenfassen. Daher sind der Charakter, die Eigenschaften und der Wille Gottes (ja, vielmehr die Person Gottes selbst) des Christen höchstes Gut und der Inhalt seines Glaubens. Somit ist die Definition von neutestamentlicher Wirklichkeit in aller Kürze etwa das, was Johannes im 17.Kapitel seines Evangeliums sagt: „Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen!“. Neutestamentliche Wirklichkeit führt dazu den Willen und den Charakter Gottes so zu erkennen, dass diese Gotteserkenntnis buchstäblich zur treibenden und verändernden Motivation für alles im Leben des Gläubigen wird. Selbst wenn ein Christ pro Minute 100 Jahre lang übernatürliche Zeichen und Wunder erlebt (die an Erstaunlichkeit und Unbegreifbarkeit jedes Mal zunehmen), werden die grenzenlosen Mengen der Zeichen und Wundern nicht in der Lage sein seinen Charakter zu verändern, während jedoch die Erkenntnis von nur einer Eigenschaft Gottes das zu tun vermag.  Weder Zeichen noch Wunder haben in sich die Kraft, den Charakter des Menschen zu verändern (Mat 11:20-24). Daher wird der Gläubige nicht irgendwelchen Zeichen und Wundern nachjagen, sondern dem lebendigen Gott, dessen Wille und Eigenschaften das menschliche Fassungsvermögen sprengen und dem Gläubigen von größerem Wert sind, als Zeichen und Wunder die heute passieren und morgen schon wieder vergessen sind. Gottes Ehre ist des Gläubigen höchstes Ziel. Daher dreht sich bei neutestamentlicher Wirklichkeit alles nur um Gott und nicht um irgendwelche Dinge. Dem Leser werden diese Aussagen nichts bedeuten, wenn er sich mit neutestamentlicher Wirklichkeit niemals wirklich beschäftigt hat.

Ab wann trat der Neue Bund in Kraft?

Die Schrift trennt die Heilsgeschichte in 2 Bünde (AT und NT). Aber wo ist die Grenze oder der Übergang? Ab wann begann das Neue Testament tatsächlich? Ab wann trat es wirklich Kraft? Mit der Geburt Jesu Christi? Mit der Berufung der Apostel? Mit der Kreuzigung, Auferstehung oder Himmelfahrt des Herrn Jesus Christus? Oder vielleicht mit  dem Pfingstereignis in Apg 2? Die Schrift selbst beantwortet diese Frage sehr genau (auf den Tag genau, ja sogar die Uhrzeit wird erwähnt)! Schauen wir uns die Aussagen der Schrift einmal dazu genauer an:

Gal 3:23
Bevor aber der [neutestamentliche] Glaube kam, wurden wir unter dem Gesetz verwahrt und verschlossen auf den Glauben hin, der geoffenbart werden sollte.

Es gibt zwei Bünde in der Heiligen Schrift, nämlich den Alten Bund und den Neuen Bund. Solange der Neue Bund nicht aufgerichtet wurde, waren alle Menschen (Gerechte und Ungerechte) unter dem Gesetz (d.h. dem Alten Bund). Und alle, die unter dem Gesetz waren, wurden verschlossen auf den neutestamentlichen Glauben hin (des Neuen Bundes), der später geoffenbart werden sollte. Schon im Alten Bund wurde auf den Neuen Bund hingewiesen, dass er später einmal eingesetzt wird und den Alten Bund ersetzen wird:

Jer 31:31-34
31 Siehe, es kommen Tage, spricht der HERR, da ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde; 
32 nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern schloss an dem Tag, da ich sie bei der Hand ergriff, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen; denn sie haben meinen Bund gebrochen, obwohl ich doch ihr Eheherr war, spricht der HERR. 
33 Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Innerstes hineinlegen und es auf ihre Herzen schreiben, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein; 
34 und es wird keiner mehr seinen Nächsten und keiner mehr seinen Bruder lehren und sagen: »Erkenne den HERRN!« Denn sie werden mich alle kennen, vom Kleinsten bis zum Größten unter ihnen, spricht der HERR; denn ich werde ihre Missetat vergeben und an ihre Sünde nicht mehr gedenken!

Jer 32:37-41
37 Siehe, ich will sie sammeln aus allen Ländern, wohin ich sie in meinem Zorn und Grimm und in meiner großen Entrüstung verstoßen habe, und ich werde sie wieder an diesen Ort zurückführen und sie sicher wohnen lassen; 
38 und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein;
39 und ich will ihnen ein Herz und einen Wandel geben, dass sie mich allezeit fürchten, ihnen selbst zum Besten und ihren Kindern nach ihnen.
40 Und ich will einen ewigen Bund mit ihnen schließen, dass ich nicht von ihnen ablassen will, ihnen wohl zu tun. Und ich werde die Furcht vor mir in ihr Herz geben, damit sie nicht mehr von mir abweichen,
41 und damit ich mich über sie freuen kann, ihnen wohl zu tun; und ich werde sie einpflanzen in dieses Land in Wahrheit, mit meinem ganzen Herzen und mit meiner ganzen Seele.

Hes 36:16-32
16 Und das Wort des HERRN erging an mich folgendermaßen:
17 Menschensohn, als das Haus Israel in seinem Land wohnte und sie es mit ihrem Weg und mit ihren Taten verunreinigten, so dass ihr Weg vor mir war wie die Unreinheit einer Frau in ihrer Monatsblutung,
18 da goss ich meinen Zorn über sie aus wegen des Blutes, das sie im Land vergossen hatten, und weil sie es durch ihre Götzen verunreinigt hatten.
19 Ich zerstreute sie unter die Heidenvölker, und sie wurden in die Länder versprengt; ich richtete sie entsprechend ihrem Weg und entsprechend ihren Taten.
20 Als sie nun unter die Heidenvölker kamen, wohin sie gezogen waren, da entweihten sie meinen heiligen Namen, indem man von ihnen sagte: »Das ist das Volk des HERRN; die mussten aus seinem Land ausziehen!«
21 Da tat es mir Leid um meinen heiligen Namen, den das Haus Israel entweiht hatte unter den Heidenvölkern, zu denen es gekommen ist.

22 Darum sprich zu dem Haus Israel: So spricht GOTT, der Herr: Nicht um euretwillen tue ich dies, Haus Israel, sondern wegen meines heiligen Namens, den ihr entweiht habt unter den Heidenvölkern, zu denen ihr gekommen seid.
23 Darum will ich meinen großen Namen wieder heilig machen, der vor den Heidenvölkern entheiligt worden ist, den ihr unter ihnen entheiligt habt! Und die Heidenvölker sollen erkennen, dass ich der HERR bin, spricht GOTT, der Herr, wenn ich mich vor ihren Augen an euch heilig erweisen werde. 
24 Denn ich will euch aus den Heidenvölkern herausholen und aus allen Ländern sammeln und euch wieder in euer Land bringen.
25 Und ich will reines Wasser über euch sprengen, und ihr werdet rein sein; von aller eurer Unreinheit und von allen euren Götzen will ich euch reinigen.
26 Und ich will euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres legen; ich will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben;
27 ja, ich will meinen Geist in euer Inneres legen und werde bewirken, dass ihr in meinen Satzungen wandelt und meine Rechtsbestimmungen befolgt und tut.
28 Und ihr sollt in dem Land wohnen, das ich euren Vätern gegeben habe, und ihr sollt mein Volk sein, und ich will euer Gott sein.
29 Und ich will euch befreien von allen euren Unreinheiten, und ich will dem Korn rufen und es vermehren und keine Hungersnot mehr über euch kommen lassen.
30 Ich will auch die Früchte der Bäume und den Ertrag des Feldes vermehren, damit ihr künftig nicht mehr die Schmach des Hungers unter den Heidenvölkern tragen müsst.
31 Dann werdet ihr an eure bösen Wege gedenken und an eure Taten, die nicht gut waren, und ihr werdet vor euch selbst Abscheu empfinden wegen eurer Sünden und wegen eurer Gräuel.
32 Nicht euretwegen werde ich dies tun, spricht GOTT, der Herr, das sollt ihr wissen! Schämt euch und errötet über eure Wege, ihr vom Haus Israel!

Wie man selbst an den Aussagen der Schrift sehen kann, unterscheidet die Schrift die Heilsgeschichte in zwei Bünde. Der Alte Bund konnte gebrochen werden (Jer 31:32). Der Neue Bund dagegen würde von ganz anderer Natur sein, denn derjenige, der mit Gott durch den Neuen Bund (o. neutestamentlichen Bund) in Verbindung tritt, würde von Gott befähigt werden diesen niemals mehr zu brechen (Jer 31:33; Jer 32:40; Hes 36:25-27).

Im AT konnte man einmal gerecht sein und dann doch Gott wieder den Rücken kehren (Hes 18:24)! Die Geschichte des ersten Königs von Israel, Saul, ist ein wundervolles Beispiel hierfür. Das NT ändert diese Sache und ermöglicht etwas „…was kein Auge [jemals zuvor] gesehen und kein Ohr [jemals zuvor] gehört und keinem Menschen [jemals zuvor] ins Herz gekommen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben“ (1Kor 2:9). Gott schuf etwas durch Jesus Christus, dass so unglaublich und so unvorstellbar groß und herrlich ist, dass man Gottes Offenbarung braucht, um das überhaupt glauben zu können! Wiedergeburt war für die heiligen Propheten im AT etwas sehr Erstaunliches und Unbegreifliches:

1Pet 1:10-12
10 Wegen dieser [d.h. neutestamentlichen] Errettung haben die Propheten gesucht und nachgeforscht, die von der euch zuteil gewordenen Gnade geweissagt haben. 
11 Sie haben nachgeforscht, auf welche und was für eine Zeit der Geist des Christus in ihnen hindeutete, der die für Christus bestimmten Leiden und die darauf folgenden Herrlichkeiten zuvor bezeugte. 
12 Ihnen wurde geoffenbart, dass sie nicht sich selbst, sondern uns dienten mit dem, was euch jetzt bekannt gemacht worden ist durch diejenigen, welche euch das Evangelium verkündigt haben im Heiligen Geist, der vom Himmel gesandt wurde – Dinge, in welche auch die Engel hineinzuschauen begehren.

Wenn die neutestamentliche Erlösung genau dasselbe wäre, wie die alttestamentliche Erlösung, so ergäben sich große Widersprüche und Unstimmigkeiten in der Schrift. Hätten die heiligen Propheten es nötig  gehabt, nach etwas zu forschen, was sie selbst erlebt haben oder erleben konnten? Ganz gewiss nicht! Ein alttestamentlicher Prophet war von der Art und Weise, wie Gott im NT retten würde, vollkommen überwältigt. Auch die Engel war die neutestamentliche Erlösung etwas, in das sie begehrten hineinzuschauen. Selbst sie begehrten, diese Erlösung nachvollziehen und erkennen zu können! Selbst für heilige Engel in der Gegenwart Gottes war die neutestamentliche Erlösung etwas, was ihre Fähigkeit Dinge wahrzunehmen bei weitem übersteigt. Für die Engel im Himmel war die größte Frage und gleichzeitig das größte Problem: „Wie kann Gott gerecht sein und gleichzeitig Sündern vergeben?“. Ein gerechter Gott muss Straftäter bestrafen! Daher war die neutestamentliche Errettung so unglaublich für die Propheten im AT, dass sie alles in ihrer Macht stehende versuchten, um mehr über sie zu wissen.

Die Propheten im AT waren nicht überwältigt über die messianischen Zeichen und Wundern, sondern allein über die neutestamentliche Erlösung. Doch was ist das genau, das den Gläubigen unter dem Neuen Bund nicht mehr verloren gehen lässt, sobald er errettet wurde? Diese Frage will ich direkt beantworten: der innewohnende Christus und sein innewohnender Heilige Geist. Gott, der HERR, hat schon im AT verheißen, dass unter dem Neuen Bund der Gläubige ein neues Herz, einen neuen Geist und den Heiligen Geist  in einem Erlebnis bekommen wird (Hes 36:26-27). Gott würde also in dem Sünder ein unglaubliches Werk vollbringen und darüber hinaus würde der Empfang des Heiligen Geistes die Garantie dafür sein, dass der Gläubige regelmäßig von diesem Heiligen Geist geleitet werden würde (Röm 8:9). Dieser Heilige Geist würde es dann sein, der in dem Gläubigen „sowohl das Wollen als auch das Vollbringen wirkt nach seinem Wohlgefallen“ (Phil 2:13). Daher konnte Paulus gewiss sein, dass „dass der, welcher in euch ein gutes Werk angefangen hat, es auch vollenden wird bis auf den Tag Jesu Christi“ (Phil 1:6). Der Heilige Geist „in“ dem Gläubigen wird also unsagbares in dem Sünder vollbringen, so dass der Gerechtfertigte Sünder Gewissheit bekommen wird, dass er „er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen; siehe, es ist alles neu geworden!“ ist (2Kor 5:17). Und das die Apostel selbst und andere Gerechte zurzeit der vier Evangelien diesen verheißenen Geist noch nicht „in“ sich haben konnten, wird durch das NT selbst sichtbar:

Joh 7:37-39
37 Aber am letzten Tag des Festes, der der höchste war, trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! 
38 Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen. 
39 Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.

An dieser Stelle wird deutlich sichtbar, dass der neutestamentliche Empfang des Heiligen Geistes zu der Zeit, als Jesus noch auf der Erde war, sich noch nicht ereignen konnte, bis nicht Jesus verherrlicht wurde. Das deutet auf ein spezifisches Ereignis hin. Jesus legte willentlich seine göttliche Herrlichkeit ab, bevor Er ins Fleisch gekommen ist:

Phil 2:5-7
5 Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie es Christus Jesus auch war, 
6 der, als er in der Gestalt Gottes war, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein; 
7 sondern er entäußerte sich selbst, nahm die Gestalt eines Knechtes an und wurde wie die Menschen.

Bemerkt die Aussage „er entäußerte sich selbst“! Die wörtliche Übersetzung des Ausdrucks „ἀλλὰ ἑαυτὸν ἐκένωσεν“ heißt „er entleerte sich selbst“. Dies heißt übertragen, dass Er Seine Privilegien, die Er als Gott hatte, für kurze Zeit ablegte, um ins Fleisch kommen zu können. Kein Mensch fiel wie tot zu seinen Füßen, als sie vor ihm standen. Kein Mensch betete Jesus an, wie Menschen und Engel es vor Seinem Thron tun. Warum? Weil seine Herrlichkeit wie eine Jacke im Himmel an einem Hacken hing und darauf wartete (während Er auf der Erde wandelte), bis Er sie triumphal nach Seinem vollendeten Erlösungswerk wieder anzog! Deswegen scheint es so, dass der Jesus in der Offenbarung ein anderer ist als der, der in den Evangelien gezeigt wird!

Und nun sagte Jesus, dass die, die an ihn glauben würden, bald den Heiligen Geist empfangen sollten, was aber momentan noch nicht möglich war, weil Jesus noch nicht verherrlicht war. Somit ergibt sich ganz logisch, dass vor der Verherrlichung von Jesus der Geist noch nicht empfangen werden konnte. Zu der Zeit als Jesus diese Aussage (Joh 7:37-39) machte, sagt Johannes, dass der Geist „noch nicht da war“ im Sinne von „ausgegossen“ um „empfangen zu werden“ auch wenn man schon an Jesus glaubte! Das Kommen des Heiligen Geistes musste also noch in der Zukunft liegen.

Daher wunderte sich auch Nikodemus, denn Wiedergeburt (und Geistempfang) war ihm völlig fremd, obwohl er einer der Obersten unter den Juden war! Wiedergeburt war also etwas ganz neues, das im AT kein gewöhnliches Erlebnis gewesen sein konnte. Nikodemus kannte ja die Helden des AT wie z.B. Mose, David und Elia. Wenn Wiedergeburt im AT ein gewöhnliches Ereignis gewesen wäre, hätte Nikodemus dann nicht darüber informiert sein müssen? Da dies ihm aber ein nicht zu lösendes Rätsel war, zeigt uns das, dass die Wiedergeburt etwas außergewöhnlich „neues“ sein musste. Letztendlich sagt Jesus zu Nikodemus, dass man ohne diese Wiedergeburt gar nicht denken braucht, dass man Gottes Reich je betreten kann (geschweige denn es überhaupt sehen oder wahrnehmen zu können):

Joh 3:3.5
3 Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen! 
5 Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen!                      

Also ab wann trat der Neue Bund tatsächlich in Kraft und ab wann konnte zum ersten Mal in der Heilsgeschichte ein Mensch zum neutestamentlichen Glauben mit seinen verheißenen Wirkungen durchdringen? War es zu der Zeit, als Jesus noch auf Erden war? Nein (vgl. Joh 7:37-39)! Wenn also der Geist zu den Zeiten der vier Evangelien noch nicht empfangen werden konnte, da Jesus erst zu seinem Vater aufsteigen und seine Herrlichkeit wieder zu sich nehmen musste, dann ist die logische Schlussfolgerung daraus, dass der Neue Bund (die neutestamentliche Errettung) also erst dann in Kraft getreten ist, als der Heilige Geist zum ersten Mal empfangen werden konnte, und das geschah zu Pfingsten in Apg 2 zu der „dritten Stunde des Tages“ (Apg 2:15), also 9 Uhr morgens, da man die Stunden des Tages ab 6 Uhr morgens anfing zu zählen. Selbst in Apg 2 wird uns diese Wahrheit bestätigt, die wir hier gerade mühsam zusammengetragen haben, nämlich, dass der Heilige Geist erst dann empfangen werden konnte, als Jesus im Himmel seine Herrlichkeit wiederbekam:

Apg 2:33
Nachdem [Jesus] nun zur Rechten Gottes erhöht worden ist und die Verheißung des Heiligen Geistes empfangen hat von dem Vater, hat er dies ausgegossen, was ihr jetzt seht und hört.“

Zusammenfassung

Der Neue Bund, unter dem der Heilige Geist gegeben wurde und der in dem Gläubigen die Wiedergeburt bewirkt, trat an dem Pfingsttag 9Uhr morgens in Kraft. Vor diesem Zeitpunkt gab es noch keine Erfüllung des Neuen Bundes – der Empfang des Geistes Gottes durch den Glauben an den Herrn Jesus Christus. Eine ganz andere Meinung hat die Pfingstbewegung, die heute fast schon die gesamte Theologie der Freikirchen und anderer Denominationen mit ihren falschen Ansichten und Behauptungen beeinflusst hat. Um ihre pfingstliche Geistestaufe als zweite Erfahrung des Christen lehren zu können, muss sie das in Kraft treten des Neuen Bundes am Pfinsgttage leugnen und ohne jegliche Beweisführung frech behaupten:

„Zu Pfingsten kam der Heilige Geist in die Welt und taufte die Menschen, die schon das Heil hatten.“ (Reinhold Ulonska)

Laut der Schrift selbst kam zu Pfingsten der Heilige Geist nicht in die Welt um jene zu taufen, die das neutestamentliche Heil bereits besaßen, sondern um die noch alttestamentlichen Gläubigen (z.B. die Apostel) das neutestamentliche Heil zu verleihen. Der Geistempfang ist die neutestamentliche Wiedergeburt.

Doch selbst nach in Kraft treten des Neuen Bundes am Pfingsttag wurde die neutestamentliche Wirklichkeit erst Stück für Stück durch die übernatürlichen Erkenntnisse und Prophezeiungen der Apostel aufgerichtet. Erst zu der Zeit als das NT vollständig vorlag (ca. 100 n.Chr.), stand die Kirche fest in dem Evangelium von Christus und konnte in der Erkenntnis Gottes so forschreiten, dass selbst Irrlehren keine Chance mehr haben den ein für allemal an die Heiligen überlieferten Glauben zunichte zu machen. Erst da war die Gemeinde des Herrn „reif“. Und der kurze Zeitabschnitt zwischen dem Pfingsttag und dem Ende des 1. Jahrhunderts (in welchem die Geistesgaben die neutestamentliche Wirklichkeit und die Offenbarung über die dreieine Gottheit aufgerichtet hat), darf keines wegs als „Norm“ oder „Prototyp“ für unsere Zeit heute genommen werden. Denn wenn wir die Gemeinde in der Apostelsgeschichte nachahmen wollen würden, dann würden wir nur das unreife Kind nachahmen müssen. Damals zeigte der Herr Jesus sich im Fleisch, heute bestreiten viele seine Existenz und behaupten, man hätte die historische Person „Jesus“ erfunden. Nur weil Jesus sich zum Beispiel damals auf der Erde aufhielt, muss Er das heute nicht nocheinmal tun, um Menschen davon zu überzeugen, dass Er genau das ist, worüber Er Zeugnis abgelegt hat – Gott geoffenbart im Fleisch (1Tim 3:16).Es wurde damals bestätigt und ist für uns heute nun als Beweis aufgeschrieben worden. Danach müssen wir uns richten.

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