Was ist Buße?

»So hat denn Gott auch den Heiden die Buße zum Leben gegeben!« Apostelgeschichte 11,18

Die Nachfolgende Zusammenstellung ist die gekürzte Zusammenstellung aus dem Buch „Das unbequeme Wort oder das Dilemma einer verdrängten Wahrheit“ von H.A. Ironside und einigen Zitaten anderer:

1) Das Wort, das in unseren Übersetzungen mit „Buße“ wiedergegeben wird, lautet metanoia und ist eine vollkommene Umgestaltung der eigenen inneren Haltung. Wenn man Buße tut, so ändert sich die Haltung gegenüber sich selbst, gegenüber Sünde, gegen Gott und gegen Christus. Und genau das ist Gottes Gebot. Johannes kam, um Zöllnern und Sündern zu predigen, den hoffnungslos Schlechten und den Verderbten. „Ändert eure Gesinnung, denn das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen!“ Dadurch wurden sie vorbereitet Jesus Christus zu empfangen, der in seiner Gnade erscheinen würde, um sie zu retten.

2) Was kommt zuerst, Buße oder Glaube? In der Schrift lesen wir: „Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1:15). Diese beiden sind so eng miteinander verbunden, dass man das eine nicht ohne das andere haben kann. „Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden!“ (Mat 19:6). Ein Mensch glaubt, weil er Buße tut, und ein Mensch tut Buße, weil er glaubt. In keinem Zeitalter ist je ein Mensch außer durch Gnade gerettet worden. Weder Opfervorschriften noch der rituelle Dienst noch die Werke des Gesetzes konnten dazu beitragen, einen Ungerechten zu rechtfertigen. Auch wurde nie ein Sünder gerettet, ehe er nicht Buße getan hatte. Buße ist nicht das Gegenteil von Gnade. Buße führt dazu, dass man erkennt, dass man auf die Gnade angewiesen ist. Keiner kann wirklich an Christus glauben, wenn er nicht zuvor Buße tut. Auch wird seine Buße nicht dann enden, wenn er den rettenden Glauben hat, aber je mehr er Gott während seines Glaubenslebens erkennt, desto tiefer wird diese Buße werden. Ein Diener Christi sagte einmal: „Ich tat Buße, ehe ich die Bedeutung des Wortes kannte. Ich habe seitdem viel mehr Buße tun müssen als am Anfang.“ Buße ist der Ausdruck der Erkenntnis, dass man Vergebung nötig hatte. Buße ist die Erkenntnis, dass ich ein Sünder bin – ich gebe damit vor Gott zu, dass ich genauso schlecht bin, wie es mir sein heiliges Wort sagt. Ehe man nicht an diesen Punkt angelangt ist, wird man vom Himmel kein weiteres Wort mehr hören, außer dem Verdammungsurteil.

3) Buße bewirkt, dass der Vergnügungssüchtige sieht und bekennt, wie vergeblich sein leeres Leben ist.

Der Sünder kann es nur dann sehen, lernen und erkennen, wenn Gott es ihm erlaubt zu sehen, lernen und zu erkennen. Daher ist Buße selbst ein Werk Gottes.

Der Selbstbezogene lernt, seine Ausrichtung auf sich selbst zu hassen, die nur seine verlorene Natur widerspiegelt. Der Selbstgerechte erkennt, dass er ein verdammenswürdiger Sünder in den Augen des heiligen Gottes ist. Derjenige, der sich vor Gott versteckte, findet nun in Ihm seine Zuflucht und derjenige, der Christus ablehnte, erkennt nun und bekennt, dass er einen Retter braucht und glaubt so zum Leben und zur Errettung.

4) Buße sollte nicht mit Reue (o. Betrübnis, Betrübtsein, Betrübtheit) verwechselt werden, obwohl Reue fast ausschließlich zur Buße führ. Reue bedeutet nur, dass einem eine bestimmte Sünde leid tut. Keine noch so große Reue kann den Menschen für die Errettung vorbereiten. Auf der anderen Seite wird einer, der nicht bereut (o. betrübt wird), nie zu Gott kommen, um Ihn um Gnade zu bitten. Uns wird gesagt: „die gottgewollte Betrübnis bewirkt eine Buße zum Heil, die man nicht bereuen muss; die Betrübnis der Welt aber bewirkt den Tod“ (2Kor 7:10). In der Reue des Petrus sehen wir die gottgemäße Reue, in der Reue des Judas wird uns die Reue der Welt gezeigt. An keiner Stelle der Bibel wird der Mensch ermahnt, ein gewisses Maß an Reue zu fühlen, um damit zu Christus zu kommen. Wenn der Geist Gottes die Wahrheit offenbart, dann ist Reue das sofortige Ergebnis und führt damit zur Buße. Aber wir sollten Reue und Buße nie verwechseln. Buße selbst ist ein göttliches Werk an der Seele. Auch wenn wir von neuem anfangen wollen, wenn wir versuchen, schlechte Gewohnheiten durch gute Gewohnheiten zu ersetzen, wenn wir uns anstrengen, gut statt böse zu leben, so kann es sein, dass wir keine Buße getan haben. Buße ist das Werk Gottes an der Seele eines Menschen.

5) Wenn ein Mensch Gottes Gnade erkennt, dann wird er von sich selbst immer geringer und von Christus immer höher denken. Der erste Beweis für ein Erwachen in der Gnade ist die Unzufriedenheit mit dem eigenen Ich und seinen Anstrengungen und die Sehnsucht nach der Erlösung von den Ketten der Sünde, die die Seele binden. Derjenige, der sich selbst rechtfertigt, wird von Gott verdammt werden, aber derjenige, der sich selbst verdammt, erlangt volle Rechtfertigung in Christus, der für seine Sünden starb und der nun zur Rechten Gottes erhöht ist als Fürst und Retter, der all denen Vergebung zuspricht, die sein Zeugnis [über die Sündhaftigkeit des Menschen] empfangen. Wir werden sehen, dass Buße das Gegenteil einer Erfahrung ist, die uns irgendeinen Wert verleiht. Sie ist das Bekenntnis, dass man selbst keinerlei Verdienst hat, und dass man nur durch die Verdienste des Herrn Jesus Christus gerettet werden kann, weil Christus „sich selbst als Lösegeld für alle gegeben hat“ (1Tim 2:6). Charles Spurgeon: „Jesus Christus schaute nicht auf das Beste der Menschen, sondern auf ihr Schlechtestes als Er Sein Leben für ihre Erlösung gab. Dies ist eindeutig, ja, sogar offensichtlich: wären sie gesund gewesen, hätten sie keinen Arzt gebraucht. Wären sie nicht verloren, hätten sie keinen Retter gebraucht. Wäre die Krankheit nicht so unglaublich schlimm gewesen, bräuchten sie keine so einzigartige Medizin, wie das Blut von Christus. Wären sie nicht so hilflos verloren, würde die Allmacht es nicht für notwendig halten einzugreifen um ihre Errettung zu bewirken. Wären sie nicht zutiefst verdorben, wäre es nicht erforderlich, dass Gott selbst Fleisch wird und Sühnung schafft für die Schuld durch Seinen eigenen Tod am Kreuz. Die Herrlichkeit des Heilmittels beweist die Hoffnungslosigkeit der Krankheit. Die Größe des Erlösers ist ein sicherer Beweis für die Schrecklichkeit unseres verlorenen Zustandes. Betrachte es und deine Wertschätzung für Christus wird steigen, weil deine Wertschätzung für Menschen sinkt. Und während du den Erlöser schätzt, wirst du mehr und mehr von Schrecken ergriffen werden aufgrund der Größe der Sünde, die einen solchen Erlöser nötig hat, damit wir von ihr befreit werden können.“ (Sermon 1184: The sad Plight and sure Relief).

„Seht nun, dass der Sohn Gottes, als Er sich entschied für die Menschen zu sterben, sie als Gottlose betrachtete, die durch ihre bösen Werke weit entfernt von Gott waren. Während Er mit Seinen Augen auf unsere Rasse schaute, sagte Er nicht: ‚Hier und da sehe ich noble Menschen, die rein, ehrlich, wahrheitssuchend, prachtvoll, selbstlos und gerecht sind; und deswegen, aufgrund dieser erstklassigen Menschen, werde ich für die gefallene Rasse sterben’. Nein, sondern Er, dessen Gericht unfehlbar ist, schaute sie alle an und gab folgendes Urteil: ‚sie sind alle abgewichen, sie taugen alle zusammen nichts; da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer’ (Röm 3:12). Sie mit dieser Einschätzung bewertend, und keiner besseren, starb Christus für sie. Jesus betrachtete uns so, wie wir wirklich waren und nicht wie [wir uns selbst] sehen würden in den Phantasien unseres Stolzes. Er sah, dass wir ohne Gott, Feinde unseres eigenen Schöpfers, tot in Übertretungen und Sünden, schlecht und auf Verderben aus waren. Und selbst in unserem gelegentlichen Schreien nach Gutem hielten wir danach Ausschau mit blindem Urteilsvermögen und voreingenommenem Herzen, so dass wir bitter für süß hielten und süß für bitter. Er sah, dass in uns nichts Gutes war, sondern alles mögliche an Bösem, so dass wir verloren waren – ganz und gar hilflos und hoffnungslos von Ihm getrennt. Und dennoch starb Er für uns, als Er uns in diesem unbeholfenen und gottlosen Zustand sah.“ (Sermon 1191: For whom did Christ die?)

6) Das Buch Hiob zeigt uns die Buße eines Heiligen, nicht eines Gottlosen. Es berichtet über die Buße eines in Gottes Augen gerechten Menschen. Hiob war ein guter Mensch. Er war gerecht, wie Gott selbst wusste und ihm bescheinigt. Aber auch Hiob wusste das – und zwar so gut, dass er die wirkliche Verdorbenheit seines Herzens nicht erkannte. Letztlich zählt, was der Mensch von Natur aus ist und nicht was er tut. Eine Sache ist es, die eigene Natur [der Sünde] zu unterdrücken, etwas ganz anderes ist es aber, von der Erbsünde frei zu sein. Hiobs Leben war so gut, dass er wohl vergessen hatte, dass er noch wie jeder andere Mensch die Erbsünde in sich trug und nur durch göttliche Gnade wunderbar bewahrt wurde. Deshalb hatte Gott sich vorgenommen, diesen Mann zur Buße zu führen, um ihm die Erkenntnis zu schenken, dass er vom Wesen her böse war (obwohl er sein Leben so gut führte), damit er so die Liebe des einen Gottes verherrlichen könnte, der ihn zu seinem Eigentum gemacht hatte. Als Gott durch den Wirbelwind redete, tadelte er Hiob, weil er [nur] die Möglichkeit erwähnt hatte, dass Gott ungerecht sein könne, indem er meinte, er selbst sei gerechter als Gott (Hi 35:2). Doch Gott war mit Hiob noch nicht fertig. Wieder spricht er und stellt Hiob die Größe seiner Macht, Herrlichkeit und Allwissenheit vor Augen. Als Hiob über alles das nachdenkt, erhält er eine neue Sicht der Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes. Er sieht, wie klein er selbst ist. Dass Gott sich überhaupt mit den sündigen Menschen beschäftigt, erstaunt ihn nun. Das großartige Ziel des Herrn ist erreicht. Hiob hat eine Sinnesänderung erfahren – seine ganze Haltung gegenüber sich selbst und Gott ist anders geworden. Im Staub gedemütigt verurteilte er sich selbst und verherrlichte Gott. Aber nun hat Gott, damit keiner so reden kann „Gott sei dank, ich bin nicht so wie die anderen. Ich war nie so verworfen wie sie. Ich habe nie so sehr vergessen wie sie, was richtig und gut ist. Ich bin gerecht und brauche keine Buße“ die ganze Welt nach dem besten Menschen durchsucht, statt den schlimmsten Sünder zu suchen. Er erzählt uns diese uns seltsam ergreifende Geschichte und zeigt uns, wie ein guter Mensch zur Buße geführt wird „damit jeder Mund verstopft werde und alle Welt vor Gott schuldig sei“ (Röm 3:19). Jetzt nun „gebietet er allen Menschen überall, Buße zu tun, weil er einen Tag festgesetzt hat, an dem er den Erdkreis in Gerechtigkeit richten wird durch einen Mann“ (Apg 17:30-31).Die drei Evangelien Matthäus, Markus und Lukas werden auch Synoptiker genannt.

7) „Das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden“ (Joh 1:17). Man beachte die Kombination: Gnade und Wahrheit. Die Gnade Gottes kann durch Lügen falsch dargestellt werden. Damit das nicht geschieht, muss sich der Mensch der Wahrheit stellen, wenn er der Gnade teilhaftig werden will. Gott weigert sich Bosheit zu übertünchen. In den ersten drei Evangelien (auch genannt Synoptiker = Matthäus, Markus, Lukas) überwiegt der Bußruf. Das Johannesevangelium ist viele Jahre später geschrieben worden, als die anderen. Johannes hat dabei das Ziel zu beweisen, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und das wir durch den Glauben in seinem Namen das ewige Leben empfangen. Er ergänzt die früheren Berichte, indem er zum Vertrauen auf das Zeugnis Gottes aufruft, das er uns bezüglich seines Sohnes gegeben hat. Man kann ihm nicht vorwerfen, den Dienst des Bußrufes zu vernachlässigen, nur weil er die Bedeutung des Glaubens herausstreicht. Er zeigt bußfertigen Seelen, wie leicht es ist, gerettet zu werden und ewiges Leben zu erlangen, indem man auf Jesus vertraut. Wenn man einem Menschen, der nicht erkannt hat, dass er verloren ist, erzählt, dass er durch den Glauben an Christus gerettet werden kann, dann hat das keinerlei Bedeutung für ihn, so wahr und wunderbar die Tatsache an und für sich auch sein mag. Wenn also die Botschaft der Synoptiker einen genügenden Eindruck auf seine Seele gemacht hat, dann wird er für die Verkündigung des ewigen Lebens und der Vergebung durch alleinigen Glauben an Christus bereit sein. Wie leicht hätte er dem reichen Jüngling sagen können, der ihm fragte: „Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?“ (Lk 18:18), dass er gar nichts tun müsse, sondern nur glauben müsse, um ewig zu leben. Wenn Jesus das gesagt hätte, so wäre das zweifellos richtig gewesen. Das sagte er ihm aber nicht. Stattdessen stellte er das Gewissen des jungen Mannes auf die Probe, indem er die strengen Vorschriften des Gesetzes auf ihn anwandte. Er unterzog ihn einer Prüfung, die nur echter Glaube hätte bestehen können. „Eins fehlt dir noch“ (Lk 18:22). Was fehlte ihm noch? Der junge Mann hatte nie erkannt, dass er einen Retter nötig hatte. Er war selbstzufrieden und war ehrlich stolz auf seine Frömmigkeit. Die Prüfung „verkaufe alles, was du hast, und verteile es an die Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm, folge mir nach“ wollte die Errettung nicht auf Werken oder menschlichen Verdiensten basieren lassen. Als Bernhard von Clairveaux starb, sprachen die Mönche, die an seinem Sterbebett beteten, von seinen Verdiensten. Da rief Bernhard aus: „heiligster Jesus, deine Wunden sind meine Verdienste“. Nur ein Mensch, der Buße getan hat, kann so sprechen.

8) Als unser Herr den Tag der Offenbarung sah, erklärte er: „die Männer von Ninive werden im Gericht auftreten gegen dieses Geschlecht und werden es verurteilen, denn sie taten Buße auf die Verkündigung des Jona hin; und siehe, hier ist einer, der größer ist als Jona!“ (Mat 12:41). Könnte er deutlicher betont haben, dass Gnade für die Bußfertigen bestimmt ist und dass es für diejenigen, der sein Herz gegen das Bitten des Geistes verhärtet, nur ein Gericht ohne Gnade geben kann?

9) Schauen wir uns den Dienst des Petrus an. In Apg 2:16 beginnt er zu zeigen, dass der Messias nach langen Jahren des Wartens der Israeliten nun gemäß der früheren Prophezeiungen erschienen ist. Aber die Juden hatten ihre eigenen Schriften erfüllt indem sie Jesus ablehnten. „Diesen [Mann], der nach Gottes festgesetztem Ratschluss und Vorsehung dahingegeben worden war, habt ihr genommen und durch die Hände der Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und getötet. Ihn hat Gott auferweckt, indem er die Wehen des Todes auflöste, weil es ja unmöglich war, dass Er von ihm festgehalten würde.“ (Apg 2:23-24). Es ist wahr, dass Gott ihn in die Welt gesandt hat, um für die Sünder zu sterben, dennoch waren diejenigen mit einer schrecklichen Schuld beladen, die ihre Hände gegen ihn ausstreckten und ihn schändlich und schimpflich behandelt hatten. Sie hatten ihm seine Ehre genommen. Aber Gott hat ihn verherrlicht und hat die Apostel beauftragt, von dem Zeugnis zu geben, welchen er „sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat, ebendiesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt!“ (Apg 2:36). Diese Erklärung überzeugte die Menschen in ihrer Schärfe, denn als „sie aber das hörten, drang es ihnen durchs Herz“ (Apg 2:37). Als ihnen die Hässlichkeit ihres Verbrechens bewusst wurde, erkannten sie, in welch schlimmer Situation sie sich befanden. Wie konnten sie sich von der schuldigen Menge trennen, über der das Gericht Gottes wie ein Damoklesschwert* hing und das sie mit seiner schrecklichen Sache jederzeit treffen konnte?

*Damokles war der Legende nach ein Günstling des Tyrannen Dionysios I. oder Dionysios II. von Syrakus in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. Ob Damokles tatsächlich gelebt hat, ist unsicher. Er wird als ein Höfling beschrieben, der mit seinem Leben unzufrieden war. Er beneidete den Tyrannen um dessen Macht und Reichtum und hob in seinen Schmeicheleien stets deren Vorzüge hervor. Dionysios beschloss daher, Damokles die Vergänglichkeit zu verdeutlichen, vor allem die seiner Position. Der Herrscher lud Damokles zu einem Festmahl ein und bot ihm an, an der königlichen Tafel sitzen zu dürfen. Zuvor ließ er jedoch über Damokles‘ Platz ein großes Schwert aufhängen, das lediglich von einem Pferdehaar gehalten wurde. Als Damokles das Schwert über seinem Kopf bemerkte, war es ihm unmöglich, den dargebotenen Luxus zu genießen und schließlich bat er darum, auf die Annehmlichkeiten (und die damit verbundene Bedrohung) verzichten zu dürfen. Damokles hatte seine Lektion erhalten, dass Reichtum und Erfolg keinen Schutz vor Gefahren bieten. Das Damoklesschwert wird auch heute noch als Metapher der bestehenden Gefahr in einer scheinbar komfortablen Situation gebraucht.

„Und sie sprachen zu Petrus und den übrigen Aposteln: Was sollen wir tun, ihr Männer und Brüder?“ (Apg 2:37). Man darf diese Frage nicht mit der Frage des Kerkermeisters in Philippi verwechseln „ihr Herren, was muss ich tun, dass ich gerettet werde?“ (Apg 16:30). Dieser war ein gottloser Heide, der plötzlich erweckt wurde und seine Verlorenheit erkannte, und er suchte eifrig nach einer Befreiung aus diesem unglückseligen Zustand. Aber die Israeliten waren Menschen, die dem Bund angehörten. Sie hatten voller Erwartung auf den Messias gewartet. Petrus erklärte ihnen, dass der Messias gekommen und schon wieder gegangen war! Das auserwählte Volk, zu dem sie gehörten, hatte ihn abgelehnt. Deshalb hatte Gott sie als Volk unter die Verdammnis beiseite gestellt. In seiner gerechten Regierung wollte er sie mit seinem äußersten Zorn bestrafen, wie Paulus später den Thessalonichern erklärte. Wenn diese erweckten Menschen, die dem Zeugnis des Petrus voll Glauben schenkten, diesem Schicksal entgehen wollten, was mussten sie dann tun? Wie konnten sie sich von dem Verbrechen, dessen sie sich als Nation schuldig gemacht hatten, freisprechen? Die Antwort war einfach und deutlich: „da sprach Petrus zu ihnen: tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden; so werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Denn euch gilt die Verheißung und euren Kindern und allen, die ferne sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird.“ (Apg 2:38-39). Er sagte mit seinem Bußruf: „Verändert eure Haltung. Das Volk hat Jesus abgelehnt – ihr müsst ihn annehmen. Das Volk hat ihn gekreuzigt – ihr müsst ihn zum König krönen. Zeigt eure Buße, indem ihr euch auf seinen Namen taufen lasst.

Das heißt nicht, dass die Taufe an sich irgendeinen rettenden Wert gehabt hätte. Vom Standpunkt der Haushaltungen (d.h. Zeitabschnitte des Heilsplanes Gottes mit den Menschen) Gottes gesehen verließen sie ihren Platz in dem Volk, das Jesus abgelehnt hat und identifizieren sich so mit ihrem Messias. Das dies die Absicht des Petrus war, wird im nächsten Vers deutlich: „und noch mit vielen anderen Worten gab er Zeugnis und ermahnte und sprach: Lasst euch retten aus diesem verkehrten Geschlecht!“ (Apg 2:40).

Wenn ihr das tut, dann identifiziert ihr euch mit dem Messias, so wie eure Väter mit Mose identifiziert worden sind, indem sie ihn als Führer anerkannten, als sie in der Wolkensäule und im Meer getauft wurden.“ Der Bußfertige richtet die Welt und wendet sich von ihr zu Christus, den die Welt verschmäht hat. In Apg 3 finden wir ein anderes wunderbares Ereignis. Nachdem Petrus den Gelähmten, der an der schönen Pforte des Tempels gebettelt hatte, geheilt hatte, predigte er der erstaunten und erregten Menge, die sich in der Halle Salomos gesammelt hatte, und erzählte wiederum die gleiche Geschichte des kommenden Messias, der verleugnet und getötet wurde, den Gott aber von den Toten auferweckt hat. Er rief: „so tut nun Buße und bekehrt euch, dass eure Sünden ausgetilgt werden, damit Zeiten der Erquickung vom Angesicht des Herrn kommen und er den sende, der euch zuvor verkündigt wurde, Jesus Christus, den der Himmel aufnehmen muss bis zu den Zeiten der Wiederherstellung alles dessen, wovon Gott durch den Mund aller seiner heiligen Propheten von alters her geredet hat“ (Apg 3:19-21). Sie sollten Buße tun und sich bekehren. Er sagte damit: „Verändert eure Haltung gegenüber diesem wunderbaren Fürsten des Lebens. Kehrt völlig um und stellt euch auf einen ganz anderen Grund als den, auf dem das Volk stand, das auf die Frage ‚Was soll ich denn mit Jesus tun, den man Christus nennt?’ (Mat 27:22) leidenschaftlich seinen Tod forderte indem es rief ‚Hinweg mit diesem! Kreuzige, kreuzige ihn!’ (Lk 23:18.21).“

10) A.W. Tozer schreibt: „Es war früher eine ganz normale Sache, wenn Gott das Zentrum der Anbetung war, dass jemand vor einem Altar kniete und zitterte, weinte und in dem schmerzvollen Kampf der Überführung schwitzte. Wir sehen das heute nicht mehr, weil der Gott, den wir predigen, nicht mehr der ewige und furchtbare Gott ist, von dem Habakuk schreibt; ‚mein Heiliger…deine Augen sind so rein, dass sie das Böse nicht ansehen können; du kannst dem Unheil nicht zuschauen’ (Hab 1:12-13).“ Deshalb haben wir heute die vielen doppelzüngigen Theologen, die keinerlei Zeugnis ihrer Wiedergeburt erkennen lassen. Sie reden zwar von der Errettung durch die Gnade, doch zeigt sie sich nicht in ihrem Leben. Laut verkünden sie, dass sie allein durch den Glauben gerechtfertigt sind, doch sie erinnern sich nicht daran, „dass der Glaube ohne die Werke tot ist?“ (Jak 2:20). Sie sehen nicht, dass die Rechtfertigung vor den Menschen durch die Werke kein Widerspruch zur Rechtfertigung vor Gott durch den Glauben ist.

11) Zweifellos ist die Furcht vor Missverständnissen ein wichtiger Grund, warum einige ernsthafte Prediger des Evangeliums fast Angst vor dem Begriff „Buße“ und „Buße tun“ haben, und ihn deshalb in ihren Predigten weitgehend vernachlässigen. Sie meinen, ihre Zuhörer könnten diese Worte falsch verstehen und denken, dass sie sie etwas mit irgendeinem Verdienst des Sünders zu tun haben könnten. Aber keine Annahme könnte irriger sein [als diese]. Es ist kein Verdienst, der mich erretten könnte, wenn ich meinen wahren Zustand erkenne und bekenne. Ich werde nicht dadurch geheilt, dass ich weiß, welche Krankheit ich habe. Und Buße bewirkt gerade solches Wissen.

12) Jesus sandte Paulus zu den Heiden „um ihnen die Augen zu öffnen, damit sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und von der Herrschaft des Satans zu Gott, damit sie Vergebung der Sünden empfangen und ein Erbteil unter denen, die durch den Glauben an mich geheiligt sind!“ (Apg 26:18). Das ist das Vorbild für alle Verkündiger des Evangeliums. Unsere erste Aufgabe ist es, den Menschen die Augen zu öffnen – sie von der Dunkelheit [in der man die Dinge nicht sehen kann die vor einem sind] ins Licht zu bringen [wo man die Dinge erkennen kann die vor einem sind], denn die große Masse derer, die auf Jesus angewiesen ist, weiß nichts davon. Sie sind nur darauf aus, die Chance ihres Lebens nicht zu verpassen, sie schauen nur auf die Dinge dieses Lebens, streben nach Reichtum und Ruhm, gehen den eitlen Vergnügungen dieser Welt nach, hasten achtlos immer weiter und ihre wirklich wichtigen Angelegenheiten vernachlässigen sie. Sie brauchen eine erweckende Botschaft, die sie alarmiert auf aufstört, damit sie erkennen, in welcher Schuld und Gefahr sie leben. Ehe das nicht erreicht ist, kann auch die süßeste Botschaft des Evangeliums sie nicht aus ihrer Gleichgültigkeit reißen; bestenfalls wird der Prophet Gottes für sie, wie der alte Hesekiel: „und siehe, du bist für sie wie ein Liebeslied, wie einer, der eine schöne Stimme hat und gut die Saiten spielen kann; sie werden deine Worte hören, aber sie nicht tun“ (Hes 33:32). Verkommen und sündig, wie das menschliche Herz nun einmal ist, ehe der Geist Gottes es erweckt hat, macht weder Gottes Güte (Mat 11:20-24; Lk 10:13-16) noch Gottes Zorn (Off 16:10-11) einen Eindruck auf dieses Herz, so dass es zur Buße käme. Daher das Bedürfnis nach einer „törichten Predigt“ (siehe 1Kor 1:21). Gottes Wahrheit, die in der Kraft des Heiligen Geistes verkündet wird, bewirkt die Erfahrung, die zur Buße führt, wenn sich ein Mensch nicht dagegen sträubt. Deshalb beschäftigt sich der Apostel so ausführlich mit dem verlorenen Zustand des Menschen (Röm 1:1-3:20), ehe er das wunderbare Evangelium der Gnade verkündigt, wie im nächsten Teil des Briefes an die Römer. Im Epheserbrief wird der Sünder als moralisch und geistlich tot angesehen, [während der Sünder] lebendig genug ist für das Wesen dieses Zeitalters, aber ohne den Antrieb Gott zu gehorchen. Aus diesem toten Zustand ist er mit Christus zusammen erweckt, und zwar ohne dass ein menschlicher Verdienst daran Anteil haben könnte. Aber dieses neue Leben wird, wie wir wissen, durch das Wort eingepflanzt, und dieses Wort tötet zuerst, ehe es lebendig machen kann. Der Pilger in Bunyans „Pilgerreise“ nahm die Last auf seinem Rücken nicht wahr, bis er begann, das Buch [d.h. die Heilige Schrift] zu lesen. Je mehr er las, desto schwerer wurde die Last für ihn, bis ihm als Antwort auf seine mitleiderregenden Bitten der Weg zur schmalen Pforte gewiesen wurde, dass ein Symbol für die Wiedergeburt ist. Es ist töricht, Menschen, die keinen Sinn für ihre Verlorenheit haben, zuzurufen: „Glaubt, glaubt!“. Keiner pflügte tiefer als Paulus, ehe er die Menschen zu einer Entscheidung für Christus aufrief. Sein Vorbild sollte nachgeahmt werden, die daran interessiert sind, Seelen zu retten und sie in der Wahrheit zu befestigen.

13) „Ein Knecht des Herrn aber soll nicht streiten, sondern milde sein gegen jedermann, fähig zu lehren, geduldig im Ertragen von Bosheiten; er soll mit Sanftmut die Widerspenstigen zurechtweisen, ob ihnen Gott nicht noch Buße geben möchte zur Erkenntnis der Wahrheit und sie wieder nüchtern werden aus dem Fallstrick des Teufels heraus, von dem sie lebendig gefangen worden sind für seinen Willen.“ (2Tim 2:24-26). Und wieder wird uns gezeigt, dass Buße keine verdienstvolle Handlung ist, sondern ein innerer Zustand, der durch den Heiligen Geist (und niemand anders) hervorgebracht wird.

14) Der Gott der Gnade darf nicht falsch dargestellt werden, der nämlich in allen Zeitaltern zuerst die Menschen zur Erkenntnis ihrer Sündhaftigkeit und ihrer Schuld gebracht und dann die Lösung angeboten hat, die die Menschen von ihrer schrecklichen Krankheit befreit. Paulus verdeutlich, dass alle über die Buße durch den Herrn Jesus Christus „im Glauben auch Zugang erlangt haben zu der Gnade, in der wir stehen“ (Röm 5:2), genauso sagt Petrus: „dies ist die wahre Gnade Gottes, in der ihr steht“ (1Pet 5:12). Wenn man sagt, dass ein Sünder tot für Gott ist und deshalb nicht Buße tun kann, hat man das Wesen des geistlichen Todes nicht verstanden und sucht nur nach einer Ausrede, damit man selbst nicht Buße tun muss. Sicherlich wird jeder nüchtern denkende Leser dieser Aufzeichnungen zu der Erkenntnis kommen, dass Buße uns zwar in keiner Weise einen Wert verleiht, aber doch unabdingbare Vorraussetzung für rettenden Glauben ist. Ein unbußfertiger Mensch kann niemals das Evangelium im rettenden Glauben ergreifen und so den Herrn Jesus als seinen eigenen, persönlichen Retter empfangen. Laue Predigt, die nicht die schreckliche Tatsache der Sündhaftigkeit des Menschen und seiner Schuld anerkennt, und deshalb nicht alle Menschen aufruft: „jetzt aber gebietet er allen Menschen überall, Buße zu tun“ (Apg 17:30), wird auch laue Bekehrungen bringen.

Schlussfolgerung

Buße ist kein Werk, sondern ein Zustand. Jeder Mensch, der diesen Zustand erreicht, beweist, dass Gott ihm diesen Zustand (d.h. die Buße) geschenkt hat. Wenn Gott den Menschen befiehlt Buße zu tun, dann befiehlt Er ihnen, dass sie eine andere Gesinnung haben sollen. Er fordert sie nicht so sehr auf etwas zu tun, sondern Er fordert sie vielmehr auf etwas zu sein. Und jeder Sünder, der diesen Befehl vernimmt und der göttlichen Verkündigung des Evangeliums zustimmt, wird zu Gott schreien, dass Er ihm die Augen noch mehr öffnet und ihm hilft zur Buße und zum rettenden Glauben zu gelangen. Ähnlich wie der Ausruf des Vaters in Mk 9:24

„Und sogleich rief der Vater des Knaben mit Tränen und sprach:
Ich glaube, Herr; hilf mir, loszukommen von meinem Unglauben!“

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