Grundlagen für Heilsgewissheit

Jeder Brief, der von der Hand eines Menschen geschrieben wurde, wurde aus einem bestimmten Grund geschrieben. Das Evangelium nach Johannes wurde aus einer bestimmten Absicht heraus verfasst. Ohne diese Absicht werden wir nicht ganz verstehen, warum Johannes schrieb, was er schrieb. Am Ende seines Evangeliums schreibt der Apostel über seine Absicht: „Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus, der Sohn Gottes ist, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.“ (Joh 20:31). Kein anderes Evangelium untermauert die Gottheit Jesu so sehr wie das Johannesevangelium. Das war auch die Absicht von Johannes, denn solange man glaubte, dass Jesus Christus nur ein Prophet ist, konnte man nicht gerettet werden. Der Glaube an Jesus setzt voraus, dass Er „der Sohn Gottes“ – Gott, der Sohn als zweite Person in der Dreieinigkeit. Daher konzentriert sich Johannes in seinem Evangelium besonders auf die Worte und die Werke, die Ihn als wesensgleich mit Gott darstellen. Das Jesus wahrhaftig „Gott“ ist, ist eine unglaubliche Sache, denn wie kann Gott ein Mensch werden und wie kann seine göttliche und unbegrenzte Fülle in einem einzigen Menschen wohnen (vgl. Kol 1:19)? Damit es uns einfacher ist, diese Tatsache, auch wenn wir sie nicht völlig begreifen können, zu akzeptieren, schreibt Johannes uns alle die Begebenheiten und alle die Worte unseres Herrn Jesus, die am meisten über seine Gottheit Aufschluss geben.

Während das Evangelium nach Johannes sich darauf konzentrierte zu zeigen, dass Jesus von Nazareth der „Christus“ und der „Sohn Gottes“ ist, wurde Johannes in seinem ersten Brief von etwas anderem geleitet. Diesmal wollte er systematisch aufzeigen, wie man zu wahrer Heilsgewissheit gelangt. Johannes schreibt: „Dies habe ich euch geschrieben, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt, und damit ihr auch weiterhin an den Namen des Sohnes Gottes glaubt.“ (1Joh 5:13). Es stellte sich heraus, dass nicht alle, die ein Glaubensbekenntnis zu Jesus Christus abgelegt haben, auch wirklich „wiedergeboren“ waren und ewiges Leben hatten.

WAS WIR BERÜCKSICHTIGEN MÜSSEN

Um den Johannesbrief umfassend richtig verstehen zu können, muss sich der Leser einiger Hintergründe des Briefes bewusst sein. Auf der Grundlage dieser Hintergründe erscheinen die Aussagen des ersten Johannesbriefs um einiges verständlicher.

Es gibt Schriftstellen, aus denen wir erfahren können, dass es das Phänomen des Selbstbetruges gibt. Dabei denkt man von sich selber, dass man gerettet ist und ewiges Leben hat, während das Gegenteil wahr ist. In den Sprüchen steht geschrieben: „Mancher Weg erscheint dem Menschen richtig, aber zuletzt führt er ihn doch zum Tod.“ (Spr 14:12) und „Alle Wege des Menschen sind rein in seinen Augen, aber der Herr prüft die Geister.“ (Spr 16:2). Das Neue Testament bestätigt die Möglichkeit einer falschen Heilsgewissheit wenn sie uns auffordert: „Prüft euch selbst, ob ihr im Glauben seid; stellt euch selbst auf die Probe! Oder erkennt ihr euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist? Es sei denn, dass ihr unecht wärt!“ (2Kor 13:5). Das Wort „unecht“ kommt von dem griechischen Wort adokimos (zusammengesetzt aus a = „nicht“ + dokimos = „akzeptiert, anerkannt, angenommen, angenehm, akzeptabel“). Das Wort beschreibt immer sich zum Glauben „Bekennende“, während in Wirklichkeit ihr Glaubensbekenntnis vor Gott nicht anerkannt wurde. Es handelt sich um „Abtrünnige“, deren Glaubensbekenntnis nicht aufrichtig ist. Im Neuen Testament finden wir das Wort adokimos unter anderem in Röm 1:28 „Und gleichwie sie Gott nicht der Anerkennung würdigten, hat Gott auch sie dahingegeben in unwürdige Gesinnung, zu verüben, was sich nicht geziemt.“, in Tit 1:16 „Sie geben vor, Gott zu kennen, aber mit den Werken verleugnen sie ihn, da sie verabscheuungswürdig und ungehorsam und zu jedem guten Werk untüchtig sind.“, und in Heb 6:7-8 „Denn ein Erdreich, das den Regen trinkt, der sich öfters darüber ergießt, und nützliches Gewächs hervorbringt denen, für die es bebaut wird, empfängt Segen von Gott; dasjenige aber, das Dornen und Disteln trägt, ist untauglich und dem Fluch nahe; es wird am Ende verbrannt.“ Es wird deutlich, dass Menschen, die mit dem Wort adokimos bezeichnet werden, kein echten Christen sein können, auch wenn sie es energisch behaupten.

Der Apostel Paulus warnt auch in seinem ersten Brief an die Korinther: „Ich erinnere euch aber, ihr Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht, durch das ihr auch gerettet werdet, wenn ihr an dem Wort festhaltet, das ich euch verkündigt habe — es sei denn, dass ihr vergeblich geglaubt hättet.“ (1Kor 15:1-2). Auch hier wird schon deutlich, dass ein Glaubensbekenntnis allein nicht genügt, um sich der Erlösung sicher zu sein. Vielmehr verweist Paulus auf das ständige Festhalten an das ursprünglich verkündete Evangelium mit all seinen fundamentalen Wahrheiten. Würde man entdecken, dass man nicht an die fundamentalen Wahrheiten des Evangeliums festhält, so besteht Grund zur Annahme, dass man ein Abtrünniger ist, dessen Glaubensbekenntnis unecht ist.

Nicht alle Menschen die „glauben“ sind auch wirklich „gerettet“ oder „haben ewiges Leben“. Dieses letzte Beispiel sollte es deutlich zeigen. Wir vergleichen folgende Aussagen miteinander: „Die aber auf dem Felsen sind die, welche das Wort, wenn sie es hören, mit Freuden aufnehmen; aber sie haben keine Wurzel; sie glauben nur eine Zeit lang, und zur Zeit der Versuchung fallen sie ab.“ (Luk 8:13) und „Simon aber glaubte auch und hielt sich, nachdem er getauft war, beständig zu Philippus; und als er sah, dass Zeichen und große Wunder geschahen, geriet er außer sich.“ (Apg 8:13). Unter Berücksichtigung der nachfolgenden Aussagen über Simon den Zauberer in Apg 8:18-23 ist es ausgeschlossen, dass Simon jemals errettet war. Die Schrift sagt er „glaubte auch“ das „Evangelium vom Reich Gottes“ (Apg 8:12), während dieser Glaube nicht verwechselt werden darf mit dem „glauben“, dass zur Rechtfertigung bringt. In der Schrift sind mit Menschen, die glauben, oft die gemeint, die nur ein Glaubensbekenntnis ablegen. Das ist eine erschreckende Wahrheit!

Jemand sagte einmal: „Willst du wissen, was dein Glaubensbekenntnis zu Jesus Christus wirklich wert ist? Absolut gar nichts! Es wird viele Menschen geben, die werden bekennen „Herr, Herr“, aber sie werden nicht in das Reich der Himmel eingehen. Es ist daher wichtig die warnenden Worte unseres Herrn Jesus zu verstehen „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut.“ (Mat 7:21).“ Ein echter Christ wird ein Glaubensbekenntnis vor anderen ablegen, aber nicht alle, die ein Glaubensbekenntnis vor anderen abgeben, sind echte Christen.

GNOSTIKER

Durch die Aufzeichnungen der Apostel und der ersten Kirchenväter können wir erfahren, dass zur Zeit der Apostel eine sektiererische Gruppe mit den Namen „Gnosis“ existierte. Das griechische Wort gnosis bedeutete „Wissen, Erkenntnis“. Üblicherweise bezeichnet „Gnosis“ ein religiöses Geheimwissen, das die Gnostiker nach ihrem Verständnis von der übrigen Menschheit abhebt. In der Literatur des 2. und 3. Jahrhunderts war der Ausdruck „Gnostiker“ eine gängige Bezeichnung für christliche, jüdische, heidnische oder griechische Intellektuelle. Schriften von Justin[1] zeigen uns, dass Anhänger der Gnostischen Bewegung sich vermutlich schlicht „Christen“ nannten. Dass es bereits zu neutestamentlichen Zeiten gnostische Gruppen unter den Christen gab, können wir durch die Aussagen der Schrift erkennen: „O Timotheus, bewahre das anvertraute Gut, meide das unheilige, nichtige Geschwätz und die Widersprüche der fälschlich so genannten »Erkenntnis« (gr. gnosis)!“ (1Tim 6:20).

Die Gnostiker verfuhren nach folgendem Grundsatz: „sie übernehmen die Sprache und bisweilen die Literatur anderer religiöser Glaubensweisen und passten sie ihren eigenen Zwecken an. Der Gnostizismus ist synkretistisch (d.h. in ihm verschmelzen Elemente verschiedener Kulturen zu einer neuen Synthese).“[2] Gnostiker übernahmen sozusagen den christlichen Glauben und veränderten bestimmte Lehraussagen, bis sie zu ihren eigenen Ansichten passten. Gnostiker waren gekennzeichnet von einer großen Gleichgültigkeit gegenüber einem moralischen Leben.

Diese Gruppe war unter den wahren Gläubigen und es entstand ein Konflikt über fundamentale Lehraussagen. Die gnostischen Lehrer waren sehr angesehen, denn sie rühmten sich damit, dass sie der übrigen Menschheit überlegen sind durch den Besitz verborgener Erkenntnisse. Für sie waren sexuelle Ausschweifungen oder Alkoholismus keine große Sache. Sie lehrten, dass der Körper sowieso eines Tages vernichtet wird, deswegen können wir mit unseren Körpern sündigen, denn es ist die Seele und der Geist, der vor Gott wertvoll ist. Sie behaupteten, dass man nicht wirklich wissen kann, was der Wille Gottes ist. Doch so rechtfertigten sie nur ihren unmoralischen Wandel und ihre verderblichen Exzesse. Für sie war Gott ein „esoterischer Gott“ – ein finsterer und verborgener Gott. Adam Clarke schreibt: „Man nimmt an, dass der erste Johannesbrief sich gegen die Irrlehren der Gnostiker richtet. Sie waren große Heuchler und behaupteten, sie besäßen Erkenntnisse im höchsten Maße göttlicher Erleuchtung und hätten engste Gemeinschaft mit der Quelle der Heiligkeit, während ihre Gewohnheiten überaus verdorben waren.“ Wer waren nun die wirklichen Christen, die das ewige Leben hatten?

GRUNDLAGE FÜR HEILSGEWISSHEIT

Es erhebt sich folgende Frage: „Wie kann ich wirklich wissen, dass ich auch wirklich glaube?“. In der Schrift ist die Grundlage für echte Heilsgewissheit die Frucht der Wiedergeburt. Ein echter Christ ist eine neue Schöpfung und wird so leben, dass sich Gottes tiefgreifendes Werk der Neugestaltung widerspiegelt in seinem Leben: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen; siehe, es ist alles neu geworden!“ (2Kor 5:17) und „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Sammelt man auch Trauben von Dornen, oder Feigen von Disteln?“ (Mat 7:16). Echte Heilsgewissheit basiert daher auf der Selbstuntersuchung im Licht der Schrift: „Prüft euch selbst, ob ihr im Glauben seid; stellt euch selbst auf die Probe! Oder erkennt ihr euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist? Es sei denn, dass ihr unecht wärt!“ (2Kor 13:5) und „Dies habe ich euch geschrieben, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt.“ (1Joh 5:13).

Der Apostel Johannes schrieb seinen ersten Brief also aus der Absicht heraus, den Menschen eine biblische Grundlage für echte Heilsgewissheit zu vermitteln. Die Apostel fordern die (sich zu Jesus bekennenden) Menschen heraus, ihr eigenes Leben im Licht der Schrift einer Selbstuntersuchung zu unterziehen. Wir wollen uns nun diejenigen Aussagen anschauen, durch die man (1) zu wahrer Heilsgewissheit gelangt oder (2) zu der ernüchternden Erkenntnis der Wahrheit, dass unser Glaubensbekenntnis falsch ist. „Prüft alles“ (1Thess 5:21).


[1] Justin, genannt »der Märtyrer« (100-165 n.Chr.), war ein christlicher Märtyrer und Kirchenvater und Kirchenlehrer des 2. Jahrhunderts.

[2] Robert McLachlan Wilson: Gnosis und Neues Testament (Stuttgart: Verlag Kohlhammer, 1971), S. 11+13.

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