Granville Sharps Regel

Titus 2,13 und 2.Petrus 1,1 von James White

Diese Abhandlung ist in zwei Teile aufgeteilt. Der erste Teil ist eine einfache und kurze Erklärung über das, was man unter »Granville Sharps Regel« versteht. Wenn man Titus 2,13 und 2.Petrus 1,1 (und andere Stellen) übersetzen und verstehen möchte, ist diese Regel überaus wichtig. Diese Stellen tragen direkt zur Debatte über die Gottheit des Herrn Jesus Christus bei und wir glauben, dass Christen über dieses Thema informiert sein sollten. Der zweite Teil dieser Abhandlung ist eine genauere Betrachtung des gleichen Themas und bietet Informationen für diejenigen, die mit der griechischen Sprache und der Übersetzung des Neuen Testamentes vertraut sind.

Teil 1

Die Granville Sharps Regel sagt im Grunde folgendes: Hat man zwei Substantive (ausgenommen Namen wie Petrus, Paulus, Timotheus), die eine Person beschreiben, und beide Substantive sind durch »und« miteinander verbunden (während das erste Substantiv einen Artikel hat und das zweite nicht), so beziehen sich beide Substantive auf dieselbe Person. Dies wird in unseren Texten durch die Worte »Gott« und »Retter« deutlich.

Titus 2,13
[…] indem wir die glückselige Hoffnung erwarten und die Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Retters Jesus Christus.

2.Petrus 1,1
Simon Petrus, Knecht und Apostel Jesu Christi, an die, welche den gleichen kostbaren Glauben wie wir empfangen haben an die Gerechtigkeit unseres Gottes und Retters Jesus Christus.

Vor »Gott« steht ein Artikel, danach folgt das Wort »und« und danach das Wort »Retter«, welches keinen Artikel hat. Aus diesem Grund beziehen sich beide Substantive auf dieselbe Person, nämlich Jesus Christus. Diese Regel ist ohne Ausnahme. Wenn das jemand bestreitet, muss er das ausschließlich auf theologischer Grundlage tun. Es gibt wirklich keinen grammatischen Einwand, den man an dieser Stelle geltend machen könnte. Viele haben das versucht und versuchen es noch immer. Jedoch ist die Beweislast zugunsten der obigen Interpretation überwältigend. Schauen wir uns einige Beweise aus dem Text selbst an.

Zuerst sehen wir in Titus 2,13, dass sich Paulus auf die epiphaneia des Herrn bezieht, seine »Erscheinung.« Wo auch immer dieses Wort vorkommt, ist es für Christus reserviert und für ihn allein. Direkt im Anschluss folgt Vers 14, der sagt: »der sich selbst für uns hingegeben hat, um uns von aller Gesetzlosigkeit zu erlösen und für sich selbst ein Volk zum besonderen Eigentum zu reinigen, das eifrig ist, gute Werke zu tun.« Offensichtlich ist der Bezug auf Christus, der sich an dem Kreuz von Golgatha »selbst für uns hingegeben hat.« Darüber hinaus gibt es keinerlei Hinweis darauf, dass sich das Bezugswort »der« in Vers 14 im Plural befindet. Man darf auch erwähnen, dass Vers 14, während man sich auf Christus bezieht, eine Umschreibung einiger Passagen aus dem Alten Testament ist, die sich auf Gott Jahwe beziehen (Psalm 130,8; 5.Mo 7,6, usw.). Man kann wohl kaum die Identifikation von Christus mit Gott ablehnen, wenn man sieht, wie der Apostel damit fortfährt, die Werke von Christus als Werke Gottes zu beschreiben!

Die Passage, die wir in 2.Petr 1,1 finden, ist sogar noch klarer. Manche haben sogar grammatische Regeln und Tatsachen ignoriert und sich auf der Grundlage von Vers 2 für eine schlechte Übersetzung entschieden, die, so sagen sie, deutlich zwischen Gott und Christus unterscheidet. So eine Übersetzung, die auf theologischen Vorurteilen basiert, hat es nicht verdient anerkannt zu werden. Der kleine zweite Petrusbrief enthält insgesamt 5 »Granville Sharp« Konstruktionen.

2.Petr 1,1 Simon Petrus, Knecht und Apostel Jesu Christi, an die, welche den gleichen kostbaren Glauben wie wir empfangen haben an die Gerechtigkeit unseres Gottes und Retters Jesus Christus.

2.Petr 1,11 […] denn auf diese Weise wird euch der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Retters Jesus Christus reichlich gewährt werden.

2.Petr 2,20 Denn wenn sie durch die Erkenntnis des Herrn und Retters Jesus Christus den Befleckungen der Welt entflohen sind, aber wieder darin verstrickt und überwunden werden, so ist der letzte Zustand für sie schlimmer als der erste.

2.Petr 3,2 […] damit ihr an die Worte gedenkt, die von den heiligen Propheten vorausgesagt worden sind, und dessen, was euch der Herr und Retter durch uns, die Apostel, aufgetragen hat.

2.Petr 3,18 Wachst dagegen in der Gnade und in der Erkenntnis unseres Herrn und Retters Jesus Christus! Ihm sei die Ehre, sowohl jetzt als auch bis zum Tag der Ewigkeit! Amen

Niemand würde argumentieren, dass die anderen vier Stellen eine Ausnahme für diese Regel darstellen. In 2.Petr. 2,20 zum Beispiel ist es offensichtlich, dass sowohl »Herr« als auch »Retter« sich auf Christus beziehen. Ebenso ist es der Fall in 2.Petr 3,2 und auch 2.Petr 3,18. Hier gibt es keinerlei Probleme, denn mit der korrekten Übersetzung fühlt sich niemand auf seine theologischen Füße getreten. Noch beeindruckender aber ist 2.Petr 1,11. Die Konstruktion hier ist identisch mit der Konstruktion, die wir in 2.Petr 1,1 finden, nur dass ein einziges Wort anders ist. Hier sind die Stellen transliteriert ins Deutsche:

2.Petr 1,1: tou theou hemon kai soteros Iesou Christou
2.Petr 1,11: tou kuriou hemon kai soteros Iesou Christou

Man beachte die exakte Übereinstimmung zwischen diesen Stellen! Einzig und allein die Worte »kuriou« und »theou« unterscheiden sich. Niemand stellt in 2.Petr 1,11 die Übersetzung »unseres Herrn und Retters Jesus Christus« in Frage. Warum sollten wir dann in 2.Petr 1,1 die Übersetzung »unseres Gottes und Retters Jesus Christus« in Frage stellen? Die Widerspruchslosigkeit einer Übersetzung setzt voraus, dass wir unseren persönlichen Vorurteilen nicht erlauben sich bei der Übersetzung von Gottes Wort einzumischen.

Dr. A. T. Robertson untersuchte eben dieses Thema und sagte in seiner Schlussfolgerung:

»Sharp bleibt im Recht nachdem sich aller Staub gesetzt hat. Wir müssen diesen Stellen erlauben das zu bedeuten, was sie bedeuten wollen ohne Rücksicht zu nehmen auf unsere Theorien über die Theologie der Schreiber.«

Es gibt keinen soliden grammatischen Grund zu zögern 2.Petr 1,1 mit »unseres Gottes und Retters Jesus Christus« und Tit 2,13 mit »des großen Gottes und unseres Retters Jesus Christus« zu übersetzen. Gelehrsamkeit, echte Gelehrsamkeit, trachtet danach die Wahrheit zu finden. Das ist ihre Belohnung. Der christliche Gelehrte findet die gleiche Freude in der Wahrheit und es beunruhigt ihn nicht, dass die Grundlagen zerstört werden.

Hoffentlich können alle Beteiligten Dr. Robertsons Worte bestätigen. Wir dürfen nicht meinen, dass Gottes Wort unser Feind ist oder dass wir es verdrehen müssen, bis es unseren Bedürfnissen entspricht. Gottes Wahrheit wird bestehen, ungeachtet aller menschlichen Versuche sie zu unterdrücken oder zu verdrehen. Christen sehnen sich nach der seligen Hoffnung, dem Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Jesus Christus. In der Zwischenzeit lasst uns anderen Gutes tun und in der Gerechtigkeit unseres Gottes und Retters Jesus Christus leben.

Teil 2

Jeder, der vertraut ist mit dem Koine Griechisch, der Sprache des gewöhnlichen Volkes in Jesus’ Tagen, weiß, dass sie eine ausdrucksstarke und reiche Sprache ist. Sie ist in der Tat kompliziert und folgt die meiste Zeit nur selten ihren eigenen Regeln. Ein häufiger Spass unter den Griechischstudenten ist die Torheit des Gebrauches des Wortes »immer«, wenn man eine Frage an den Professor richtet. Es gibt scheinbar immer eine Ausnahme für die Regel.

Man würde dann erwarten, dass man eine Anzahl von Ausnahmen für die Regel von Granville Sharp findet. Bevor wir das herausfinden können, müssen wir die Regel erst einmal definieren. Das klingt einfach, ist es aber zu meiner Überraschung nicht. Nehmen wir zum Beispiel einmal die Definition, die uns Curtis Vaughn und Virus Gideon geben:

»Wenn zwei Substantive des selben Falls durch »und« miteinander verbunden sind und beide Substantive einen Artikel haben, beziehen sie sich auf verschiedene Personen oder Sachen. Wenn nur das erste Substantiv einen Artikel hat, dann bezieht sich das zweite Substantiv auf dieselbe Person oder Sache, auf die sich zuerst bezogen wurde.«

Kenneth Wuest in Word Studies in the Greek New Testament definiert es wie folgt:

»Wir haben hier Grandville Sharps Regel, die besagt, dass, wenn man zwei Substantive im selben Fall hat und sie durch ein »und« verbunden sind, während das erste Substantiv den Artikel hat und das zweite nicht, sich das zweite Substantiv auf dieselbe Sache bezieht wie das erste Substantiv und eine weitere Beschreibung davon ist.«

Bemerkt das Fehlen des Teils der Definition von Vaughn und Gideon, in dem es um zwei Substantive mit zwei Artikeln ging. Dana und Mantey geben wahrscheinlich die akkurateste Definition wenn sie schreiben:

»Die folgende Regel von Granville Sharp vor hundert Jahren erweist sich immer noch als richtig: Wenn das kopulative »und« zwei Substantive des selben Falls miteinander verbindet, wenn der Artikel »ho«, egal in welchem Fall, dem ersten der beiden besagten Substantive oder Partizipien vorausgeht und nicht vor dem zweiten Substantiv oder Partizip wiederholt wird, dann bezieht sich das Letztere immer auf dieselbe Person, die durch das erste Substantiv oder Partizip beschrieben oder dargestellt wurde und ist damit eine weitere Beschreibung der zuerst genannten Person.«

Zu meiner Überraschung jedoch habe ich herausgefunden, dass keine dieser Definitionen, selbst die von Dana und Mantey, akkurat das widerspiegeln, was Granville Sharp eigentlich gesagt und damit gemeint hat. Es ist diesen weniger akkuraten Definitionen zu verdanken, dass Sharps Regel von vielen nur kritisch gesehen wird. Eine der längsten und besten Abhandlungen, die ich finden konnte, findet man in A. T. Robertsons feinem Werk The Minister and His Greek New Testament auf Seite 61 bis 68 unter der Überschrift »The Greek Article and the Deity of Christ.« Hier habe ich zuerst eine exakte Wiedergabe von Granville Sharps eigentlicher Regel gefunden. Seit dieser Zeit hatte ich das Glück eine Ausgabe von 1807 von Granville Sharps eigentlichem Werk zu finden mit dem Titel Remarks on the Uses of the Definitive Article in the Greek New Testament – Containing Many New Proof of the Divinity of Christ – From Passage Which are Wrongly Dranhaltet in the Common English Version. Dieses Werk bringt eigentlich sechs Regeln hervor, während die anderen fünf Folgesätze der ersten Regel sind. Granville Sharps Regel nach Granville Sharp selbst lautet:

»Wenn das kopulative »und« zwei Substantive des selben Falls miteinander verbindet [nämlich Substantive (entweder Substantiv, Adjektiv oder Partizipien), die eine Person beschreiben, die Bezug nehmen auf ein Amt, einen Rang, eine Verwandtschaft oder eine Verbindung, Eigenschaften, Qualitäten, gute wie schlechte], wenn der Artikel »ho«, egal in welchem Fall, dem ersten der beiden besagten Substantive oder Partizipien vorausgeht und nicht vor dem zweiten Substantiv oder Partizip wiederholt wird, dann bezieht sich das Letztere immer auf dieselbe Person, die durch das erste Substantiv oder Partizip beschrieben oder dargestellt wurde und ist damit eine weitere Beschreibung der zuerst genannten Person.«

Der entscheidende Punkt für den Leser von Sharps Werk ist dieser: Sharps Regel gilt nur für Singulare, nicht für Plurale, und sie soll nicht auf echte Namen angewendet werden. Seine Regel kann nur auf Personen angewendet werden, nicht auf Sachen. Wie man sieht, ist Granville Sharps Regel viel mehr begrenzt in seiner Anwendung als die modernen Definitionen das deutlich machen.

Macht diese genauere Definition einen großen Unterschied? Das tut sie in der Tat! Es sollen 79 Vorkommnisse von Granville Sharp Konstruktionen in den Schriften des Paulus sein, wenn man Vaughn und Gideons Definition benutzt. Somit haben wir Konstruktionen, die Singulare und Plurale, Beschreibungen von Orten und Sachen, miteinander vermischen und Konstruktionen, in denen beide Substantive jeweils einen Artikel besitzen. Ein flüchtiger Blick über diese Liste zeigt uns, dass es maximal fünfzehn und minimal fünf Ausnahmen gibt. Selbst dieses Verhältnis würde als sehr gut befunden werden, sollte es eine allgemeine Regel der Grammatik sein. Jedoch behauptete Sharp, dass seine Regel »immer« ohne Ausnahme gelten würde. Es ist offensichtlich: wenn die modernen Versionen seiner Regel akkurat sind, dann kann es Sharp nicht sein. Aber wenn man die Konstruktionen im Neuen Testament, die wirklich Granville Sharps Regel folgen, genauer untersucht, dann erkennt man etwas sehr ungewöhnliches: es stellt sich heraus, dass es nicht eine einzige Ausnahme gibt! Ganz so wie Robertson aus Sharps Werk zitiert: »Obwohl Sharps Regel angegriffen wurde, hält er an ihr fest und bestätigt (S. 115), dass er keine einzige Ausnahme gefunden hatte, obwohl er mehrere tausend Beispiele dieser Art (z.B. Hebr 3,1: den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses Christus Jesus) untersucht hatte.« Und nach meiner eigenen Nachforschung kann ich nur mit Sharp übereinstimmen. Die Regel, in ihrer reinen Form, ist ohne Ausnahme. Eine Untersuchung einiger Schlüsseltexte ist jetzt angebracht. Die zwei Texte, die die Kontroverse über die Regel am meisten ins Rollen gebracht haben, sind Titus 2,13 und 2.Petrus 1,1. Beide Passagen zeigen, was man »klassische« Sharp Konstruktionen nennen könnte.

Titus 2,13
την μακαριαν ελπιδα και επιφανειαν της δοξης του μεγαλου θεου και σωτηρος ημων ιησου χριστου

2.Petrus 1,1
του θεου ημων και σωτηρος ημων ιησου χριστου

Titus 2,13 wird korrekt übersetzt mit »…die glückselige Hoffnung…und die herrliche Erscheinung unseres großen Gottes und Retters Jesus Christus« und 2.Petrus 1,1 mit » unseres Gottes und Retters Jesus Christus.« Der Grund für die Kontroverse ist natürlich recht offensichtlich. Sollten diese Texte wirklich so dastehen, wird die arianische theologische Position unhaltbar. Dann haben nämlich große griechische Grammatiker wie George B. Winer vergeblich ihre besten Angriffe auf diese Passagen unternommen. Die Passage aus 2.Petrus scheint die stärkste von allen Passagen zu sein, gerade wegen ihres Kontextes. Vier andere Sharp Konstruktionen tauchen in 2.Petrus auf, eine wirklich hohe Anzahl in einem kleinen Brief, der nur drei Kapitel hat. Die anderen Beispiele finden wir in 2.Petrus 1,11; 2,20; 3,2; 3,18. Der Kürze halber werde ich nur 2.Petrus 1,11 untersuchen, da Vers 11 im Wortlaut beinahe identisch ist mit Vers 1 (nur das »Herr« anstelle von »Gott« steht) und sogar identisch in der Form: του κυριου ημων και σωτηρος ιησου χριστου – unser Herr und Retter Jesus Christus. Niemand sieht ein Problem darin, dass sich »Herr« und »Retter« auf dieselbe Person beziehen, Jesus Christus, und dass beide Substantive unter einem einzigen Artikel stehen. Warum versperrt man sich dann 2.Petrus 1,1 korrekt zu übersetzen? Die Konstruktion ist identisch. Titus 2,13 erscheint in einem Kontext, der eindringlich die Behauptung von Sharps Regel befürwortet. Erstens steht der Ausdruck »Erscheinung« im Neuen Testament niemals in Verbindung mit dem Vater (2.Thess 2,8; 1.Tim 6,14; 2.Tim 1,10; 4:1; Tit 2,13). Deswegen steckt das Argument der Antitrinitarier schon von Anfang an in Schwierigkeiten. Titus 2,14 geht weiter mit »der sich selbst für uns hingegeben hat, um uns von aller Gesetzlosigkeit zu erlösen und für sich selbst ein Volk zum besonderen Eigentum zu reinigen, das eifrig ist, gute Werke zu tun.« Es ist interessant zu sehen wie Psalm 130,8 sagt, dass es Jahwe ist, der von allen Sünden befreit. Es gibt also kein kontextbezogenes, syntaktisches oder grammatisches Argument, dass man gegen diese Passagen vorbringen könnte. Allein ein theologisches Vorurteil könnte die Übersetzung beeinträchtigen. Warum übersetzen dann die KJV von 1611 und die ASV und einige andere ältere Versionen diese Passagen falsch? Robertson ist der Meinung, dass dies hauptsächlich dem Einfluss von George B. Winer und seinem grammatischen Werk zu verdanken ist. Für drei Generationen war sein Werk das Maß und viele Gelehrte hielten sich damit zurück ihm die Stirn zu bieten und auf eine korrekte Übersetzung dieser Passagen zu bestehen. Jedoch Winer selbst, ein Antitrinitarier, gab zu, dass es nicht grammatische Gründe gewesen sind, der ihn dazu brachten die korrekte Übersetzung von Titus 2,13 abzulehnen, sondern theologische Gründe. In der Winer-Moulton Grammatik (wie von Robertson zitiert) auf Seite 162 sagte Winer: »Überlegungen, die sich von Paulus’ Lehrsystem ableiteten, brachten mich dazu zu glauben, dass »Retter« kein zweites Prädikat ist, das mit »Gott« gleichgestellt ist, so dass Christus zuerst »großer Gott« und danach »Retter« genannt wird.« Robertson trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er sagt:

»Sharp bleibt im Recht nachdem sich aller Staub gesetzt hat. Wir müssen diesen Stellen erlauben das zu bedeuten, was sie bedeuten wollen ohne Rücksicht zu nehmen auf unsere Theorien über die Theologie der Schreiber.«

Kenneth Wuest zeigt in seiner Expanded Translation einige Sharp Konstruktionen. Zum Beispiel steht in 2.Thessalonicher 1,12: »gemäß der Gnade unseres Gottes und des Herrn Jesus Christus.« 1.Timotheus 5,21: »Ich ermahne dich ernstlich vor Gott und dem Herrn Jesus Christus« und 2.Timotheus 4,1: »Daher bezeuge ich dir ernstlich vor dem Angesicht Gottes und des Herrn Jesus Christus.« All diese sind weitere Beispiele von Sharps Regel. Natürlich handeln nicht alle Beispiele von der Tatsache der Gottheit des Herrn Jesus Christus. In 1.Thessalonicher 3,2 steht τον αδελφον ημων και…συνεργον »unseren Bruder…und Mitarbeiter« in Bezug auf Timotheus. Philemon 1 enthält einen ähnlichen Bezug und Hebräer 3,1 ist ein weiteres Beispiel. Eines der am häufigsten wiederholten Beispiele betrifft die Redewendung »Gott und Vater.« Reine Sharp Konstruktionen finden wir in 2.Korinther 1,3; Ephemer 1,3; Ephemer 5,20; Philippe 4,20 und 1.Thessalonicher 3,11. Schließlich tauchen noch andere Beispiele von Sharp Konstruktionen auf in 1.Korinther 5,10; 1.Korinther 7,8.34; Ephemer 5,5; Philippe 2,25 und Kolosse 4,7. Und natürlich gibt es auch außerhalb der Schriften von Paulus noch andere.

Nachdem wir gesehen haben, dass Granville Sharp zu Recht eine Regel der Grammatik identifiziert hat, der die alten griechischen Schreiber treu gefolgt sind, werden wir als nächstes untersuchen, ob man die moderneren und weit weniger akkuraten Definitionen von Sharps Regel quasi überhaupt gebrauchen kann. Einige Beispiele, die zwar Sharps Grundsatz folgen, aber im Eigentlichen keine Sharp Konstruktionen sind (zum Beispiel Römer 3,21 »die von dem Gesetz und den Propheten bezeugt wird«), weisen den Gebrauch des Artikels bei beiden Substantiven auf. Andere Beispiele sind Römer 15,4: »durch das Ausharren und den Trost«, 2.Korinther 8,4: »die Liebesgabe und die Gemeinschaft«, 1.Thessalonicher 3,6: »von eurem Glauben und eurer Liebe.« Einige, die nur einen Artikel aufweisen, sind Philipper 1,20: »entsprechend meiner festen Erwartung und Hoffnung«, Philipper 2,17: »über dem Opfer und dem priesterlichen Dienst eures Glaubens« und Kolosser 2,8: »durch die Philosophie und leeren Betrug.« Dort gibt es jedoch einige Ausnahmen, so wie Philipper 1,19: »durch eure Fürbitte und den Beistand des Geistes Jesu Christi« und 2.Korinther 1,6: »zu eurem Trost und eurer Rettung.« Robertson zeigt, dass, wenn beide Substantive einen Artikel haben, sie voneinander zu unterscheiden sind. Er listet unter anderem folgende auf: Matthäus 23,2; Markus 2,18; Markus 6,21; Markus 11,9.18; Markus 12,13; Lukas 11,39; Lukas 15,6; Lukas 23,4; Johannes 4,37; 1.Korinther 3,8; Jakobus 3,11; Apostelgeschichte 26,30; Offenbarung 18,20 und fügt hinzu, dass die Liste noch endlos fortgesetzt werden kann. Er erwähnt auch, dass manchmal der Gebrauch eines einzigen Artikels mit zwei Substantiven zeigen kann, dass der Autor beide Dinge für eins hält, auch wenn sie eventuell zahlenmäßig oder allgemein eigenständig sein mögen. Ebenso muss die Tatsache erwähnt werden, dass Unterschiede in Zahl oder Geschlecht darauf abzielen den Artikel ins Spiel zu bringen.

Auf der Grundlage des vorangehenden, es sei denn der Kontext verlangt das anders, tut der Ausleger gut daran die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass der Autor (wenn er eine Konstruktion verwendet, die zwei Substantive benutzt, während das erste einen Artikel hat und das zweite nicht) ein Objekt im Sinn hat, auch wenn er zwei Substantive (Partizipien oder Adjektive) benutzt. Wenn also beide Substantive beide einen Artikel haben, ist es sehr wahrscheinlich, dass der Schreiber sie voneinander unterscheidet. Auch wenn es für diese Anregungen Ausnahmen gibt, können sie im Allgemeinen durchaus hilfreich sein. Wenn man jedoch die echte Regel von Granville Sharp behandelt, liegen vollkommen andere Gesichtspunkte zugrunde. Eine echte Sharp Konstruktion hält, was Sharp wirklich gesagt hat und dies in jedem einzelnen Fall. Daher ist Sharps Regel ein unschätzbares Werkzeug in der Tasche des Auslegers. Anders als bei den vielen anderen Regeln muss man sich nicht den Kopf zerbrechen wegen der vielen Ausnahmen der Regel. Es ist amüsant sich Apostel Paulus vorzustellen, wie er sich eine Diskussion unter modernen Grammatikern anhört und verwirrt sein muss darüber, was die Granville Sharp Regel ist. Er würde sicherlich der Tatsache zustimmen, dass er wusste was er schrieb und was er damit meinte, aber wir müssen uns daran erinnern, dass Granville Sharp lediglich ein Prinzip richtig erkannt hat, welches schon seit ca. 1700 Jahren existierte. Paulus hielt sich niemals an Granville Sharps Regel: Granville Sharp folgte der richtigen Regel von Paulus (Petrus und Jakobus usw.). Sharps Regel hat den Test der Zeit bestanden und sie wird auch in der Zukunft ein Fels in der Brandung sein.

Quelle: vintage.aomin.org/GRANVILL.html

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s