Die Unverlierbarkeit des Heils

Ein Ausdruck, auf dem sich die Annahme der Verlierbarkeit des Heils gründet, ist das griechische Wort apostasia. Bei genauerer Betrachtung des Charakters des Wortes erkennen wir, dass die Schrift dieser Irrlehre (d.h. echte Christen können ihre Errettung verlieren) deutlich widerspricht. Die Schriftstellen, in denen das kontroverse Thema aufgegriffen wird, sind:

1.Timotheus 4,1
Der Geist aber sagt ausdrücklich, dass in späteren Zeiten etliche vom Glauben abfallen.

Apostelgeschichte 21,21
Es ist ihnen aber über dich berichtet worden, du würdest alle Juden, die unter den Heiden sind, den Abfall von Mose lehren.

2.Thessalonicher 2,3
Lasst euch von niemand in irgendeiner Weise verführen! Denn es muss unbedingt zuerst der Abfall kommen.

Paulus schreibt in 1.Timotheus 4,1, dass „etliche vom Glauben abfallen“ und sich „Lehren der Dämonen“ zuwenden. Soll dies bedeuten, dass es echte Christen geben wird, die ihre Erlösung verlieren und offen für dämonische Lehren sind? Es gibt zwei Wege eine Antwort auf diese Frage zu bekommen: Man beachtet das Gesamtzeugnis der Schrift über dieses Thema und beleuchtet den Grundtext etwas „etymologisch“. Vielleicht entsteht ja ein falsches Verständnis bei der Übersetzung, weil der Charakter eines Wortes unzureichend erkannt wird und sich dadurch falsche Schlüsse ergeben?

In 1.Timotheus 4,1 finden wir eine recht unklare Aussage. Sie scheint uns zu vermitteln, dass echte Christen ihre Erlösung verlieren können, was durch den Ausdruck „vom Glauben abfallen“ bestätigt werden soll. Wenn man wirklich herausfinden möchte, sollte man bereit sein, sich durchs ganze Neue Testament zu lesen, mit der Frage im Kopf: „Ist ein vom Glauben abfallender Mensch ein wiedergeborener Christ, der seine Erlösung verliert?“. Der Leser ist aufgefordert, sich unvoreingenommen von Matthäus bis zur Offenbarung durchzulesen und alle Stellen heranzuziehen, die hinsichtlich der Frage aussagekräftig sind. Das ist unter anderem ein systematisches Bibelstudium.

Doch in dem heutigen Zeitalter möchten wir ungern solange warten, bis wir die wahrheitsgemäße Antwort auf diese Frage bekommen, und fangen deshalb an im Internet unter Google folgende Fragen einzugeben: „Kann ein echter Christ seine Errettung verlieren und vom Glauben abfallen?“. Das Ergebnis sind dann mehr wie 84.900 verschiedene Internetseiten, in denen diese Frage behandelt oder angeschnitten wird. Jede dieser 84.900 Seiten umfasst mehrere Seiten Text, so dass wir sagen können, selbst wenn jede Internetseite nur 5 Seiten Text beinhaltet, müssten wir 424.500 Seiten Text durchlesen, damit wir umfassend informiert sind, was andere Leute darüber denken. Dann wird dem Leser auffallen, dass selbst die Internetseiten an sich oft keine klärenden Antworten vermitteln, denn die eine Hälfte sagt „Das Heil ist unverlierbar!“ und zitiert 10 Stellen aus dem Neuen Testament, und die andere Hälfte sagt: „Das Heil ist verlierbar“ und zitiert 10 Stellen aus dem Neuen Testament. Somit ist unsere Frage immer noch nicht beantwortet und ich denke, dass Gott dem eifrigen Studenten des Wortes Gottes Gnade schenkt die Frage beantwortet zu bekommen, wenn er sich an Stelle der 424.500 Seiten im Internet auf die wenigen 331 Seiten im Neuen Testament konzentriert.

Der Student, der sich mühsam durch Gottes Wort liest, wird nun an bestimmten Stellen stehenbleiben und einzelne Stücke der Antwort hier und da finden. Nach seinem Studium wird er eine Liste von Bibelstellen vor sich haben, die sehr deutlich von der Unverlierbarkeit des Heils sprechen. Daneben wird er aber auch Verse gefunden haben, die scheinbar das Gegenteil sagen. An dieser Stelle ist folgender Rat von Nutzen: „Die Heilige Schrift kann so verdreht werden, dass sie nur zum Zwecke eigener Interessen dient. Jeder Vers wird leicht in seiner Bedeutung verändert, wenn man ihn einzeln zitiert, ohne die Verse davor und danach. Dadurch scheint es, ein Vers kann nur eine Bedeutung haben. Wenn aber die Bedeutung verständlich wird, indem man die Verse davor und danach betrachtet, kann ein Vers in Wirklichkeit das direkte Gegenteil bedeuten von dem, was wir angenommen haben.“ Die allgemeine Regel für Interpretation ist diese: „Man nimmt die wörtliche Bedeutung eines Verses nur dann, wenn er anderen Versen nicht widerspricht. Wenn die wörtliche Bedeutung widersprüchlich ist zu anderen Versen, wird der unklare Vers durch den Vers interpretiert, der deutlicher und klarer spricht.“

Wenn der Herr Jesus Christus selbst die Unverlierbarkeit des Heils lehrt, dann können die Apostel diese Lehre nicht umkehren und dem Herrn widersprechen. Und interessanterweise ist die Wortwahl von Jesus hinsichtlich der Unverlierbarkeit des Heils stets so einfach, dass wir bei der Auslegung seiner Worte keine Schwierigkeiten finden. Jesus meint, was er sagt, und auch der Kontext ändert die Bedeutung seiner Worte nicht. Schauen wir uns eine Passage an: „Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Denn ich bin aus dem Himmel herabgekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. Und das ist der Wille des Vaters, der mich gesandt hat, dass ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern dass ich es auferwecke am letzten Tag.“ (Johannes 6,37-39). Lesen wir diese Passage aufmerksam, dann sollte uns diese Aussage ins Auge fallen:

„…und das ist der Wille des Vaters, der mich gesandt hat, dass ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat…“

Man kann diese Aussage komplett aus seinem natürlichen Kontext reißen und dennoch verändert sich ihre Bedeutung nicht, weil seine Worte klar und keineswegs mehrdeutig sind. An dieser Stelle meint Jesus was er sagt! Und wie viele Menschen, die ihm der Vater gegeben hat, kann er verlieren? Die Antwort ist: „nichts von allem“, das ihm vom Vater gegeben wurde kann verloren gehen. Alle, die der Vater dem Sohn geben wird, sind echte Christen und werden es für immer bleiben. Sie können nicht verlorengehen und sie selbst werden auch nicht verlorengehen wollen. Alle ihm gegebenen wird Jesus auferwecken zum ewigen Leben am letzten Tage. Das ist der Wille des Vaters. Daraus können wir schlussfolgern, dass alle diejenigen, die am letzten Tage zur Verurteilung auferweckt werden, niemals Jesus gegeben worden waren und niemals seine Schafe waren und niemals auf die Stimme des Hirten hörten. Diese Schlussfolgerung wird vollständig durch die Lehren von Jesus an anderen Stellen des Neuen Testamentes gestützt (vgl. Matthäus 7,21-23). Daher wäre es nicht zu erwarten, dass die Apostel unseres Herrn Jesus sich das Recht herausnehmen und im Bezug auf die Lehre der Unverlierbarkeit des Heils Änderungen vornehmen, die so weit reichen, dass sie die Lehre des Herrn Jesus vollständig in Frage stellen und ins Gegenteil verkehren.

Die Bedeutung der unklaren Bibelstellen, die scheinbar von der Verlierbarkeit des Heils sprechen, sind im Vergleich zu Aussagen wie in Johannes 6,37-39 keineswegs eindeutig. Daher sollten wir den unklaren Versen besondere Aufmerksamkeit (d.h. durch Beachtung von Kontext und Grundtext) schenken. Der Kontext allein hat schon oftmals die Bedeutung einiger unklarer Stellen klar gemacht. Deswegen sollte jeder, der Gottes Wort fürchtet, sich im Klaren sein, dass die Schrift sich selbst niemals widerspricht. An einer Stelle kann nicht gesagt werden: „Das Heil ist unverlierbar!“, während an anderer gesagt wird: „Das Heil ist verlierbar!“. Nur eine der beiden Aussagen kann richtig sein. Beide können gleichzeitig nicht wahr sein, denn dann würde sich die Schrift widersprechen. Daher bekommen Menschen, die der „Verlierbarkeit des Heils“ anhängen, oft Gewissensbisse, wenn sie Stellen lesen, in denen die „Unverlierbarkeit des Heils“ unwiderlegbar zum Ausdruck gebracht wird. Ich habe ebenfalls die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die die „Verlierbarkeit des Heils“ vertreten, die Schrift weder im Kontext betrachten noch die Bedeutung griechischer Worte umfassend sehen wollen. Sie lesen nur (bestimmte, ausgewählte, isolierte, kontextlose) Verse, die sie glauben anstatt das zu glauben, was sie lesen.

Nun müssen wir den griechischen Grundtext berücksichtigen. Jedes griechische Wort, das im Neuen Testament von den neutestamentlichen Schreibern verwendet wurde, hat ein deutsches Gegenüber. Wir finden diese Gegenüber in Griechisch-Deutschen Wörterbüchern. Die Bedeutung mancher griechischer Worte wird an einigen Stellen des Neuen Testamentes erst dann klar, wenn man das griechische Wort etymologisch[1] untersucht (wie wir das z.B. bei dem Wort suniēmi getan haben). Manche Worte besitzen eine wörtliche Bedeutung, die man aber nicht in die Wörterbücher übernommen hat. Überwiegend finden wir in unseren Griechisch-Deutschen Wörterbüchern nur die sinngemäße Bedeutung eines Wortes, das wir dann für eine Übersetzung wählen werden.

Einige griechische Worte sind Zusammensetzungen von z.B. zwei bis drei Substantiven. Solche Worte mit nur einem deutschen Wort wiederzugeben ist oft nicht möglich, da man mehrere Worte verwenden muss, damit die Aussagekraft der ursprünglichen Bedeutung des griechischen Wortes weder verändert noch abgeschwächt wird und somit verlorengeht. Ein Beispiel ist z.B. das griechische hupomone, das oft nur mit dem Wort „Geduld“ übersetzt wird. Doch eine etymologische Untersuchung zeigt, dass der Sinn des Wortes hupomone weitaus tiefer geht als das deutsche „Geduld“. Das gr. hupomone besteht aus zwei Worten, nämlich hupo = „darunter, unter“ und meno = „bleiben“. Wörtlich meint hupomone ein „Darunterbleiben“. In „Thayer’s Greek Definitions“ lesen wir zu hupomone: „Das Wort steht im Neuen Testament charakteristisch für einen Menschen, der von seinen vorsätzlichen Zielen nicht abweicht und sich nicht von der Loyalität seines Glaubens und seiner Gottesfurcht abbringen lässt, selbst in größter Versuchung und Leid!“. Daher übersetzt die Schlachter 2000 das gr. hupomone richtigerweise mit dem Ausdruck „standhaftes Ausharren“. Schließlich ist der Sinn hinter hupomone der, dass man unter dem Einfluss einer Sache bleibt, selbst in größter Not.

Der Begriff „Abfall“ (2Thessalonicher 2:3) ist nur eine sinngemäße Übersetzung des griechischen Wortes apostasia. Wenn wir in Wörterbüchern nachschauen finden wir unter apostasia folgende Einträge:

Thayer’s Greek Definition
(1) Ein Abfallen

(2) Abtrünnigkeit
(3) Ehebruch

Strong’s Dictionary
(1) Genaugenommen der Zustand des Abfalls von der Wahrheit

(2) Das Abfallen
(3) Ein Verlassen

Erwin Preuschen
(1) der Abfall im religiösen Sinn

Unter dem verwandten apostasion finden wir folgende Einträge:

Thayer’s Greek Definition
(1) Ehescheidung
(2) Zurückweisung
(3) Nichtanerkennung
(4) Verstoßung
(5) Ableugnung
(6) Ablehnung
(7) Scheidungsurkunde

Strong’s Dictionary
(1) Genaugenommen etwas, das getrennt ist
(2) Ehescheidung

Erwin Preuschen
(1) Abtretung
(2) Ehescheidung

Walter Bauer
(1) Ausdruck des Rechtswesens im Sinne von Übergabe beim Kauf, Auflassung[2], Abtretung. Der dabei vorliegende Verzicht auf den eigenen Anspruch erklärt die Bedeutung, dass das Wort bei den Juden gewinnt in Mat 19:7 „δοῦναι βιβλίον ἀποστασίου“ und Jer 3:8 „ἔδωκα αὐτῇ βιβλίον ἀποστασίου“ (LXX).

Das Wort apostasia besteht aus zwei einzelnen Worten, nämlich apo = „von etwas weg“ und stasis = „einen Stand haben o. das Stehen“ (abgeleitet von dem Verb stao = „stehen“). Wörtlich bedeutet apostasia: „von etwas weg stehen“ oder „von einer Sache getrennt sein“ oder „einen Abstand von etwas haben“.
 
„In der außerbiblischen Literatur hat apostasia neben „Revolte, Rebellion“ auch die Bedeutung eines mathematischen Abstandes.“
 
Bei unserer Betrachtung, ob denn ein echter Christ sein Heil verlieren kann oder nicht, erhebt sich deshalb nun die alles entscheidende Frage: „Beschreibt apostasia einen Vorgang des Abfallens, bei dem nachweisbar ist, dass der „Abtrünnige“ ursprünglich wirklich errettet war und später seine Errettung verlor oder einen Zustand des Abgefallenseins, bei dem nachweisbar ist, dass der „Abtrünnige“ ursprünglich niemals errettet war?“. „Im attischen Griechisch drückte das Wort apostasia „Auflehnung“ oder „Lossagung“ aus und es wurde in den Papyri verwendet, um politische Aufständische zu kennzeichnen.“ In vielen annerkannten Wörterbüchern beschreibt das gr. apostasia einen Zustand und keinen Vorgang.
 
Aber es gibt auch Menschen, die dem widersprechen. Sie verfolgen die Annahme, das gr. apostasia beschreibt den Vorgang, bei dem ein Gläubiger seine Errettung verliert. Interessant jedoch ist, dass diese Menschen sich nur auf einzelne und aus dem Kontext gerissene Passagen stützen und keinen einzigen biblischen Beleg für ihre Annahme vorweisen können. Denn es finden sich in der Schrift keine Aussagen darüber, ob ein Apostat wirklich wiedergeboren war. Solche Menschen schreiben dann: „Das mit apostasis verwandte aphistemi bezeichnet den schwerwiegenden Sachverhalt der Loslösung vom lebendigen Gott nach einer vorhergegangenen Zuwendung zu ihm“. Sie gehen alle nur von der Annahme aus, dass alle, die sich Gott und dem christlichen Glauben zugewandt haben, in der Tat wiedergeboren gewesen sein mussten. Für sie bedeutet jegliche Zuwendung zu Gott (auch wenn nur oberflächlich oder rein äußerlich), dass „der sich zu Gott wendende“ gerettet gewesen sein muss. Wie schon erwähnt, sie können nicht eine einzige Schriftstelle vorlegen, um ihre Annahme zu beweisen. Im Gegensatz dazu gibt es jedoch eine Fülle von biblischen Passagen (die diese Menschen weder zitieren noch erwähnen und somit ignorieren), die zeigen, dass ein Apostat niemals wiedergeboren sein konnte (z.B. 1Johannes 2:19). Gerade 2Petrus 2:22 zeigt, dass der Abtrünnige in seinem Wesen (auch wenn er sich dem christlichen Glauben zugewandt hatte) niemals eine Veränderung erfuhr, die er aber durch die Wiedergeburt hätte erfahren müssen (vgl. 2Korinther 5:21).

Wenn die Schrift lehrt, dass echte Gläubige nicht abfallen und ihre Errettung nicht verlieren können, dann sind Apostaten nichts weiter als dem Anschein nach Christen, die „den äußeren Schein von Gottesfurcht [haben], deren Kraft aber verleugnen“ (2Timotheus 3:5). Wenn Apostaten nie wirklich wiedergeboren gewesen sind, während sie dennoch vorgeben, dass sie zu Jesus Christus gehören, müsste dann die Schrift nicht irgendwelche Aussagen darüber machen? Müssten wir dann logischerweise nicht Passagen in der Schrift finden, in denen deutlich wird, dass ein Apostat sein Leben lang denkt, er sei Christ, während er gar keiner ist? Müssten wir dann nicht in der Schrift Aussagen finden, in denen deutlich wird, dass ein Mensch denkt „Ich bin gerettet!“, während er verloren ist? Ja, es gibt solche Passagen, aus denen sehr deutlich wird, dass man solch einer Selbsttäuschung unterliegen kann. Diese Passagen sind der Schlüssel für das Verständnis über den Apostaten. Wir finden in der Schrift gleich mehrere Passagen, aus denen man direkt und indirekt schlussfolgern kann, dass nicht alle, die behaupten gerettet zu sein, auch wirklich gerettet sind.

Erstens: „Prüft euch selbst, ob ihr im Glauben seid; stellt euch selbst auf die Probe! Oder erkennt ihr euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist? Es sei denn, dass ihr unecht wärt!“ (2Kor 13:5). Das Wort „unecht“ kommt von dem griechischen Wort adokimos (a = „nicht“ + dokimos = „akzeptiert, anerkannt, angenommen, angenehm, akeptabel, bewährt, eine Probe bestehen“). In den Wörterbüchern finden wir folgende Definitionen für adokimos:

Thayer’s Greek Definitions
(1) den Test nicht bestehen, nichtangenommen

(2) Bezeichnung für falsche Metalle und falsche Münzen (d.h. Falschgeld)
(3) etwas, dass sich nicht als das erweist, was es eigentlich sein sollte
(4) unfähig sein für etwas, unerwiesen, unecht, unberechtigt, verworfen

Strong’s Dictionary
(1) abgelehnt
(2) wertlos
(3) nicht genehmigt
(4) ein Ausgestoßener

Erwin Preuschen
(1) unbewährt
(2) eigentlich von falscher Münze nur im übertragenen Sinne
(3) nicht probehaltig, verwerflich (von Personen: 1Kor 9:27; 2Kor 13:5-7)
(4) Menschen, die die Probe im Glauben nicht bestehen (2Tim 3:8)
(5) unbrauchbar, d.h. ein Land, das den Anbau nicht lohnt (Heb 6:8)

Zweitens: „Aber als Mitarbeiter ermahnen wir euch auch, die Gnade Gottes nicht vergeblich zu empfangen“ (2Korinther 6:1). Das Wort „vergeblich“ kommt von dem griechischen Wort kenos und bedeutet „leer, nichtig, umsonst, ohne Auswirkungen“. Gemäß „Thayer’s Greek Definitions“ kann sich kenos auf einen Menschen beziehen „dem das geistliche Vermögen fehlt, der auf seinen Glaubens stolz ist, als wäre es ein alles übersteigender Besitz, während er jedoch keine Früchte des Glaubens aufweisen kann“. Und über den Glauben, der keine Früchte bringt hat die Schrift doch einiges zu sagen (Mat 7:16-23; Joh 15:2; Jak 2:14-20). Auch hier wird deutlich, dass ein Apostat sich wohl zu Jesus Christus bekennen kann, aber er kann keinerlei Frucht aufweisen, die seinem Glaubensbekenntnis Gewicht verleihen würden. Wie man erkennen kann, ob man ein wahrer Christ ist oder nicht, darüber schreibt der Apostel Johannes: „Dies (d.h. der erste Johannesbrief) habe ich euch geschrieben, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes (d.h. die ihr euch zu dem Sohn Gottes bekennt), damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt, und damit ihr auch weiterhin an den Namen des Sohnes Gottes glaubt.“ Ich fasse die Prüfungen, die sich jeder Bekennende unterziehen muss (vgl. 2Korinther 13:5) kurz zusammen:

1Johannes 1:5-7
Wandel im Licht: ein Lebensstil, der in Übereinstimmung ist mit dem, was Gott über sich selbst offenbart

1Johannes 1:8-10
Sündenbekenntnis: ein Lebensstil, der sensibel ist für das, was in Gottes Augen Sünde ist

1Johannes 2:3-5
Gehorsam: ein Lebensstil, der leidenschaftlichen Gehorsam zu Gottes Geboten widerspiegelt

1Johannes 2:6-11
Liebe zu den Brüdern: ein Lebensstil, der bedingungslose Liebe zu echten Gläubigen widerspiegelt

1Johannes 2:15-17
Hass zur Welt: ein Lebensstil, der Hass zu einer bösen Welt widerspiegelt

1Johannes 2:18-27
Verharren in der Lehre: ein Lebensstil, der Festhalten an wahrheitsgetreuer Lehre widerspiegelt

1Johannes 3:10
Gerechtigkeit: ein Lebensstil, der Ungerechtigkeit wie Licht in einem Spiegel zurückwirft

1Johannes 4:13
Zeugnis des Geistes: ein Lebensstil, der das Wirken des Heiligen Geistes widerspiegelt

Hebräer 12:5-8
Zucht: ein Lebensstil, der Gottes erziehende Hand widergespiegelt

Der Apostel Paulus selber sagt, dass er die Gnade Gottes[3] nicht vergeblich empfangen hat und das beweist er dadurch, in dem er auf die Auswirkungen dieser Gnade verweist: „Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin; und seine Gnade, die er an mir erwiesen hat, ist nicht vergeblich (gr. kenos) gewesen, sondern ich habe mehr gearbeitet als sie alle; jedoch nicht ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir ist.“ (1Korinther 15:10).

Drittens: Der Apostel Paulus musste zu seinen Lebzeiten katastrophale Missstände in der korinthischen Gemeinde wieder in Ordnung bringen. Auch wenn es einige in der Gemeinschaft der Korinther gab, die ihre Kleider nicht besudelt hatten, so gab es doch eine erstaunliche Anzahl von Gläubigen, denen Paulus folgendes an ihr Herz nahelegen wollte: „Ich erinnere euch aber, ihr Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht, durch das ihr auch gerettet werdet, wenn ihr an dem Wort festhaltet, das ich euch verkündigt habe — es sei denn, dass ihr vergeblich (gr. kenos) geglaubt hättet.“ (1Korinther 15:1-2). Der Ausdruck „ich erinnere euch“ kommt von dem griechischen Wort gnorizo und bedeutet „bekannt machen“. A.T. Robertson, einer Professor für griechische Sprache, sagt, dass die Verwendung hier an dieser Stelle eher so aussieht, als würde Paulus die Korinther damit tadeln. Auch M.R. Vincent, ebenfalls ein Professor für griechische Sprache, sagt, dass die Verwendung von gnorizo hier an dieser Stelle vorwurfsvoll gemeint ist, so als ob Paulus gezwungen war ihnen erneut das Evangelium verkünden zu müssen, denn es hatte sich gezeigt, dass etliche von ihnen nicht mehr an der Lehre der Auferstehung festhalten (vgl. 1Korinther 15:12), die aber fundamental für den christlichen Glauben ist. Letztendlich sagen auch die Gelehrten Robert Jamieson, A. R. Fausset und David Brown, dass die Verwendung von gnorizo an dieser Stelle mit Tadel verbunden war, denn etliche unter den Korinthern „haben keine Erkenntnis Gottes“ (1Korinther 15:34). So wird deutlich, dass sich unter den Bekennenden auch Apostaten befanden, die durch ihre Früchten bewiesen, dass sie keine Christen gewesen sein konnten. Daher forderte Apostel Paulus sie in seinem zweiten Brief auf, sich einer Prüfung zu unterziehen (vgl. 2Korinther 13:5).

Viertens: Das Gleichnis vom Sämann in Lukas 8 zeigt, dass die Schrift jemanden, der sich zu Gott wendet, einen „Gläubigen“ nennt. Doch das allein ist kein Beweis für die Errettung des „Gläubigen“. Vielmehr bezieht sich die Aussage „jemand glaubt“ auf den, der ein Glaubensbekenntnis abgibt und sich zu Jesus Christus bekennt. In Lukas 8:13 heißt es: „Die aber auf dem Felsen sind die, welche das Wort, wenn sie es hören, mit Freuden aufnehmen; aber sie haben keine Wurzel; sie glauben nur eine Zeit lang, und zur Zeit der Versuchung fallen sie ab.“ Man bemerke die Aussage „sie glauben“! Und nun gehen wir zu Apostelgeschichte 8:13, wo gesagt wird: „Simon aber glaubte auch und hielt sich, nachdem er getauft war, beständig zu Philippus; und als er sah, dass Zeichen und große Wunder geschahen, geriet er außer sich.“ Man bemerke die Aussage „Simon glaubte auch“! Wenn nun jemand fortfährt die Ereignisse in Samaria mit Simon (Apostelgeschichte 8:18-24) zu betrachten, dann wird er erkennen, dass Simon unmöglich gerettet sein konnte, auch wenn Lukas (der Schreiber der Apostelgeschichte) bestätigt, dass er der Verkündigung des Philippus glaubte und sich sogar taufen lies. Dennoch erfuhr sein Herz keine Veränderung (Phil 1:6; 2:13; 2Kor 5:17) und er blieb was er immer schon war – verloren und unaufrichtig, obwohl er sich zu Jesus bekannte!

Durch das Studium des Neuen Testamentes müsste dem Leser auffallen, dass nicht jeder, der behauptet Christ zu sein auch wirklich ein Christ ist! Bis unser Glaube nicht weiter geht als nur bis zu der Zustimmung bestimmter Wahrheiten, unterscheidet sich unser Glaube nicht von dem Glauben der Dämonen. Nur sie zittern wenigstens bei dem Gedanken, dass sie bald vor Gott stehen werden und ihre gerechte und ewige Verdammung erhalten (Jakobus 2:19). Auch zu der Zeit der Apostel gab es „Gläubige“, die mit den Aposteln Gemeinschaft hatten und mit ihnen Abendmahl feierten, während sie niemals wiedergeboren gewesen sind und vom Geist des Antichristen getrieben wurden. Sie verließen später die Gemeinschaft der echten Christen und begannen ihre Sonderlehren überall zu verbreiten. Über sie fällt Johannes ein kurzes, aber prägnantes Urteil: „Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns; denn wenn sie von uns gewesen wären, so wären sie bei uns geblieben. Aber es sollte offenbar werden, dass sie alle nicht von uns sind.“ (1Johannes 2:19). Deswegen schrieb Paulus (diese Situation ebenfalls erfahrend): „Im Übrigen betet für uns, ihr Brüder, damit das Wort des Herrn ungehindert läuft und verherrlicht wird, so wie bei euch, und dass wir errettet werden von den verkehrten und bösen Menschen; denn nicht alle haben den Glauben. Aber der Herr ist treu; er wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen.“ (2Thessalonicher 3:1-3).

Seltsam jedenfalls ist es, dass es in dem ganzen NT keine einzige Belegstelle gibt, aus der klar und unmissverständlich hervorgeht, dass ein wiedergeborener Christ seine Errettung verliert. Dagegen finden wir unzählige Stellen, die davon sprechen, dass jemand vom Glauben abfällt. Und bei den vom Glauben abfallenden wird an nicht einer Stelle deutlich, dass sie wirklich wiedergeboren waren. Im Gegenteil lehrt die Schrift, dass jene, die man „Abtrünnige“ oder „Apostaten“ nennt, sich zwar zum christlichen Glauben bekannten, aber niemals von Gott als echte Kinder anerkannt wurden (vgl. Matthäus 7,21-23). Das Neue Testament versteht unter einem Apostaten nicht jemanden, der ursprünglich das neutestamentliche Heil besaß und dieses später durch Sünde oder einen willentlichen Akt wieder verlor, sondern ein Apostat ist ein Mensch, der sich zum christlichen Glauben und zu Jesus Christus bekennt, während er jedoch die Anforderungen vorweisen kann, die den rettenden und rechtfertigenden Glauben ausmachen. Somit steht der Apostat vor Gott nicht da wo der „wahre Gläubige“ steht, sondern er steht abseits von ihm. Er steht nicht da, wo er stehen sollte. Er steht „neben“ seinem Glaubensbekenntnis und hat keine Gewissheit seines Heils und kann auch keine biblische Grundlage für eine vermeintliche Heilsgewissheit vorweisen. Er ist von Gott abgefallen in dem Sinn, dass er nicht ist, was er behauptet zu sein. Und wenn Paulus von dem großen Abfall in 2Thessalonicher 2:3 redet, meint er nicht ein gewaltiges Ereignis in der Geschichte der Menschheit, in der die meisten echten Christen ihre Errettung verlieren werden, sondern Paulus sah voraus, dass, bevor der Jesus Christus wiederkommt in seiner Herrlichkeit, eine gewaltig große Zahl an Menschen das gute Glaubenbekenntnis bezeugen, während sie jedoch weit von dem Herrn und weit von neutestamentlicher Errettung entfernt sind. Es sind Menschen, die vielleicht auch innig und energisch behaupten, sie würden Jesus über allem lieben. Es können auch Menschen sein, die in der Gemeinde am lautesten singen und während des Lobpreises weinen. Singen und weinen jedoch gehört nicht zu den Dingen, die mir helfen zu erkennen, ob ich ein Christ bin oder nicht. Kann den Gott noch deutlicher werden, dass selbst jene der gerechten Verdammung entgegeneilen, die Gott mit Lobpreis dienen wollten? In Jesaja 29:13-14 lesen wir „Weil sich dieses Volk mit seinem Mund mir naht und mich mit seinen Lippen ehrt, während es doch sein Herz fern von mir hält und ihre Furcht vor mir nur angelerntes Menschengebot ist, siehe, so will auch ich künftig mit diesem Volk wundersam, ja überaus wundersam und verwunderlich umgehen; und die Weisheit seiner Weisen soll zunichtewerden und der Verstand seiner Verständigen unauffindbar sein.“

Ihr seid losgetrennt von Christus,
die ihr durchs Gesetz gerecht werden wollt;
ihr seid aus der Gnade gefallen! (Galater 5,4)

Wie schnell lesen doch Menschen heute „ihr seid aus der Gnade gefallen“ und schließen daraus: „Aha, Christen können also ihre Erlösung verlieren, wenn sie aus der Gnade fallen können!“.

Doch was bedeutet eigentlich der Begriff „Gnade“ in Galater 5,4 und vor allem, auf was bezieht sich der Begriff „Gnade“? Menschen, denen der Begriff „Kontext“ bekannt ist und die diesen Begriff schätzen, werden nun beginnen den Galaterbrief von vorne zu lesen. Sie lesen sorgfältig den ganzen Brief bis sie an jene Stelle gelangen, die ich oben zitiert habe. Dann sollte jenem Leser auffallen, dass die Gemeinde in Galatien von Judaisten beeinflusst wird und viele „Gläubige“ damit angefangen haben das Gesetz des Mose aufzurichten und sich wieder beschneiden zu lassen, um den vollen Segen der Erlösung zu erhalten. Paulus jedoch legte in seinem Brief unmissverständlich dar, dass man nur durch Glauben gerechtfertigt wird vor Gott (Galater 3). Jene, die das Evangelium von Christus „mischten“ mit dem Gesetz des Mose (d.h. Werksgerechtigkeit) haben dadurch das Evangelium von Christus herabgesetzt und entkräftet. Sie haben die Lehren des Evangeliums verlassen und verlassen damit die „Lehren der Gnade“. Matthew Poole findet treffende Worte:

Wenn Paulus schreibt: „“Ihr seid aus der Gnade gefallen!“, dann heißt das, dass sie auf die Gnade Gottes, die im Evangelium dargelegt wird, verzichteten, und aus dessen Gnade fielen. Mit „Gnade“ darf hier nicht der „Zustand der Gnade“ verwechselt werden (aus welchem niemand vollständig und endgültig abfallen kann), sondern „Gnade“ in Gal 5:4 muss als „Gnade des Evangeliums“ verstanden werden, die besagt, dass Gottes freie Liebe sich dadurch zeigt, dass Christus geopfert wurde für die Gerechtigkeit der Sünder.“

Paulus meint mit „Gnade“ also nicht den Zustand der Errettung, sondern vielmehr die Lehren der Gnade (die fundamentalen Wahrheiten hinsichtlich der Art und Weise wie der Sünder durch Christus gerettet wird – nämlich durch Glauben und nicht durch Gesetzeswerke). Jeder, der sich zu den Gesetzeswerken hält (…zuerst musst du das tun und und das vollbringen…), verlässt automatisch den Bereich des Evangeliums. Er verlässt die Gnade, er fällt aus der Gnade! Das ist der Gedanke, den Paulus verfolgt in Galater 5,4. Deswegen sagt er ja auch im selben Brief: „Ich verwerfe die Gnade Gottes nicht; denn wenn durch das Gesetz Gerechtigkeit kommt , so ist Christus vergeblich gestorben.“ (Galater 2,21).


[1] Etymologie (von altgr. étymos = „wahrhaftig, wirklich‚ echt“ und logos = „Wort, Lehre“) ist ein Wissenschaftszweig der historischen Linguistik. Hier werden Herkunft und Geschichte von Wörtern ergründet und wie sich ihre Bedeutung und Form entwickelt oder verändert haben.

[2] ist ein Bestandteil der Übereignung von Grundstücken.

[3] Tit 2:11-14 sagt: „Denn die Gnade Gottes ist erschienen, die heilbringend ist für alle Menschen; sie nimmt uns in Zucht, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnen und besonnen und gerecht und gottesfürchtig leben in der jetzigen Weltzeit, indem wir die glückselige Hoffnung erwarten und die Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Retters Jesus Christus, der sich selbst für uns hingegeben hat, um uns von aller Gesetzlosigkeit zu erlösen und für sich selbst ein Volk zum besonderen Eigentum zu reinigen, das eifrig ist, gute Werke zu tun.“

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