Über das Verstehen von Dingen

19 Sooft jemand das Wort vom Reich hört und nicht versteht, kommt der Böse und raubt das, was in sein Herz gesät ist. Das ist der, bei dem es an den Weg gestreut war. 23 Auf das gute Erdreich gesät aber ist es bei dem, der das Wort hört und versteht; der bringt dann auch Frucht, und der eine trägt hundertfältig, ein anderer sechzigfältig, ein dritter dreißigfältig. Matthäus 13,19.23

Jesus sprach zu ihnen: Habt ihr das alles verstanden? Matthäus 13,51

Und er sprach zu ihnen: Warum seid ihr denn so unverständig? Markus 8,21

Und sie verstanden nichts davon, und dieses Wort war ihnen zu geheimnisvoll, und sie begriffen das Gesagte nicht. Lukas 18,34

Da öffnete er ihnen das Verständnis, damit sie die Schriften verstanden. Lukas 24,45

Die Worte, die ich kursiv dargestellt habe, sind immer ein und dasselbe griechische Wort – suniemi. Es wird mit „verstehen“ übersetzt, aber es meint viel mehr. Unsere deutschen Wörterbücher definieren „verstehen folgendermaßen:

(1) die Fähigkeit des menschlichen Geistes Begriffe zu bilden
(2) etwas geistig nachvollziehen können

Das Wort suniemi besteht aus zwei Worten sun = „mit, gemeinsam, zusammen“ + hiemi = „senden“. Daher trägt dieses Wort den Charakter von etwas, dass zusammengesetzt wurde. Wenn man „verstehen“ mit dieser Definition festmacht, dann werden Sünder verurteilt und verdammt, weil sie das Wort des Evangeliums nicht „nachvollziehen können“. Liest man Matthäus 13:19 mit dieser Definition, dann wird der Sünder als hilfloses Opfer dargestellt, das nicht imstande ist das Evangelium zu verstehen und deshalb verloren geht, weil der Sünder es nicht nachvollziehen kann. Das wiederum würde Gott in die Lage versetzen, in der Er jemanden für etwas bestraft, wofür er nichts kann. Durch die Schrift jedoch erkennen wir die Wahrheit, dass alle Menschen, die das Evangelium nicht verstehen können, es nicht verstehen wollen. Sie verstehen deswegen nicht, was gesagt wird, weil sie sich mit beiden Händen die Ohren zuhalten und nichts davon verstehen wollen! Sie rufen nicht nach rettender Erkenntnis, genauso wie kein Krimineller nach einem Polizisten rufen würde nach einem Schwerverbrechen (vgl. dazu Johannes 3:19-21).

Also wie geschieht „Erkenntnis oder erkennen“ konkret und wie kommt „Verständnis für eine Sache“ zustande? Wie gelangt man zu einer Erkenntnis? Wie kann ich an den Punkt kommen, an dem ich eine Sache verstehe? Die Antwort ist: durch das Weiterlesen in der Bibel und dem Zusammentragen oder Zusammenbringen aller Aussagen in der Schrift, die mit einem Thema oder einem Begriff verbunden sind. Das erfordert natürlich einiges an Zeit (denn die Schrift besteht nicht aus 20 Seiten, sondern aus ca. 1300 Seiten), Eifer (denn um die Schrift zu studieren, brauch man mehr als nur eine wenig stille Zeit morgens) und Geduld! Wer zu einer klaren Schlussfolgerung kommen möchte, muss diese Dinge auf sich nehmen. Dieses ganze Vorgehen steckt in dem kleinen Wörtchen suniemi, das nach „Thayer’s Greek Definitions“ folgendes bedeutet:

(1) Etwas zusammenführen, zusammenfügen oder zusammensetzen können (z.B. ein Puzzle zusammensetzen)
(2) Es beschreibt den guten, zuverlässigen und aufrichtigen Menschen, der um die Dinge bescheid weiß, die mit der Errettung verbunden sind oder einhergehen

Heute vor 200 Jahren begann eine gewaltige Umkehr biblischer Wahrheiten (Zeugen Jehovas im 19. Jahrhundert entstanden; 7-Tags-Adventisten im 19. Jahrhundert entstanden; Mormonen im 19. Jahrhundert entstanden; Evolutionstheorie im 19. Jahrhundert entstanden; Pfingstbewegung im 19. Jahrhundert entstanden; Humanismus überflutet den Globus im 19. Jahrhundert; Textkritik entstand im 19. Jahrhundert; moderne Übersetzungen, die mehr interpretieren anstatt zu übersetzen entstanden im 19. Jahrhundert). Muss man noch mehr aufzählen, um zu sehen, dass wir in einer unglaublich kritischen Zeit leben? All diese Sekten, Bewegungen und Gruppieren haben (trotz ihrer diversen Unterschiede und Widersprüchen) eine Gemeinsamkeit: sie kehren die klaren Aussagen der Heiligen Schrift um und ersetzen biblische Wahrheit mit unzählbar vielen Lügen. Außerdem wurde durch diese Bewegungen systematisch das Studium der Schrift außer Kraft gesetzt. Und wie wird das sichtbar? Bibelschüler lesen die Bibel nicht mehr und studieren sie nicht mehr. Als ich für ein Jahr eine Bibelschule besuchte, gaben nur 3 Studenten in meiner Klasse an, die Bibel einmal durchgelesen zu haben. Der Rest gab offen zu, dies noch nicht getan zu haben (auch wenn sie eine christliche Erziehung von klein auf genossen haben)! Ein Lehrer auf dieser Schule gab offen zu, dass es ihn traurig mache, immer öfters Studenten in seiner Klasse zu haben, die immer weniger die Bibel lesen. Deshalb sind sie nicht mehr in der Lage den Kontext und Zusammenhänge zu erkennen. Sie verstehen vielleicht einzelne Bibelverse, können diese aber nicht korrekt, so wie es der Wahrheit entspricht, mit anderen Versen zu einem Gesamtzeugnis zusammenführen. Genau diese Fähigkeit macht einen echten Christen aus laut der Schrift (vgl. Matthäus 13:11).

Das Wort suniemi (hier vorkommend: Mat 13:13.14.15.19.23.51; Mat 15:10; Mat 16:12; Mat 17:13; Mk 4:12; Mk 6:52; Mk 7:14; Mk 8:17.21; Lk 2:50; Lk 8:10; Lk 18:34; Lk 24:45; Apg 7:25; Apg 28:26.27; Röm 3:11; Röm 15:21; 2Kor 10:12; Eph 5:17) meint nicht einfach nur „verstehen“, so wie wir das definieren würden, sondern meint die Fähigkeit, einzelne Stücke zu einem Ganzen zusammensetzen zu können. Aus den zusammengesetzten Stücken ergibt sich ein Gesamtbild ganz wie bei einem Puzzle. Betrachtet der Gläubige nun dieses Gesamtbild (das aus vielen verschiedenen Einzelteilen zusammengesetzt ist) erkennt er die Harmonie und die wahre Botschaft der einzelnen Teile der Schriften. Dann sieht man auch, dass die Einzelteile, wenn sie einzeln betrachtet werden, einen ganz anderen Sinn ergeben würden. Das Gesamtbild, was ich gern Kontext nenne, veranschaulicht wunderbar, wie die Einzelteile (die isoliert nur schwer verständlich sind) vollkommen und wunderbar zusammenpassen, was einen schon ins Staunen versetzen kann, wenn man begreift, mit was für einer Weisheit Gott uns sein Wort gegeben hat. Doch viele Gläubige begreifen nur Bruchstücke und können sich durch ihr miserables Bibelstudium keinen geistlichen Überblick über die Einzelteile verschaffen und erkennen deshalb nicht wie sie zusammengehören. Der Geist Gottes allein wird dem echten Christen das Zusammenfügen ermöglichen und dem unechten Christen dies verweigern. Ohne die Hilfe des Heiligen Geistes verzweifelt derjenige, der es aus eigener Kraft heraus versucht. Eigene Kraftanstrengungen die Schrift zu verstehen, endeten immer in Irrlehren und neuen Bewegungen, die sich auf unbiblische Art und Weise der Schrift bemächtigten. Mit eigenen Kraftanstrengungen meine ich nicht die Zeit, den Eifer und die Geduld, die notwendig sind, wenn man die Schrift verstehen will. Mit eigenen Kraftanstrengungen meine ich gerade den Stolz des Menschen, es sich nicht auf Gottes Art und Weise erklären zu lassen. Meistens münden eigene Kraftanstrengungen nur dahin, dass man sich mit der Meinung eines anderen zufriedengibt.

Um göttliche Wahrheit zu erkennen, braucht man den Heiligen Geist. Kann man keine göttliche Wahrheit erkennen, ist dies ein Hinweis oder Anzeichen dafür, dass man vielleicht kein Christ ist, wie die Bibel ihn beschreibt! Aus eigener Kraft heraus kann niemand das Gesamtbild göttlicher Wahrheit sehen und die Wahrheit erkennen, so dass er gerettet werden würde. Von Natur aus sind alle Menschen Sünder und weigern sich die Dinge zu erkennen, die ihnen Rettung bringen würde. So schreibt es Paulus in seinem Evangelium:

„Es ist keiner, der verständig ist [suniemi]“ Römer 3,11

Deswegen kann Jesus diejenigen anklagen, die zwar Teile der Schrift kennen, sie aber nicht zusammenfügen können:

„Irrt ihr nicht darum, weil ihr weder die Schriften kennt [eido = „sehen“] noch die Kraft Gottes?“ Markus 12,24

Jesus sagt mit anderen Worten: „Seid ihr nicht deshalb verführt, weil ihr weder Gottes Kraft noch die einzelnen Schriften vor Augen habt?“. Warum werden die Schriften (Plural) und die Kraft Gottes (Singular) in einem Atemzug hier genannt? Weil man nur durch die Führung von Gottes Kraft, die vielen heiligen Schriften Gott gemäß vor seinem geistlichen Auge zusammenführen kann. Und das gewährt Gott nur den Demütigen und nicht den Stolzen! Wie aktuell doch das Wort Gottes auch für uns ist:

„Da traten die Jünger herzu und sprachen zu ihm: Warum redest du in Gleichnissen mit ihnen? Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Weil es euch gegeben ist, die Geheimnisse des Reiches der Himmel zu verstehen; jenen aber ist es nicht gegeben. Denn wer hat, dem wird gegeben werden, und er wird Überfluss haben; wer aber nicht hat, von dem wird auch das genommen werden, was er hat. Darum rede ich in Gleichnissen zu ihnen, weil sie sehen und doch nicht sehen und hören und doch nicht hören und nicht verstehen; und es wird an ihnen die Weissagung des Jesaja erfüllt, welche lautet: Mit den Ohren werdet ihr hören und nicht verstehen, und mit den Augen werdet ihr sehen und nicht erkennen! Denn das Herz dieses Volkes ist verstockt, und mit den Ohren hören sie schwer, und ihre Augen haben sie verschlossen, dass sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile.“ Matthäus 13,10-15

Wir würden unmöglich den Charakter des Wortes suniemi erkennen, bis wir nicht durch eine Wortbetrachtung den eigentlichen Charakter ermittelt haben. Daher ergeben sie falsche Schlussfolgerungen im Umgang mit schwierigen Versen, wenn griechische Worte nicht genügend beachtet werden. Von der Bedeutung eines Wortes hängt oft der genaue Sinn ab und wenn man die Bedeutung eines Wortes falsch versteht, werden wir den Sinn nicht so verstehen, wie der Autor es aber beabsichtigt hat. Man kann mit viel Bibelwissen vorgeben gläubig zu sein, während man dennoch die Einzelteile der Wahrheiten nicht so zusammenfügen kann, um zur Erkenntnis der Wahrheit zu gelangen. Das Evangelium von Christus selbst ist bei weitem nicht so einfach, wie viele annehmen. Es wird umfassendes Erkennen vorausgesetzt um die Tiefen und die ewigen Herrlichkeiten des Evangeliums ausloten zu können. Und dieses umfassende Erkennen geschieht durch das Zusammenfügen der vielen einzelnen Wahrheiten, die das Evangelium ausmachen. suniemi beschreibt genau diese Fähigkeit.

Advertisements

Ein Kommentar zu „Über das Verstehen von Dingen

  1. „Ohne die Hilfe des Heiligen Geistes verzweifelt derjenige, der es aus eigener Kraft heraus versucht. Eigene Kraftanstrengungen die Schrift zu verstehen, endeten immer in Irrlehren und neuen Bewegungen, die sich auf unbiblische Art und Weise der Schrift bemächtigten. “

    Amen! Der Heilige Geist ist es der uns die Schrift öffnet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s