Die Verteidigung des Comma Johanneum

Eine Aufklärung und Richtigstellung des Sachverhaltes zu 1.Johannes 5,7-8

Einführung 

Die Anklagen gegen
das Comma Johanneum

Durch die ganze Geschichte hindurch, in der sich der Mensch mit Gottes Wort, der Heiligen Bibel, auseinandersetzte, erfuhr kaum eine Schriftstelle heftigere Angriffe, als 1.Johannes 5,7-8, die auch unter dem Namen Comma Johanneum bekannt ist. Weil diese Schriftstelle eine der direktesten Aussagen über die biblische Lehre der Trinität enthält, wurde sie zum Ziel der Angriffe derjenigen, die in Opposition zu dem trinitarischen Glauben stehen. Zu diesen gehören meist Unitarier sowie Muslime und einige aus den pseudochristlichen Sekten (Zeugen Jehovas, einige Pfingstgemeinden usw.). Das Comma wird ebenso von den theologisch Liberalen abgelehnt, die dazu neigen, die Bibel von einer völlig naturalistischen Perspektive zu sehen und daher die Lehre der Bewahrung der Heiligen Schrift ablehnen (Psalm 12,7-8; Matthäus 5,18; Lukas 16,17; 1.Petrus 1,25, usw.).

Die Angriffe auf diese Schriftstelle sind von allen Seiten gekommen. Die persönliche Erfahrung des Autors war häufig die Auseinandersetzung mit Muslimen, deren Vorstellungen über die Trinität sich generell an das zu einfache und irrtümliche Bild des Korans halten. Muslimische Apologetiken über dieses Thema sind genau genommen Plagiate großer Teile eines »grundlegenden« Artikels, der sich mit 1.Johannes 5,7-8 auseinandersetzt, den man auf der Webseite »Answering Christianity« findet. Interessanterweise basieren die meisten islamischen Angriffe auf das Comma auf dem Werk von liberalen und atheistischen Gelehrten, die ideologisch dazu neigen, diesen Vers zu bekämpfen. Der für gewöhnlich herangezogene »Beweis«, dass das Comma eine Verfälschung des Wortes Gottes ist, ist die Aussage:

»Die berühmte Interpolation nach den »drei Zeugen« wird in der Revised Standard Version nicht gedruckt und das mit Recht. Die Interpolation zitiert das himmlische Zeugnis von dem Vater, dem Wort und dem Heiligen Geist, wurde jedoch niemals in frühen trinitarischen Kontroversen verwendet. Keine angesehene griechische Handschrift enthält sie. Sie taucht zuerst in einem lateinischen Text aus dem späten 4. Jahrhundert auf, fand den Weg in die Vulgata und schließlich in das Neue Testament von Erasmus.« [1]

Andere Aussagen dieser Art finden sich im Überfluss in liberaler und sogar neo-Evangelikaler Literatur:

»Der Text über die drei himmlischen Zeugen (1.Johannes 5,7; Schl 2000) ist kein authentischer Teil des Neuen Testamentes.« [2]

»1.Johannes 5,7 in der Schlachter 2000 liest sich: »Denn drei sind es, die Zeugnis ablegen im Himmel: der Vater, das Wort und der Heilige Geist, und diese drei sind eins.« Aber dies ist eine Interpolation, die sich vor dem späten 4. Jahrhundert nicht zurückverfolgen lässt.« [3]

»1.Johannes 5,7 in dem Textus Receptus (dargestellt in der Schlachter 2000) legt die Vermutung nahe, dass Johannes bei der Lehre der Trinität in expliziter Form angelangt ist (der Vater, das Wort und der Heilige Geist), aber dieser Text ist offensichtlich eine Interpolation, da sie in keiner authentischen griechische Handschrift enthalten ist.« [4]

Natürlich werden diese Aussagen immer wieder von muslimischen Apologetikern und anderen Antitrinitariern verwendet, die an den anderen Dingen in jener Literatur jedoch kein Interesse haben. Selbst konservative evangelikale Kommentatoren sind auf den fahrenden Anti-Comma-Zug mit aufgesprungen und wiederholen dieselben pauschalen Behauptungen, es fehlen die Beweise durch griechische Handschriften für die trinitarische Wiedergabe dieser Verse. In seinem Kommentar über 1.Johannes bezieht sich Hiebert auf die »berühmte interpolierte Passage, für die es keinen stichhaltigen Textbeweis gibt«.

»Der externe Beweis gegen die Authentizität dieser Worte, die heute als »Comma Johanneum« bekannt sind, ist überwältigend. Sie werden in keiner griechischen Unzial-Handschrift gefunden und sind vor dem 15. Jahrhundert in keiner griechischen Kursiv-Handschrift enthalten. Allein zwei bekannte griechische Kursiv-Handschriften (Kursiv 629 aus dem 14. Jahrhundert und 61 aus dem 16. Jahrhundert) enthalten die Ergänzung in ihrem Text. Kursiv 635 aus dem 11. Jahrhundert enthält sie am Rand in einer Handschrift aus dem 17. Jahrhundert und 88 aus dem 12. Jahrhundert enthält sie am Rand in moderner Handschrift. In diesen Kursiv-Handschriften sind die Worte offenbar eine Übersetzung einer späten Rezension der lateinischen Vulgata. Keine antike Version der ersten vier Jahrhunderte enthält das Comma. Auch findet es sich nicht in den ältesten Handschriften der Vulgata. Kein griechischer Kirchenvater zitiert die Worte aus der Interpolation. Feuillet bringt es auf den Punkt: ihr Unvermögen das Comma zu zitieren ist ein unerklärliches Versäumnis, wenn sie es kannten. Genau genommen, wie konnten sie das Comma nicht in den trinitarischen Kontroversen verwenden?« [5]

Hiebert führt die Diskussion weiter über die viel gepriesene (und oft verdrehte) Einfügung des Commas durch Erasmus in die dritte Ausgabe seines griechischen Textes. Eine ähnliche Anklage findet man in den populären evangelikalen Studienbibeln. Zum Beispiel sagt Ryrie: »Vers 7 sollte mit »Zeugnis ablegen« enden. Der Rest von Vers 7 und Vers 8 findet sich in keiner alten griechischen Handschrift.« [6]

Doch so bedauerlich das für die Kritiker auch ist: diese Behauptungen sind entweder reine Lügen oder basieren auf unvollständigen Informationen.

Und was noch schlimmer ist, diese Behauptungen verbreiten weiterhin ohne jede Kritik naturalistische Textgelehrte wie Bruce Metzger und Kurt und Barbara Aland, deren Schriften routinemäßig von Fehlinformationen gestützt werden, die auf einseitiger Berichterstattung der zur Verfügung stehenden Beweise beruhen. Daher ist es einigermaßen verständlich, dass diejenigen (z.B. Hiebert, Ryrie, usw.), die sich auf die Informationen verlassen, die sie von anderen bekommen, die Behauptungen dieser Textgelehrten wiederholen. Es ist weniger verständlich, dass Gelehrte wie Metzger und die Alands, die vollen Zugang zu allen Informationen über dieses Thema haben sollten, weiterhin Behauptungen verbreiten, die im Bezug auf diese Schriftstelle nachweisbar falsch sind. Die Fehlinformationen, die weiterhin von liberalen Textkritikern aufrechterhalten werden, führen in den Reihen von Gottes Volk zu Verwirrung in Bezug auf jene Schriftstelle, was wiederum nur dazu dient die Gemeinde von Christus zu spalten und zu schwächen – die lokale Versammlung, die den Auftrag hat Gottes Wort zu bewahren und zu bewachen (1.Timotheus 3,15).

Die Hauptargumente, die gegen die Authentizität des Comma Johanneum verwendet werden, kann man in diese vier Themenbereiche zusammenfassen:

  • die wenigen und späten griechischen Handschriften
  • das späte Erscheinen im Lateinischen
  • das Fehlen in allen anderen alten Bibelversionen
  • das Fehlen in Schriften der Kirchenväter, besonders zur Zeit der trinitarischen Kontroverse

Diese Vorwürfe werden individuell, der Reihe nach und im Detail besprochen. Wir werden sehen, dass jeder dieser Vorwürfe, wenn er untersucht wird, sich entweder als vollkommen falsch herausstellt oder dass er in irreführender Weise dargestellt wurde. Diese Abhandlung wird durch textuelle, historische, grammatikalische und logische Mittel dem Leser demonstrieren, dass das Comma Johanneum authentisch ist.

Die wenigen und späten griechischen Handschriften

Bei den modernistischen Textkritikern ist der Beweis durch griechische Handschriften das Zentrum der Debatte, und das scheinbar ohne Rücksicht auf alle anderen Beweise. So konzentrieren sie die Diskussion über das Comma auf nur einen Teil des Beweises, der für sich genommen ihre Behauptungen über das Comma zu unterstützen scheint. Die Art und Weise jedoch, wie das textkritische Lager den Beweis hinsichtlich der griechischen Handschriften präsentiert, zeigt, dass hier einseitig dargestellt und häufig verdreht wurde. Die bekanntesten Aussagen der Befürworter der Textkritik im Bezug auf das kaum bezeugte Comma in den griechischen Handschriften ähneln Metzgers Aussage:

»[Das Comma] fehlt in jeder bekannten griechischen Handschrift mit Ausnahme von acht.« [7]

Metzger fährt dann fort und listet diese sieben Handschriften auf (#61, #88, #221, #429, #636, #918, #2318), lässt aber die achte Handschrift unberücksichtigt, Ottobonianus (#629), eine Handschrift aus dem 14. Jahrhundert, die in der 4.Ausgabe des Griechisch Neuen Testamentes der United Bible Society (UBS) aufgelistet wird. [8] Nun gibt es über 5.300 vorhandene Handschriften des Griechisch Neuen Testamentes, so dass dies an und für sich ein gewaltiges Argument gegen die Authentizität des Comma Johanneum ist. Das beeindruckende Zahlenspiel wird jedoch in seiner Wirkung verringert, wenn man berücksichtigt, dass nur 501 Handschriften den ersten Johannesbrief Kapitel 5 überhaupt enthalten. Darüberhinaus haben wir gesehen, dass Metzger und die UBS die genaue Zahl der griechischen Handschriften, die das Comma enthalten, für unbedeutend halten. Zusätzlich zu den eben aufgelisteten Handschriften ist darüber berichtet worden, dass D.A. Waite die Handschriften #634 und Omega 110 identifiziert hat, die das Comma enthalten, und T. Holland hat feststellt, dass das Comma am Rand von #635 erscheint. [9] Erst kürzlich berichtete auch Daniel Wallace, dass das Comma am Rand von #177 erscheint, obwohl er auch beobachtet hat, dass die Ergänzung sehr spät gemacht wurde, zumindest nach 1551. Schließlich sind da noch zwei griechische Lektionare (=frühe didaktische Texte, die für gewöhnlich umfangreiche Zitate aus der Schrift enthielten), in denen das Comma erscheint (Lektionar #60 aus dem Jahr 1021 und #173 aus dem 10. Jahrhundert).

montfortianus
Reproduktion eines Teils von 1.Johannes aus dem Codex Montfortianus (einer Minuskel aus dem 13. Jahrhundert), in der das Comma enthalten ist. T.H. Horne, An Introduction to the Critical Study and Knowledge of the Holy Scriptures, Vol. 1, p. 241, Robert Carter and Bros.: NY, 1854

Besondere Bedeutung kommt dem Erscheinen des Commas am Rand dieser verschiedenen Handschriften zu (konkret #88, #221, #635 und #636) und die Standarderklärung zu diesem Erscheinen ist, dass später die Kopisten die Texte mit dem Comma am Rand emendierten. Von da an, so heißt es, erhielt die Emendation Einzug in den eigentlichen Text der Handschriften, die dann anschließend wieder kopiert wurden. Während dies eine wirklich plausible Behauptung ist, ist sie keinesweg endgültig. Gleichermaßen plausibel ist ebenso die Möglichkeit, dass der Vers am Rand die Reaktion von Schriftgelehrten darstellt, die das Comma in anderen Texten gesehen haben und dessen Fehlen in den vor ihnen liegenden Handschriften vermerkten und so den Text korrigierten basierend auf dem, was sie zuvor gesehen haben. Andere historische und textuelle Beweise, die wir später besprechen werden, verleihen dieser Möglichkeit noch größere Glaubwürdigkeit, denn wir können in konkreter Weise zeigen, dass die griechischen Handschriften, die das Comma enthalten, schon viel früher existierten als die gegenwärtigen Beweise griechischer Handschriften das andeuten. Daher kann man den späteren Handschriften, die das Comma am Rand enthalten, nicht länger automatisch eine Emendation durch die lateinische Vulgata vorwerfen.

Außerdem sollte es klar sein, dass das Gewicht der Zahl an Handschriften, in denen das Comma fehlt, zumindest teilweise genau das Argument entkräftet (»älter ist besser«), welches die Textkritiker so gerne zugunsten der alexandrinischen Texte vorschieben. Während es stimmt, dass nur ungefähr 8 bis 10 der griechischen Texte das Comma enthalten, und die meisten der Texte sind späte Handschriften, muss berücksichtigt werden, dass auch die meisten Handschriften, in denen das Comma fehlt, ebenso Texte sind, die nach den Maßstäben der United Bible Society späte Handschriften sind. Etwa 95% der Handschriften, in denen das Comma fehlt, sind nach diesen Maßstäben späte Handschriften aus dem 9. Jahrhundert und später. Darüber hinaus deuten mindestens drei andere am Rand stehende Erwähnungen auf einen relativ frühen Zeitraum – #221 (10. Jahrhundert), #635 (11. Jahrhundert) und #88 (12. Jahrhundert). Dies kann ein Hinweis dafür sein, dass es während dem 10.-12. Jahrhundert noch immer andere Comma enthaltene Handschriften gab, die zur Grundlage für die Ergänzung dieses Verses in den griechischen Texte dienten. In jedem Fall ist die älteste dieser Ergänzungen am Rand älter als alle anderen Texte, die das Comma nicht enthalten (mit Ausnahme von 8 Handschriften), und stammt ungefähr aus der gleichen Zeit wie die Handschrift #1739 (10. Jahrhundert). So können wir sehen, dass das Argument »älter ist besser«, in Wirklichkeit nicht den Wert hat, der ihm von seinen Befürwortern beigemessen wird. Das Argument »älter ist besser« ist also nicht so ausschlaggebend, denn wir sehen, dass die Zeugen in beiden Gruppen zum Großteil aus späten Handschriften bestehen und es in beiden Gruppen nur sehr wenig frühe Zeugen gibt, wenngleich eingeräumt werden kann, dass die Überlieferung der Handschriften, die das Comma nicht enthalten, um einige Jahrhunderte älter ist. Wir werden allerdings sehen, dass sich diese Lücke erheblich verkleinert, wenn wir die lateinischen Zeugen berücksichtigen. Und wenn wir dann das Zeugnis früher christlicher Schriftsteller und andere historische Beweise heranziehen, können wir sehen, dass diese Lücke vollständig verschwindet.

Ein weiterer gegen das Comma Johanneum gerichteter Einwand, der sich um die Beweislast griechischer Handschriften dreht, ist, dass die verschiedenen Handschriften, die die vollständige trinitarische Lesart für 1.Johannes 5,7-8 enthalten, sich in der Wiedergabe des Verses untereinander unterscheiden. Dies jedoch sollte in keinster Weise die Authentizität der Lesarten des Commas herabsetzen. Denn im Grunde genommen schwören die Befürworter des kritischen Textes auf die Überlegenheit der alexandrinischen Texte wie z. B. den Sinaiticus und Vaticanus wegen ihres Alters (aus dem 4. Jahrhundert). Diese beiden Handschriften (die wohlgemerkt »älter und besser« sein sollen) weichen jedoch an über 3.000 Stellen erheblich voneinander ab und das allein in den vier Evangelien, wie Pickering berichtet. [10] Aus diesem Grund, wenn jemand das Zeugnis bestimmter Handschriften ignorieren will, weil sie untereinander in gewissem Grade bei der Lesart eines Verses voneinander abweichen, wäre er ebenso gezwungen sämtliche Handschriften direkt aus dem Fenster zu werfen, die den Hauptteil des kritischen Textes ausmachen.

Eigentlich verleiht die Tatsache, dass es unter den Comma enthaltenden griechischen Handschriften variierende Lesarten des Verses gibt, der Gegenwart des Commas einen Hauch von Authentizität. Das Comma in diesen Texten durchlitt auf dieselbe Weise den natürlichen Prozess der Schreibfehler, die wir in vielen anderen Versen in mehrfach überlieferten Texten mit geringfügig abweichendem Wortlaut bezeugen können. Es würde weniger authentisch erscheinen, wenn der Vers exakt gleich am Rand von Handschriften und in intertextuellen Zeugen erscheint, so dass die Vorstellung einer Emendierung glaubwürdiger werden würde, dass diese Texte in Einklang gebracht wurden mit der mittelalterlichen Rezension der römisch-katholischen Vulgata.

Hinsichtlich der alexandrinischen Handschriften kann man die Heuchelei der Anführer der Textkritik daran erkennen, wenn man ihren Umgang mit 1.Johannes 5,7 damit vergleicht, wie sie bei anderen Schriftstellen verfahren, wo der Text genauso wenig bezeugt wird. Sie benutzen die relative Knappheit der Comma enthaltenden Handschriften als Ausrede (und ignorieren einen Großteil der externen Beweise, die wir später noch besprechen) und behaupten mit Überzeugung, dass das Comma deswegen »illegitim«, »unecht« oder schlichtweg eine »Fälschung« sein soll. Aber dennoch sehen wir, dass sich auch die Befürworter des kritischen Textes für wenig bezeugte Lesarten in ihre neuen Bibelversionen entscheiden, wo die Lesart des Textus Receptus in der Schlachter 2000 jedoch häufiger durch die große Mehrheit der entsprechenden Handschriften gestützt wird. Holland weist darauf hin, dass der kritische Text in 1.Johannes 1,7 das »Jesus Christus« des überlieferten Textes in »Jesus« ändert und das auf der Grundlage von nur 24 der 501 Handschriften, die die Passage aus 1.Johannes enthalten. Genauso verhält es sich bei 1.Johannes 2,20, wo das »alles« des überlieferten Textes in »alle« geändert wurde und das auf der Grundlage von nur 12 der 501 Handschriften, die diesen Vers enthalten. [11] Bei den betroffenen Handschriften ist dann auch nicht mehr von einer »alt gegen neu« Aufschlüsselung die Rede und der entscheidende Faktor ist dann letztendlich, ob die hoffnungslos korrumpierten alexandrinischen Kodizes sie enthalten oder nicht.

Viele andere Passagen sind in den kritischen Text auf noch geringerer Grundlage aufgenommen worden, wie eben beschrieben. In Matthäus 11,19 wurde der Ausdruck »die Weisheit ist gerechtfertigt worden von ihren Kindern« in »die Weisheit ist gerechtfertigt worden aus ihren Werken« geändert, obwohl nur drei griechische Handschriften dies bezeugen im Gegensatz zu einer überwältigenden Menge griechischer Handschriften und externer Beweise, in denen Lesart des Textus Receptus gestützt wird. Ebenso wird das Wort »denn« aus Jakobus 4,14 entfernt und das auf der Grundlage von vier griechischen Handschriften und wenig externen Beweisen im Gegensatz zu dem überwältigendem Zeugnis griechischer Handschriften und externer Zeugen. In ähnlicher Weise wird der Schlussteil von Römer 8,24 »denn warum hofft auch jemand auf das, was er sieht« in »denn wer hofft, was er sieht« verändert und dies auf der Grundlage von zwei griechischen Handschriften im Gegensatz zu dem nahezu einheitlichen Zeugnis der Masse griechischer Handschriften samt dem Zeugnis von praktisch allen antiken Bibeln, ausgenommen der syrischen Peschitta (die unterschiedliche Lesarten wiedergibt, von denen viele mit dem kritischen Text nicht übereinstimmen). In jedem dieser Beispiele basiert die Korrektur nahezu immer (oder manchmal sogar vollständig) auf dem alleinigen Zeugnis bevorzugter alexandrinischer Texte im Gegensatz zu den größeren und nahezu gleichermaßen antiken Zeugen der Mehrheitstexte, die fast immer von der großen Masse externer Zeugen und anderer antiken Bibeln Unterstützung findet.

Dies wird hier an dieser Stelle nicht erwähnt, um die Tatsache zu beklagen, dass in der textkritische Ausgabe Lesarten verwendet werden, die von wenigen griechischen Handschriften gestützt werden. Das Gegenteil sollte der Fall sein. Denn diese Beispiele zeigen, dass sogar modernistische Textkritiker einsehen, es gibt noch andere gewichtige Faktoren neben der bloßen Zahl an Handschriften, auf die man sich berufen muss, um zu bestimmen, ob eine Lesart in den Text gehört oder nicht. Sie nehmen das wahr, obwohl die Faktoren ihrer Gewichtung auf der falschen Annahme beruhen, dass »älter immer besser« bedeutet – eine Annahme, die man kaum befürworten kann, wenn die ältesten Texte nachweisbar der Menge ihrer eigenen Handschriften widersprechen und im Großen und Ganzem auch dem Hauptteil der Überlieferung bestehender griechischer Handschriften. [12] Ja, das Gewicht der Antiquität einer Lesart sollte berücksichtigt werden, aber sie muss gleichzeitig von Beweisen abgewogen werden, die außerhalb der Antiquität liegen.

Überdies haben wir Beweise durch die Zeugnisse von Kirchenvätern hinsichtlich der Veränderung der Handschriften von 1.Johannes durch einige Schreiber, in denen sogar die Entfernung des Verses konkret erwähnt wird. Sokrates Scholastikus (380 – 440) beginnt mit einem allgemeinen Beispiel über die absichtliche Verfälschung der Abschriften des ersten Johannesbriefes und schrieb:

»Die Tatsache ist, die grundlose Besorgnis, die er in dieser Thematik gezeigt hat, entlarvt geradezu seine äußerste Unwissenheit, denn er galt zwar als redegewandter und gut gebildeter Mann, war aber in Wirklichkeit in beschämender Weise ungebildet. In der Tat verachtete er die harte Arbeit einer akkuraten Untersuchung der alten Ausleger. Und aufgeblasen von seiner Ausdrucksbereitschaft schenkte er den Auslegern keinerlei Beachtung, sondern hielt sich selbst für den größten von allen. Er war sich überdies auch nicht bewusst, dass in alten Handschriften des ersten Johannesbriefes geschrieben stand, »dass jeder Geist, der Jesus trennt, nicht von Gott ist.« Die Verstümmelung jener Passage schreibt man denen zu, die das göttliche Wesen von der menschlichen Seite trennen oder um die Sprache der frühen Ausleger zu gebrauchen: sie haben diesen Brief mit der Absicht verfälscht, um Christi Menschlichkeit von dessen Göttlichkeit zu trennen. Aber Gott und Mensch sind in dem Erlöser vereint, sie sind nicht zwei Personen, sondern nur eine.« [13]

In dieser Passage erläutert Sokrates den Irrtum von Bischof Nestorius, dem vorgeworfen wurde zu lehren, dass die Göttlichkeit und Menschlichkeit von Jesus Christus durch die Inkarnation getrennt wurde. Der Text, auf den er sich in den »alten Handschriften« bezieht, ist 1.Johannes 4,2-3 und er stellte fest, dass es da jemanden gab, der eben in diesem Brief eine Textverfälschung veranlasste, um das Zeugnis der Gottheit des Christus zu schwächen oder zu beseitigen. Die gleiche häretische Theologie würde auch der Entfernung der trinitarischen Lesart von 1.Johannes 5,7-8 zustimmen – eine Passage, die den Vater, das Wort und den Geist als Einheit darstellt.

Noch deutlicher ist das Zeugnis von Hieronymus in dieser Sache. Hieronymus wurde von Damasus, dem Bischof von Rom, dazu beauftragt eine standardmäßige lateinische Übersetzung der Heiligen Schriften anzufertigen, um die früheren lateinischen Übersetzungen zu ersetzen, die im späten 4. Jahrhundert an Vielzahl zugenommen hatten. Hieronymus tat dies und benutzte für seine Vulgata griechische Handschriften als Ausgangsmaterial für die Überarbeitung des lateinischen Neuen Testamentes. [14] Dann stellte Hieronymus bei seiner Arbeit fest, dass die trinitarische Lesart von 1.Johannes 5,7 aus griechischen Handschriften entfernt wurde. Das ist ein Punkt, den er besonders erwähnt. Während er über das Zeugnis dieser Verse spricht, schreibt er:

»Genau so werden sie richtig verstanden und genau so sind sie treu von Übersetzern ins Latein übersetzt worden, ohne Unklarheiten für die Leser zu hinterlassen und ohne das die Vielzahl an Textarten in Konflikt miteinander geraten, besonders in dem Text (d.h. 1.Johannes), wo wir über die Einheit der Trinität lesen, wo gewaltige Irrtümer aufgetreten sind durch die Hände untreuer Übersetzer entgegen der Wahrheit des Glaubens, die nur die drei Worte Wasser, Blut und Geist übrig gelassen haben in dieser Fassung und die Erwähnung von dem Vater, dem Wort und dem Geist auslassen, durch die der richtige Glaube gestärkt wird und die Wesenseinheit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes bekräftigt wird.« [15]

Wir sehen also, dass Hieronymus ausdrücklich gesagt hat, dass dieser Vers zu seiner Zeit aus den griechischen Handschriften entfernt wurde. Logischerweise können wir daher annehmen, dass für ihn das Fehlen dieses Verses eine Entfernung aus den griechischen Handschriften darstellt. Er musste von griechischen Handschriften gewusst haben, in denen das Comma enthalten war und das zur Zeit (395-400), als er die Vulgata und die Hauptbriefe vorbereitete – weitaus früher als manche annehmen, basierend auf der Datierung der aktuell bekannten griechischen Handschriften, die das Comma enthalten.

Wenn wir uns wirklich hinsetzen und darüber nachdenken, dann erkennen wir logischerweise, soweit das den Beweis des Alters einer griechischen Handschrift betrifft: das Alter ist nicht wirklich der bedeutende Faktor.

Der älteste Zeuge (Sinaiticus) stammt aus dem 4. Jahrhundert. Außerdem weichen die ältesten Zeugen (Sinaiticus, Vaticanus, Alexandrinus, Bezae Cantabrigensis, Ephraemi Rescriptus) größtenteils voneinander ab und sind lange nicht so glaubwürdig, wie man behauptet. Diese Texte sind in der kleineren Minderheit und unterscheiden sich extrem von den Handschriften des Mehrheitstextes, der byzantinischen Überlieferung. Den alexandrinischen Texten wird von den Textkritikern ein besonderer Status eingeräumt, der ihnen jedoch nicht zusteht. Ihre Lesarten, die häufig voneinander abweichen und nicht im Einklang miteinander sind, genauso wie die älteren Papyri, werden subjektiv als »beste« Handschriften angesehen und nur deswegen, weil sie »älter« sind. Doch ungeachtet ihrer Herkunft (Ägypten und Palästina) ist das nur ein Beweis für gnostische und doketische Verfälschung. Das Alter der alexandrinischen Texte und ihr exzellenter Zustand legt jedoch nahe, dass sie wahrscheinlich von den frühen Christen aufgrund ihrer Fehler nicht benutzt wurden und demnach nicht dem Verschleiß durch ständigen Gebrauch und Wiedergebrauch unterlagen, der jedoch bei den frühen Christen zu zerstörten und ausgefransten Handschriften führte, weil sie regelmäßig benutzt wurden. Denn auf diese Weise ehrten sie den Text. Ungeachtet des Alters der alexandrinischen Handschriften zeigen die verfügbaren Texte in Form diverser Papyri, die noch älter sind (aber in weit schlechterer Verfassung) häufig viel, wenn nicht sogar noch größere Ähnlichkeit zu den byzantinischen Textarten als zu den alexandrinischen Textarten wie beispielsweise Sinaiticus und Vaticanus. Dies zeigt uns erneut, dass die alexandrinische Textart, die eine Minderheit unter allen griechischen Handschriften darstellt, der byzantinischen Textart nicht überlegen ist, wovon man normalerweise aber ausgeht.

Aber weshalb fehlt dann dieser Vers in der byzantinischen Textart, die die überwiegende Mehrheit der griechischen Texte ausmacht? Wir müssen verstehen, dass die Bedingungen im 4. Jahrhundert äußerst vorteilhaft waren, die griechischen Zeugen durch arianische Irrlehrer zu verändern, die das klare trinitarische Zeugnis beseitigen wollten. Die Knappheit griechischer Handschriften aus dem Osten, die das Comma bezeugen, kann durchaus erklärt werden. Denn die Mehrheit der östlichen Teile des Imperiums im 4. Jahrhundert (besonders Kleinasien, Syrien und Ägypten, wo die meisten der berühmtesten griechischen Handschriften kopiert wurden, auf die sich die Textkritik beruft) gerieten unter den Einfluss des Arianismus. Nach seiner Verurteilung floh Arius nach Syrien-Palästina und war erfolgreich darin eine große Zahl gewöhnliche Menschen und einflussreiche Gemeindeleiter zum Arianismus zu bekehren (unter anderem Eusebius von Nikomedia, der Arius zuvor während seiner Verhandlungen geschützt hat und Eusebius von Caesarea). Diese Region war auch unter der Kontrolle des Kaisers Konstantin II. (317-361; er regierte von 337-361), der ebenso Arianer war. Es geschah in dieser Zeit, in der orthodoxe Bischöfe, wie zum Beispiel Eustathius von Antiochien und Athanasius, der berühmte Verteidiger der Trinitätslehre, verbannt und die östlichen Kirchen den arianischen Führern übergeben wurden (zum Beispiel wurde Arius’ früherer Beschützer, Eusebius von Nikomedia, das Patriarchat von Alexandria in Ägypten gegeben). Für beinahe ein halbes Jahrhundert – der Zeitraum inbegriffen, in dem Eusebius von Caesarea sein textkritisches Werk am griechischen Neuen Testament vollzog, welches dann bestätigt und in Textform »kodifiziert« wurde und zu Handschriften wie den Sinaiticus führte – kontrollierten die Arianer die Griechisch sprechenden Hauptregionen des Imperiums.

Eusebius von Caesarea war der von Konstantin auserwählte Mann um die »offizielle« Version der Heiligen Schrift vorzubereiten, die im ganzen Reich verbreitet werden sollten. Eusebius, dem Arianismus wohlgesinnt, war wahrscheinlich verantwortlich für die Entfernung des Commas aus den griechischen Handschriften, die er für Konstantin veröffentlichte, die für solche Texte wie den Sinaiticus und Vaticanus die Grundlage waren. [16] Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass die byzantinische Überlieferung im 4. bis 5. Jahrhundert von arianischen Irrlehrern des Ostens verfälscht wurde und dass die Herrscher des Ostens, solche wie z.B. Konstantin, der sich der arianischen Irrlehre anschloss, bewusst danach trachteten das Comma aus den griechischen Handschriften des Ostens zu entfernen. Dies könnte die Frage beantworten, warum das Comma in der Mehrheit griechischer Handschriften fehlt und trotzdem in anderen Überlieferungen bezeugt wird, wie zum Beispiel in der alt-lateinischen und syrischen Überlieferung. Deshalb gehen wir mit Hieronymus davon aus, dass wir es mit dem systematischen Prozess der Entfernung dieses Verses aus den neuen Abschriften dieses Briefes zu tun haben. Dies macht sogar durchaus Sinn, wenn wir berücksichtigen, dass Hieronymus während der Zeit, in der er die Hauptbriefe für seine Vulgata durchsah, in Bethlehem wohnte. Bethlehem war natürlich in der Region, die von den Arianern beherrscht wurde, und Hieronymus revidierte seine Briefe kurz nachdem die orthodoxe Kontrolle der Kirchen wiederhergestellt wurde. Deswegen überrascht es uns nicht, dass er die Textverfälschung bezeugte, nämlich die Entfernung des Commas. Scott zieht diese Möglichkeit in Betracht wenn er sagt:

»Es ist sehr viel wahrscheinlicher, dass die Arianer oder Antitrinitarier (der frühen Kirche) stillschweigend ein Zeugnis aus ihren Handschriften entfernten, das so entschieden gegen sie sprach, oder es aus Versehen von einigen Schreibern ausgelassen wurde, als dass die Trinitarier es fälschten und einfügten. Dem Trinitarier würde dadurch in der Tat nur eines von vielen anderen Argumenten genommen, mit dem er gegen die Überzeugung seiner Gegner antritt, wenn dieser Text als vollkommen unecht betrachtet wird, denn seine Lehre wird von anderen Schriftstellen gestützt. Aber wenn dieses Zeugnis als das unfehlbare Wort Gottes anerkannt wird, würde der ganze Einfallsreichtum und der Eifer von Widersachern wohl nicht ausreichen, um es wegzuerklären oder um die Schlussfolgerung zu vermeiden, die man normalerweise daraus zieht.« [17]

Wir müssen verstehen, dass es im Allgemeinen für Schriftgelehrte wesentlich einfacher ist, beim Kopieren eines Textes etwas wegzulassen, als neue Lesarten hinzuzufügen. Pickering benutzt dieses Argument allgemein hinsichtlich des byzantinischen oder »traditionellen« Textes. Er fässt die Ergebnisse einer Studie über Tendenzen beim Abschreiben in vielen der frühen alexandrinischen Papyri zusammen:

»Der Spieß wurde umgedreht. Hier haben wir eine klare statistische Demonstration, dass Einfügungen »bei weitem nicht so zahlreich auftreten« wie Weglassungen. Weglassung als versehentlicher Fehler geschieht häufiger als eine Einfügung, und P45 zeigt, dass die Weglassungen bei manchen Schriftgelehrten vorsätzlich und umfangreich waren. Ist es reiner Zufall, dass Aleph und B wahrscheinlich im gleichen Gebiet wie P45 angefertigt wurden und die gleichen Eigenarten vorweisen? Auf jeden Fall ist die »Vollständigkeit« des traditionellen Textes eher ein Pluspunkt als ein Beweis für Unterlegenheit.« [18]

Demzufolge ist es im vorliegenden Fall sehr viel wahrscheinlicher, dass Kopisten das Comma weggelassen haben, als dass sie es einfügten. Dies ist gerade der Fall, wenn wir erkennen, wie Colwell es tat, dass viele Weglassungen vorsätzlich waren und dass die historischen Umstände im Osten, zur Zeit der arianischen Vormachtstellung, eine derartige vorsätzliche Verfälschung des Textes von 1.Johannes erleichtert hätten. Selbst im Falle einer unabsichtlichen Entfernung, können sie »vorsätzlich« werden, wenn die Weglassung von den Machthabern vorgezogen und aufrechterhalten wird.

Der wesentliche Punkt dieser kurzen Geschichtsstunde ist, dass wir verstehen, dass für beinahe ein halbes Jahrhundert die große Mehrheit des Christentums in den Griechisch sprechenden östlichen Teilen des Reiches – inklusive zwei der berühmtesten und angesehensten Patriarchen – umschlossen in den Händen des Arianismus war. Ein Mann, der dem Arianismus wohlgesinnt war, wurde beauftragt die »offizielle« Version des Griechisch Neuen Testamentes vorzubereiten, im Auftrag von Kaiser Konstantin (dem Vater von Konstantius [d.h. Konstantin II.], der ebenfalls zum Arianismus neigte), die während der Herrschaft des arianischen Sohnes fertiggestellt wurde. Es ist daher angemessen daraus zu schließen, dass unter diesen Umständen das starke trinitarische Zeugnis des Commas aus der »offiziellen« Version des Griechisch Neuen Testamentes und dessen Abschriften entfernt wurde. Außerdem, angesichts der langen örtlich begrenzten arianischen Vorherrschaft in dieser Region, ist es ebenso angemessen zu fragen, ob nicht der Einfluss des Arianismus die Kopisten dazu ermutigte, das offenkundige trinitarische Comma aus ihren Abschriften des Neuen Testamentes wegzulassen – Abschriften, die den Korpus von Vater-Handschriften bilden würden, von denen die meisten Tochter-Handschriften stammen würden.

Angesichts dessen ist es interessant festzuhalten, dass das offizielle griechische Neue Testament, welches von der Griechisch sprechenden orthodoxen Ostkirche benutzt wird, die 1904 von dem Ökumenischen Patriarchat autorisierte Ausgabe das Comma enthält. Diese Ausgabe wurde in dem Kloster auf dem Berg Athos durch die Kollation von ca. 20 byzantinischen Handschriften des Neuen Testamentes vorbereitet und stellt einen Text dar, der völlig im Einklang zur byzantinischen Tradition steht. Dies legt nahe, dass die byzantinisch-griechischen Textzeugen aus den nicht-arianischen Gebieten des Ostens, wie Griechenland und das Gebiet um Konstantinopel, ungefälscht blieben, während die Texte, in denen das Comma fehlt, aus den arianisch beeinflussten Regionen des Ostens stammen oder dort kopiert wurden.

Im Großen und Ganzen ist es schlicht und einfach illegitim, die widersprüchlichen griechischen Handschriften aus dem 4.-5. Jahrhundert für gewichtiger zu halten als das klare und explizite Zeugnis des Commas von Kirchenvätern wie Tertullian und Cyprian, die bereits zwei Jahrhunderte vorher sich in ihren Schriften auf den Vers deutlich bezogen, genauso wie andere Übersetzungen, die auf frühen griechischen Handschriften basieren. Während das interne griechische Zeugnis der Antiquität aus den oben genannten Gründen nicht so wichtig ist, ist es bei der Antiquität aller Beweise doch anders, einschließlich der Texte der Kirchenväter und anderen früher Übersetzungen. Die Bewahrung der Heiligen Schrift beansprucht nicht, dass die Lesart in ihrer ursprünglichen Sprache der Inspiration bewahrt wird – sie beansprucht nur, dass die Lesart selbst bewahrt wird, so wie das Comma in der alt-lateinischen Bibel, der lateinischen Vulgata und der waldensischen Mundart bewahrt wurde.

Erasmus’ Versprechen

Es ist nicht ungewöhnlich Widersacher des Comma Johanneum zu finden, die vollkommen unkritisch die Behauptung verbreiten, dass Erasmus (ein Textgelehrter des 16. Jahrhunderts, dessen Ausgaben des griechischen Neuen Testamentes als Quelle für den Textus Receptus dienten und daher für die King James) das Comma aufgrund der Kritik einiger Kollegen in seine dritte Ausgabe von 1522 aufnahm. Bruce Metzger schreibt in The Text of the New Testament – Its Transmission, Corruption and Restoration: »In einem unachtsamen Moment hat Erasmus vielleicht versprochen, er würde das Comma Johanneum, wie es genannt wurde, in zukünftigen Ausgaben aufnehmen, wenn eine einzige griechische Handschrift gefunden würde, in der diese Passage enthalten ist. Nach kurzer Zeit wurde eine solche Kopie gefunden – oder auf Bestellung angefertigt!« So populär diese Bettgeschichte unter den Widersachern des Textus Receptus auch sein mag, sie findet in Wirklichkeit keine Unterstützung. Metzgers Behauptung wurde von zwei der angesehensten Gelehrten der Welt widerlegt. Der Erasmus Experte Dr. Henk Jan de Jonge, Dekan der Theologie an der Leiden University, hat in seinem Aufsatz Erasmus und das Comma Johanneum in überzeugender Weise bewiesen, dass Metzgers Geschichte über Erasmus völlig haltlos ist. Er kommt zu folgendem Schluss:

»Die gegenwärtige Ansicht, dass Erasmus versprach das Comma Johanneum aufzunehmen, wenn es ihm in einer einzigen griechischen Handschrift gezeigt würde, hat keine Grundlage in den Werken von Erasmus. Somit ist es höchst unwahrscheinlich, dass er die umstrittene Passage aufnahm, weil er sich durch ein solches Versprechen gebunden sah.« [19]

Auch Dr. Roland Bainton von der Yale University hat gezeigt, dass Erasmus das Comma keineswegs aufgrund eines solchen Versprechens aufgenommen hat. Er kam zu dem Ergebnis:

»Da der Vers in der Vulgata war, musste er in dem griechischen Text gewesen sein, den Hieronymus verwendete.« [20]

Das war eine riesengroße Peinlichkeit für Metzger und seine ganzen Anhänger. Metzger entfernte jedoch keineswegs seine irreführende Geschichte über Erasmus aus seinem Lehrbuch, sondern platzierte lediglich ein Corrigendum in eine Fußnote auf einer entfernteren Seite (S. 291) in seiner 3. erweiterten Ausgabe und gibt dort zu, dass das, was er auf Seite 101 über Erasmus und 1.Johannes 5,7 geschrieben hat, korrigiert werden muss. [21]

Ein Teil von Fehlinformationen, die dazu dienen, den Glauben zu stützen, dass sich Erasmus auf wenige bis keine griechischen Handschriften stützte, ist die ständige Falschdarstellung griechischer Zeugen, die Erasmus nach seinen eigenen Worten verwendete. Heutige Gelehrte werden behaupten, dass Erasmus das Comma auf der Grundlage des Codex Montfortianus aufnahm, der als hastig entworfene griechische Handschrift gilt und angefertigt wurde, um ihm den Vorwand zu geben, das Comma aufzunehmen. Doch Erasmus sagt, dass der das Comma in seine dritte Ausgabe aufgrund der Handschrift des Codex Britannicus aufnahm, also eine völlig andere griechische Handschrift. Gelehrte werden nun versuchen Britannicus mit Montfortianus gleichzusetzen, aber das nicht rechtens, denn die Wiedergabe von 1.Johannes 5,7-8 in Erasmus’ Ausgabe unterscheidet sich von der im Codex Monfortianus. [22] Außerdem ist Montfortianus selbst wahrscheinlich nicht, wie angenommen, gefälscht, so wie der Mythos über Erasmus’ Versprechen das behauptet, denn er wurde von Gelehrten wie Adam Clarke auf Mitte 13. Jahrhundert datiert. [23]

erasmus
Textkritiker lieben es fabulöse Geschichten über diesen Mann zu erzählen: Desiderius Erasmus (1466-1536).

Letztendlich hatte Erasmus selber Zugang zu wenigstens fünf griechischen Handschriften, auf die er seine späteren Ausgaben des griechischen Neuen Testamentes gründete, und eine von ihnen wird auf das 11. Jahrhundert datiert. [24] Sein Nachfolger in dieser Arbeit, Robert Estienne (auch genannt: Stephanus), hatte schließlich Zugang zu 19 griechischen Handschriften, mit denen er seine Ausgaben bearbeitete, und die Ausgabe von 1550 wurde zur Hauptquelle für das Neue Testament schließlich der King James Bibel. Theodor von Beza fügte denen, die Stephanus benutzte, noch weitere alte Handschriften hinzu und bereitete fünf Ausgaben vor, die auf diesen hinzugefügten Kollationen basiert. Schließlich produzierte Elzevir 1624 einen griechischen Kodex, den sie Textus Receptus nannten, der (ungeachtet seiner umfangreicheren Bearbeitung und Benutzung von Handschriften, die viel älter waren als jene, die Stephanus zugänglich waren) beinahe vollkommen identisch mit dem Text von Stephanus war, mit Ausnahme von ein paar Schreibweisen, Satzstellungen, Akzentzeichen und anderer kleiner Änderungen.

Andere alte Übersetzungen

Auch wenn der Beweis für die Existenz des Comma Johanneum in der griechischen Überlieferung schwach ist und häufig auf Indizien beruht, ist der Sachverhalt für den Vers in anderen alten Übersetzungen völlig anders. Die trinitarische Wiedergabe von 1.Johannes 5,7-8 findet viel größere Bestätigung durch andere Übersetzungen, die man problemlos bis zur Mitte des 2. Jahrhunderts zurückverfolgen kann.

Um zu beginnen, müssen wir uns die Gegenwart des Commas in der alt-lateinischen Übersetzung ansehen. Die alt-lateinische Übersetzung (die so genannt wird, weil sie vor der Vulgata von Hieronymus existierte) wird auf Mitte des 2. Jahrhundert datiert. [25] Daher ist die alt-lateinische Übersetzung eine wichtige Grundlage für die Beweisaufnahme im Bezug auf das Comma. Dies wird dadurch ersichtlich, weil sie aufgrund ihres Alters, zwangsläufig von »jungen« griechischen Handschriften übersetzt wurde, so dass wir dann über Handschriften sprechen, die noch nicht viel abgeschrieben wurden und möglicherweise sogar noch Abschriften der ersten Generation darstellen. Wenn wir über die »alt-lateinische Übersetzung« sprechen, müssen wir verstehen, dass sich diese Version in zwei große Familien aufteilt – eine afrikanische und eine europäische. Beide Versionen bezeugen das Comma, aber die europäische ist aufgrund ihrer größeren Beständigkeit von größerer Bedeutung und liefert mehr Beweise für die Untersuchung.

Die afrikanische alt-lateinische Textüberlieferung existiert heute für uns nur noch aus wenigen Zitaten in den Werken früher lateinisch patristischer Schriftsteller und wurde durch spätere lateinische Ausgaben ersetzt, hauptsächlich durch die Vulgata. Sie war die lateinische Version, die Menschen wie Tertullian und Cyprian benutzten. Beide waren nordafrikanische Autoren, die das Comma Johanneum in ihren Schriften entweder zitieren oder sich deutlich darauf beziehen.

Der europäische Zweig der alt-lateinischen Textüberlieferung bietet uns noch interessantere Informationen. Wir stellen fest, dass sie in der Antike für Augustinus einen viel reineren Text darstellte, als die vielen lateinischen Texte, die im Überfluss vorhanden waren und eine Kodifizierung der Vulgata erforderlich machten. Augustinus sagt über die europäischen, oder noch konkreter, die italienischen Texte:

»Unter den Übersetzungen ist sie [die Vetus Latina] den anderen vorzuziehen, denn sie hält sich enger an die Worte, ohne die Klarheit des Ausdrucks zu beschädigen.« [26]

Es gibt nur noch wenige bestehende alt-lateinische Handschriften, die 1.Johannes 5 enthalten. Die wenigen, die es tun, enthalten allerdings das Comma. Andere Textzeugen für das Kapitel in der alt-lateinischen Übersetzung (sowohl die afrikanische als auch die europäische) stützen ebenso die Präsenz des Commas. Codex Legionensis, datiert auf Mitte des 7. Jahrhundert, enthält das Comma. Codex Speculum (Augustinus zugeschrieben, wahrscheinlich einzuordnen in das zweite Viertel des 5. Jahrhundert), der eine Sammlung von Schriftzitaten aus hauptsächlich alt-lateinischen Lesarten ist, enthält ebenso das Comma. Auch das Freisingensia-Fragment (alias Fragmenta Monacensia), ein weiteres Fragment mit alt-lateinischen Lesarten, datiert auf etwa 500 n.Chr., enthält das Comma nach Vers 8. Um die Mitte des 4. Jahrhunderts zitiert der spanische Bischof Idacius Clarus den Vers, und das noch vor der angeblichen Insertion des Verses durch Priscillian (später noch im Detail). Maynard zitiert Codex Perpinianus, der alt-lateinische Lesarten in der Apostelgeschichte und den katholischen Briefen enthält und uns einen noch früheren Beweis für das Comma in der alt-lateinischen Überlieferung liefert. Die Handschrift selbst wird auf das Jahr 1250 datiert und es wird angenommen, dass sie von einer früheren Handschrift kopiert wurde, die auf das 6. Jahrhundert datiert wird. [27] Codex Perpinianus enthält verschiedene alt-lateinische Lesarten, die man weder im Mehrheitstext noch im kritischen Text findet, die man aber in den lateinischen Überlieferungen findet.

Obwohl nicht direkt und vollständig zitiert, enthält die Abhandlung über Wiedertaufe (ein anonymes lateinisches Werk, das einem Mönch mit dem Namen Ursinus aus dem 4. Jahrhundert zugeschrieben wird, aber wahrscheinlich in das 3. Jahrhundert datiert werden kann, als die Kontroverse um die Wiedertaufe in den nordafrikanischen Kirchen voll blühte) eine Ausdrucksweise, die auf den Vers hinweist und die Existenz des Commas im frühen Griechisch nahelegt. Die betreffende Passage erscheint am Ende der Abhandlung:

»Außerdem denke ich, dass wir die Lehre des Apostels Johannes nicht richtig eingeordnet haben, wenn er sagt: es sind drei, die Zeugnis ablegen, der Geist und das Wasser und das Blut; und diese drei sind eins.« [28]

Coxe sagt hinsichtlich dieser seltsamen Zusammenstellung der Sprache von Vers 7 und 8:

»Es ist bemerkenswert, dass er die lateinische Formel zitiert, und nicht die griechische (εις το εν εισιν). Dass nun in Latein (in Vers 8) die Formel (hi tres unum sunt) wiederholt wird, die zur fragwürdigen Protasis gehört, ist in sofern ein Beweis, dass ein solcher Vers im alten Griechisch existierte. Es ist wichtig, dass die überlieferte Formel der Apodosis »diese drei stimmen überein« nicht ans Lateinische angepasst wurde.« [29]

Weil die lateinische Abhandlung in Vers 8 den Ausdruck aus Vers 7 wiederholt, sagt Coxe im Grunde, dies ist ein Beweis für »diese drei sind eins«, die Signalaussage von Vers 7, so wie sie im Griechischen erscheint, von wo das Lateinische es verwendet hat (ob von einer lateinischen Handschrift oder durch eine direkte Übersetzung von Griechisch in Latein). Im Grunde sehen wir, dass der anonyme Autor dieser Abhandlung Verse 7 und 8 ineinanderschiebt, aber er musste Vers 7 gekannt haben, um zu dem einzigartigen Ausdruck »diese drei sind eins« zu gelangen.

Es ist auch bekannt, dass Hieronymus in seiner Revision der lateinischen Übersetzung, die zur Vulgata führte, obwohl er sich vieler alexandrinischer Handschriften bediente, gleichzeitig auch versuchte, der alt-lateinischen Lesart treu zu bleiben. [30] Jemand würde aufgrund dieser Information erwarten, verbunden mit Hieronymus’ eindeutiger Aussage über die Verfälschung hinsichtlich der Entfernung des Commas aus den griechischen Handschriften zu seiner Zeit, dass es die alt-lateinische Lesart war, die zur vollen Aufnahme von 1.Johannes 5,7 in seine Vulgata führte. Aber wenn wir auch keine unmittelbaren Abschriften der Vulgata aus dem Jahrhundert ihrer Anfertigung besitzen, können wir einfach aufgrund der oben erwähnten Aussage von Hieronymus (die seine Unterstützung für den Vers erkennen lässt) sowie sekundärer Zeugen verschiedener Werke, die 1.Johannes 5,7-8 zitieren und die wahrscheinlich während dieses »fehlenden« Jahrhunderts [31] die lateinische Vulgata benutzten, davon ausgehen, dass die ursprüngliche Ausgabe seiner Vulgata das Comma enthielt. Unter den Auftritten, die das Comma bei den lateinischen Schriftstellern während diesem Zeitraum macht, sind Zitate von Vigilius Tapensis in seinem antiarianischen Werk Contra Varimadum (450), Victor Vitensis (430), die Synode von Karthago in ihrer Verurteilung der arianischen Häresie (484) und Fulgentius von Ruspe (527). [32] Das Comma wurde weiterhin von lateinischen Schriftsteller benutzt, die mit der Vulgata gearbeitet haben, bevor diese von Alkuin um etwa 800 für ungültig erklärt wurde, solche wie Cassiodorus (570) und Pseudo-Athanasius (6. Jahrhundert). Das Comma wurde in den Ordo Romanus aufgenommen, einem alten Ordensritus, der in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts in den römischen Kirchen eingerichtet wurde. Zu diesem Zeitpunkt war die Vulgata als offizielle Ausgabe des katholischen Glaubens allgemein akzeptiert und bezeugt eindeutig die Präsenz des Commas in der Vulgata von Hieronymus, so wie sie war, bis Alkuin sie revidierte.

Moderne Textkritiker werden behaupten, dass der Vers in Hieronymus’ ursprünglicher Vulgata nicht gefunden wurde, sondern später von frühmittelalterlichen Schriftstellern aus anderen lateinischen Versionen eingefügt wurde. Die Grundlage für diese Behauptung ist hauptsächlich die Tatsache, dass die früheste existierende Handschrift der Vulgata (Codex Fuldensis, 546) den Vers nicht enthält. Hieraus wird abgeleitet, dass das Comma in Hieronymus’ ursprünglicher Überarbeitung nicht existierte. Diese Art zu Denken ist völlig erstaunlich. Aufgrund einer einzigen Handschrift, die den Vers nicht enthält, zieht man eine Schlussfolgerung über den möglichen Inhalt von dutzend, hundert und vielleicht sogar tausend andere Vulgata-Handschriften, die vielleicht gleichzeitig mit Codex Fuldensis existieren könnten. Und die Schlussfolgerung ist, dass der Vers nicht in der Vulgata war, auch wenn Hieronymus selbst von dem Vers sagt, dass er von »untreuen Übersetzern« weggelassen wurde (dadurch anzeigend, dass er selbst dachte, dass der Vers echt war und dies wiederum auch im Griechischen). Was Codex Fuldensis betrifft, ist sie eine Handschrift von »offizieller« Art, die sich sehr eng an die Form von Hieronymus’ Revision hält. Codex Fuldensis enthält ebenso den vorher erwähnten Prolog, in dem Hieronymus sich über die Schreiber beklagt, die das Comma entfernen. Daher sehen wir hier den merkwürdigen Fall, in dem aus dem Text selbst das Comma entfernt wurde, während in der Einleitung davon die Rede ist, dass die Entfernung des Commas eine Textverfälschung ist. Dies bestätigt die Ansicht, dass Codex Fuldensis weit davon entfernt ist eine akkurate Handschrift zu sein, die »älter und dadurch besser« ist. In Wirklichkeit repräsentiert sie einen korrumpierten Text, aus dem das Comma entfernt wurde. Wir sollten abermals berücksichtigen, dass es schon vor dem Codex Fuldensis verschiedene Quellen gab, die wahrscheinlich die Vulgata benutzten und das Comma definitiv zitierten.

Wir sollten ebenso berücksichtigen, dass der Arianismus, nachdem er gegen Ende des 4. Jahrhunderts im Osten unterdrückt wurde, weiterhin ein bedeutender Faktor im lateinischen Westen war, nämlich in der Region, in der die Mehrheit der frühen Vulgata-Handschriften kopiert worden sind. Es wäre nicht überraschend, wenn dieser arianische Einfluss auf die Entfernung des Commas aus der Vulgata-Textlinie hinausliefe, die die Kodizes Fuldensis und Amiatinus hervorbrachten.

Nebenbei bemerkt, die Behauptung wurde von einem frühen Textkritiker im 17. Jahrhundert gemacht, dass Hieronymus’ Prolog eine Fälschung aus dem Mittelalter war, die hinzugefügt wurde, um dem Comma einen »glaubwürdigen« Zeugen zu verschaffen, basierend auf dem guten Ruf von Hieronymus. Die Entdeckung in den 1880-er Jahren, die zeigt, dass der Prolog schon als Teil von Codex Fuldensis (546) existierte, zerstörte die Glaubwürdigkeit dieser Behauptung. Dennoch versuchen weniger fachkundige Befürworter der Textkritik weiterhin, diese Behauptung zu verbreiten, der Prolog sei eine Fälschung. Die Stellungnahme von Hieronymus in dem Prolog stellt mit höchster Wahrscheinlichkeit das ältere Zeugnis dar und Codex Fuldensis ist nur eine weitere arianische Fälschung, in der das Comma entfernt wurde, in der der Kopist es schlicht vergaß Hieronymus’ Stellungnahme in dem Prolog zu »korrigieren« und dadurch für Disharmonie zwischen dem Prolog und dem Text sorgte. Außerdem sollten wir erkennen, dass die lateinischen Autoren wie Cassiodorus und Fulgentius (beide bezeugen Anfang bis Mitte des 6. Jahrhunderts unbestreitbar das Comma) die Authentizität des Prologes umfangreich bezeugten, da sie ganz deutlich Vulgata-Bibeln verwendeten, die das Comma enthielten, und dies exakt zur gleichen Zeit als Codex Fuldensis abgeschrieben wurde und zwar mit dem Prolog.

Wir sollten darüber hinaus fragen, was mit all den lateinischen Quellen ist, die die Vulgata benutzten, die den Vers zwischen Hieronymus und der Niederschrift von Codex Fuldensis zitieren, solche wie Victor Vitensis und Fulgentius? Woher hatten sie den Vers? In der Tat, woher hatte die Synode von Karthago den Vers, ein offizielles Konzil der Kirche, die sehr wahrscheinlich Hieronymus’ lateinische Übersetzungen benutzt hat, um ihn als Beweis gegen die Arianer zu zitieren? Außerdem, wenn das Comma ein unberechtigter Zusatz zu dem Text war, weshalb protestierten die arianischen Widersacher der Synode von Karthago nicht gegen den Gebrauch eines Verses, der bekanntermaßen unecht sein soll oder erst kürzlich hinzugefügt wurde? Wenn der Vers erst vor kurzem als Fußnote am Rand einer Abschrift der Bibel auftauchte, die einem Irrlehrer (Priscillian) gehörte, denken wir dann wirklich, dass es wahrscheinlich ist, dass der Vers plötzlich als Text der Heiligen Schrift anerkannt und somit von mehreren Autoren und Kirchenkonzilen zitiert wird. Und all dies innerhalb weniger Generationen nach dessen vermeintlicher Einführung? Die mangelnde Logik, die hinter den Annahmen der Textkritiker steckt, ist wirklich verblüffend.

In der Tat, von den 8000+ vorhandenen Vulgata-Handschriften, inklusive der vielen, die nicht so alt sind wie Codex Fuldensis, ist das Comma nur in wenigen nicht vorhanden. Selbst die naturalistischen Textkritiker geben zu, dass 49 von 50 Vulgata-Handschriften den Vers beinhalten. Wir sollten bemerken, dass der Vers im Text des Codex Wizanburgensis erscheint, einer Vulgata-Handschrift aus der Mitte des 8. Jahrhunderts. [33] Dies ist von Bedeutung, weil diese Handschrift nicht viel jünger ist als Codex Fuldensis, und mit Codex Amiatinus ungefähr zeitgleich ist, eine weitere frühe Vulgata-Handschrift, in der das Comma fehlt, die von Textkritikern dazu benutzt wird, um die Gegenwart des Commas in der Vulgata-Tradition zu einem frühen Zeitpunkt anzugreifen. Offensichtlich, die Gegenwart des Commas findet genauso alte Zeugen in der Vulgata, wie auch beim Fehlen des Commas.

Anderes Beweismaterial, das die Existenz des Commas in der alt-lateinischen Übersetzung bezeugt, findet sich in der Textüberlieferung der Waldenser. Der Ursprung der Waldenser ist ein Thema, das viel untersucht und über das viel gestritten wurde. Die Waldenser selbst bestanden auf einer weit zurückgehenden (sogar apostolischen) Abstammung. Mitchell berichtet über den Glauben, dass die Waldenser von den Christen aus Rom stammen, die durch die Verfolgungen von Nero aus der Stadt und in die Berge vertrieben worden sind. [34] Gilly berichtet von der Behauptung, die einige unter ihnen aufgestellt haben, dass sie von der ursprünglichen missionarischen Tätigkeit des Irenaeus in den subalpinen Regionen stammen, die heute das nördliche Italien und südöstliche Frankreich sind (allgemein bekannt als das Piemont). [35] Eine andere Überlieferung behauptet, die Waldenser stammen von einem Bischof namens Leo, der zur Zeit von Kaiser Konstantin und dem Papst Silvester I. (314-335) lebte. Leo, so heißt es, brach mit dem Papst wegen der wachsenden Säkularisierung des Christentums und Silvesters Gier und zog die Kirchen der Region Piemont mit sich. [36] Diese Behauptung wird auch von August Neander bestätigt. [37] Eine vierte Ansicht, die ebenso das extreme Alter der Waldenser bezeugt, wird von Faber selbst befürwortet. Faber hält fest, dass ein Diakon mit dem Namen Vigilantius zur Zeit des Hieronymus eine Sekte anführte, die die Verehrung der Heiligen und Märtyrer ablehnte und viele andere abergläubige Praktiken, die sich zu dieser Zeit in den Glauben eingeschlichen haben. Hieronymus griff diese besondere »Häresie« in seiner Hieronymus Adversus Vigilantius an und gibt uns einige geografische Anhaltspunkte über diese Sekte, die auch die Leonisten genannt wurde. Faber schreibt, dass Hieronymus diese Gruppe in Norditalien lokalisierte, »zwischen den Wellen der Adria und den Alpen von König Cottius«, [38] mit anderen Worten, das Piemont. Faber argumentiert dann für die Verbindung der Leonisten zu den Waldensern aus geografischen Gründen und aufgrund der Tatsache, dass Hieronymus den Geburtsort von Vigilantius identifiziert, nämlich eine Stadt in der Nähe der Pyrenäen mit dem Namen Lugdunum Convenarum [39] (heute Saint-Bertrand-de-Comminges), auch Lyon genannt, woher auch der Name »Leonisten« kommt. Wir sollten festhalten, dass Fabers umständlicher Ansatz nicht notwendig ist, Vigilantius auf der Grundlage seiner Herkunft als Leonisten darzustellen. Wenn weniger als 75 Jahre nach seiner Zeit (Vigilantius schrieb seine Abhandlung gegen die Aberglauben um 406) immer noch Nachfolger von Leo existierten, dann war Vigilantius höchstwahrscheinlich ein Mitglied dieser Sekte oder stand gedanklich in enger Verbindung mit ihr, so dass Hieronymus ihn in Verbindung mit ihr bringt.

Keine dieser Vorschläge schließt sich zwangsläufig gegenseitig aus. Dass die Christen in Rom während der neronischen Christenverfolgung in die Berge flohen, ist auf jeden Fall sowohl logisch als auch geografisch erklärbar. Ebenso könnte auch Languedoc, ein anderer Teil des Piemont, das Ziel missionarischer Bemühungen von Irenaeus, dem Bischof von Lyon, gewesen sein. Ebenso waren die Leonisten, so wie sie genannt wurden, höchstwahrscheinlich die Gruppe, die im 4. und 5. Jahrhundert gegen die Korruptionen im Glauben protestierte. Es könnte hier in Wirklichkeit auch eine Vermischung zwischen Überresten und örtlichen Körperschaften dieser verschiedenen Gruppen stattgefunden haben in den frühen Jahrhunderten. Was auch immer der Ursprung der Waldenser ist, durch die ganze europäische Geschichte hindurch waren sich fast alle gleichermaßen sicher, dass sie eine äußerst alte Sekte darstellten. Die römisch-katholischen Inquisitoren im Mittelalter bezeugten ihr Antiquität; Menschen, von denen man normalerweise erwarten würde zu behaupten, dass die Lehren und der Glauben der Waldenser neu wären, um sie dadurch noch einfacher unterdrücken zu können. Der österreichische Inquisitor der Diözese von Passau um 1260 betrachtete die verschiedenen Ansichten im Bezug auf ihre Antiquität und scheint dem Anspruch der waldensischen Gruppen auf das hohe Alter recht zu geben. [40] Er bezeichnet sie auch als »Leonisten« und bestätigt, dass die Verbindung zwischen diesen beiden Gruppen über Fabers umständlichen Ansatz hinausgeht. Ebenso zeigt der Inquisitor Reinerius (um 1250) auf die allgemeine Auffassung, dass die Leonisten eine Sekte waren, die viel älter als die Manichäer oder Arianer waren (so dass sie mindestens ins 4. Jahrhundert eingeordnet werden), und dass auch gesagt wurde, dass sie schon »seit Urzeiten« existierten. [41]

Die Ansicht hinsichtlich der Antiquität der Waldenser hat auch seinen Widerstand. Neff und Bender zum Beispiel sagen:

»Die verlockende und romantische Theorie der apostolischen Nachfolge von den Aposteln bis zu den Anabaptisten durch sukzessive alte evangelikale Gruppen, ist weit verbreitet unter den Mennoniten und Baptisten, die die Notwendigkeit einer solchen apostolischen Nachfolge verspüren, daher nehmen sie als letztes Verbindungsstück vor den Anabaptisten immer die Waldenser. Dies hat…keine wirkliche Grundlage.« [42]

Andere Autoren wiederholen diese Art von Ansicht und nehmen stattdessen an, dass der Name und die Lehre der Waldenser von Petrus Valdes herrührt, einem wohlhabenden Lyoner Kaufmann, der sich um ca. 1170 von seinem Wohlstand lossagte und den Weg der Armut und der Demut predigte. [43] Während diese Ansicht für jene attraktiv ist, die nicht akzeptieren wollen, dass die Waldenser so extrem alt sind, so erklärt sie nicht, wie die Inquisitoren zur allgemeinen Auffassung kamen, dass die Waldenser so alt sind, sogar noch älter als die Arianer, und »seit Urzeiten« existierten (ein Ausdruck, der sich kaum auf eine Gruppe beziehen kann, die erst seit 80 Jahre existieren soll). Es muss festgehalten werden, die meiste Literatur von Gelehrten über das Thema der Waldenser stammt entweder von Katholiken oder von solchen, die liberal sind, und jene, die in Sachen Theologie Kompromisse eingehen. Daher sind diese besonders vorbelastet die Ansicht abzulehnen, die Waldenser wären alt. Wir haben jedoch bereits gesehen, dass Zeitgenossen der Waldenser zur Zeit der Inquisitionen die allgemeine Auffassung vertraten, dass die Waldenser eine sehr alte Sekte gewesen sind, so dass es nicht zu dem weit verbreiteten Zeugnis hätte kommen können, wenn diese erst vor kurzer Zeit als bestimmte Gruppe ins Leben gerufen sein soll. Über die Waldenser bekannten darüber hinaus viele, selbst jene, die man zu den feindlich gesinnten Zeugen zählt, ohne Weiteres das reine und aufrichtige Leben, das die »Häretiker« führten. Es ist unwahrscheinlich, dass ein Volk, das für seine Frömmigkeit und Aufrichtigkeit so berühmt ist, darin verstrickt sein soll, seine uralte Abstammung zu erfinden, um andere massiv zu täuschen.

Zudem wurden sprachwissenschaftliche Beweise unter den Waldensern festgehalten, die dabei helfen, das hohe Alter ihrer Gruppen zu bestätigen. Raynouard hat vielleicht am meisten zu sagen, da er die meisten seiner Studien der frühen Sprache der Waldenser gewidmet hat, die in dem sehr altertümlichen Nobilis Lectionis wiedergegeben wird, einem theologischen Text der Waldenser aus dem Jahr 1100. Dort steht:

»Une langue Romane primitive, idiome intermédiare entre la décomposition de la langue des Romaines et l’établissement d’une nouveau système grammatical: circonstance, qui atteste la haute antiquité de cet idiome dans le pays que ce peuple habitait.

Eine primitive romanische Sprache, eine Mundart zwischen der Sprache der Römer und der Gründung eines neuen grammatikalischen Systems: genauer gesagt bestätigt dies das hohe Alter der Mundart dieser Menschen, die in dem Land wohnen.« [44]

Isoliert in den Tälern des Piemont und Languedoc ist die Sprache der Waldenser auf Latein zurückzuführen, das seit den Tagen der Römer dominierte. Sie hat sich nicht genug weiterentwickelt und blieb so eine Mischung aus Alt-Latein und neuen Mundarten. Wir sehen diese Zwischensprache im Einsatz zum Beispiel in Dokumenten, welche die Straßburger Eide enthalten, eine Abhandlung aus dem Jahr 842, welche die Trennung des fränkischen Reiches von Karl dem Großen in drei Reiche bezeugte (ein Reich für jeden seiner Söhne). Owen stellt fest, dass die Abhandlung in drei Sprachen verfasst wurde – Latein, Fränkisch (in den östlichen Teilen des Reiches verwendet, ungefähr das heutige Deutschland) und die lingua romana, wie sie in westlichen Teilen gesprochen wurde, [45] ungefähr das heutige Frankreich, Savoy und das Piemont, die eine Zwischensprache zwischen Latein und dem Alt-Französisch ist und allmählich im 12. Jahrhundert entstand. Owen stellt ebenso fest, dass der Grund für die lingua romana in den westlichen Teilen des Reiches der war, dass sich die fränkischen Invasoren mit der dortigen Bevölkerung vermischt haben und allmählich in der überwiegend Lateinisch sprechenden Bevölkerung untertauchten. Die Franken begannen ihre Invasion von Gallien im späten 4. Jahrhundert und vollendeten die Eroberung der ganzen Region zu Beginn des 6. Jahrhunderts. Demnach scheint der sprachwissenschaftliche Beweis darauf zu deuten, dass die Sprache der Einwohner der waldensischen Gebiete, wie ihre alten schriftlichen Aufzeichnungen das demonstrieren, von einer Quelle stammt, die älter ist als das Jahr 1170, welches von katholischen Gelehrten als Datum für den Anfang der waldensischen Sekte angegeben wird. Stattdessen sind die Waldenser völlig durchdrungen mit einer sprachlichen Tradition, die um Jahrhunderte älter ist als die Zeit von Petrus Valdes.

In der Tat, diese Schwerfälligkeit zur Anpassung wird auch in der Tatsache deutlich, dass die Waldenser, im Gegensatz zur Innovation von Hieronymus’ Vulgata, den Gebrauch des alt-lateinischen Textes beibehielten. Unter den Waldensern war die alt-lateinische Übersetzung (oder »Italick«) der Text, den sie jahrhundertelang für ihre Liturgie und Gottesdienste benutzen. [46] Jacobus unterstützt diese These, die besagt, die alt-lateinische Übersetzung war mehr als 900 Jahre lang der Text der Waldenser und anderer Christen im Westen, die zu verschiedenen Zeiten außerhalb des römisch-katholischen Glaubens lebten. [47] Wenn wir uns zu dem Glauben rückbesinnen, dass zumindest einige von den Waldensern auf die missionarische Tätigkeit von Irenaeus zurückgehen, stellen wir fest, dass es dafür sogar einige Indizien gibt, die das untermauern. Die Schriften des Irenaeus (in griechisch verfasst) sind bekannt für ihre Vorliebe für die alt-lateinischen Lesarten (Italick) gegenüber denen, die in der griechischen Überlieferung erscheinen. [48] Das legt nahe, dass Irenaeus, der höchstwahrscheinlich Latein in seinen täglichen Diensten verwendete (da Gallien eine lateinisierte Provinz war), vertraut damit war und die alt-lateinische Übersetzung verwendete, wahrscheinlich sogar die Italick. Nolan bestätigt ebenso zum einen die Antiquität der »Italick« Übersetzung, die vermutlich von Irenaeus benutzt und später den Kirchenvätern von Piemont und Südgallien weitergegeben wurde, und zum anderen ihre Absonderung von der späteren lateinischen Vulgata, die aus der abtrünnigen Kirche von Rom hervorgebracht wurde:

»Der Autor erkennt, ohne große Nachforschung, dass sie ihre Namen genau von der Diözese ableitet, die Italick genannt wurde, um sich von der römischen abzugrenzen. Dies ist eine Vermutung, die ausreichend Bestätigung von der Tatsache erhält, dass die wesentlichen Abschriften dieser Version in dieser Diözese aufbewahrt wurden, der hauptstädtischen Kirche, die sich in Mailand befand. Der Sachverhalt wird hier erwähnt, weil der Autor jetzt die Hoffnung hat, dass man einige Überreste dieser primitiven Italick in den frühen Übersetzungen der Waldenser findet, die direkte Nachfahren der Italick Kirche sind, die sich zur Unabhängigkeit von den widerrechtlichen Aneignungen der Kirche in Rom durchgesetzt haben und den freien Gebrauch der Heiligen Schrift genossen.

Der Autor wurde aufgrund dieser Hinweise zu einer Untersuchung veranlasst, die seine sehnlichsten Erwartungen vollkommen übertroffen hat. Sie lieferte ihm zahlreiche Beweise hinsichtlich des Punktes, um den es bei seiner Nachforschung ging. Sie lieferte ihm das eindeutige Zeugnis eines wirklich apostolischen Zweiges der Urkirche, dass der berühmte Text über die himmlischen Zeugen (1.Johannes 5,7) genau in der Übersetzung übernommen wurde, die sich in der lateinischen Kirche noch vor der Einführung der modernen Vulgata durchsetzte.« [49]

Die Übersetzung der Waldenser und ihre Handschriften bezeugen einheitlich die Existenz des Comma Johanneum überall in ihrer alt-lateinischen Textüberlieferung und das vollkommen abseits (und in bewusstem Widerspruch zu) der Überlieferung der lateinischen Vulgata des römischen Katholizismus. Wir sollten an dieser Stelle ebenso erkennen, dass die von den Waldensern benutzte alt-lateinische Übersetzung auch vor der verwüsteten Übersetzung der Arianer verschont blieb, so dass erklärt werden kann, weshalb das Zeugnis des Commas in den waldensischen Quellen so weitverbreitet ist, ungeachtet seines Fehlens in denen »älteren und besseren« Vulgata-Kodize, Codex Fuldensis und Codex Amiatinus.

Unterschiedliche mittelalterliche Texte des Neuen Testamentes, die auf dem Alt-Latein basierten, enthalten das Comma. Einer dieser Texte ist Codex Teplensis, eine mittelhochdeutsche Sammlung aus dem späten 14. Jahrhundert. [50] Das Comma erscheint in der Übersetzung des von den Waldensern benutzten apostolischen Glaubensbekenntnis im 12. Jahrhundert. Die Augsburger Bibelhandschrift (ca. 1350), die das älteste vollständige Neue Testament in mittelhochdeutsch darstellt, enthält das Comma und ist darin ungewöhnlich, weil es in Vers 7 »Sohn oder das Wort« heißt. [51]

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Eine Seite aus dem Codex Teplensis.

Obwohl immer wieder behauptet wird, das Comma »fehlt in der syrischen Überlieferung«, ist der syrische Beweis bislang nicht eindeutig, soweit das die Handschriften selbst angeht. Es ist sehr irreführend zu behaupten, dass die Zeugen dieser Überlieferung das Comma überhaupt nicht kennen. Die syrischen Handschriften, die man bisher studiert und zusammengetragen hat (auf der diese Behauptung im Grunde basiert), bilden einen sehr geringen Teil der Zeugen, die für diese Übersetzung zur Verfügung stehen. Die Behauptung ruht auf insgesamt fünf Sammlungen, [52] mit jeweils nur einer Handvoll Handschriften, so dass wir auf höchstens 12 verwendete Handschriften kommen. Das ist keineswegs eine sehr gründliche Aufarbeitung von hunderten zur Verfügung stehenden syrischen Handschriften, von denen die meisten noch gar nicht im Detail untersucht wurden und über deren Untersuchung bisher keine veröffentlichten Ergebnisse zur Verfügung stehen. Somit muss der Beweis durch die syrische Übersetzung als nicht beweiskräftig betrachtet werden, bis die ganze Fülle des Beweismaterials untersucht wurde.

Selbst angesichts dessen, was wir bis jetzt von den syrischen Texten gesehen haben, können wir erkennen, dass die Behauptung, das Comma »fehlt in der syrischen Überlieferung«, zumindest in Frage gestellt wird auf der Grundlage der existierenden Handschriften. Es gibt Beweise, dass das Comma in syrischen Lesarten auftaucht, und dass Jakob von Edessa, ein syrischer Gelehrter und christlicher Theologe, sich auf das Comma bezieht um ca. 700. [53] Aegidius Gutbiers syrische Ausgabe von 1664, die auf der Sammlung von zwei syrischen Handschriften basierte, enthält das Comma.

Zusätzlich gibt es Beweise durch die armenische Übersetzung, dass dieser Vers entweder in einem syrischen Text gefunden wurde, der im frühen 5. Jahrhundert von Sahak Parthev (auch Isaak der Große genannt, dem Katholikos von Armenien) für die Übersetzung benutzt wurde, oder in einem griechischen Text, der dazu benutzt wurde, um die armenische Übersetzung durch das Konzil von Ephesus in 431 überprüfen und bestätigen zu lassen. Das Comma wurde 1307 in der armenischen Synode von Sis zitiert, was ein positiver Hinweis darauf ist, dass zu diesem Zeitpunkt das Comma bereits in der armenischen Übersetzung existierte.

Einige behaupten, die armenische Übersetzung sei vom armenischen König Haitho II. (regierte 1224-1270) anhand der Vulgata überarbeitet worden, aber diese Behauptung ruht hauptsächlich auf der Tatsache, dass die Synode von Sis das Comma zitiert. Somit basiert diese Behauptung auf einem Zirkelschluss und muss deswegen abgelehnt werden. Während es Auseinandersetzungen zwischen den Kreuzrittern und den Armeniern im kilikischen Armenien gab, gibt es tatsächlich keine Beweise, dass die armenische Übersetzung überarbeitet wurde, um der lateinischen Vulgata zu entsprechen. Ja, wenn wirklich eine Bearbeitung des armenischen Textes während dieser Zeit stattgefunden haben soll, dann durch Nerses von Lambron, von dem geglaubt wird, er habe das armenische Neue Testament mittels des Griechischen, das die Orthodoxe Kirche während dem 12. Jahrhundert verwendete, überarbeitet (nicht anhand der lateinischen Vulgata). Jedoch ist keineswegs sicher, dass Nerses tatsächlich eine solche Überarbeitung durchgeführt hat. Selbst wenn er es tat, und die Überarbeitung in der Aufnahme des Commas zu dieser Zeit resultierte (wieder eine hypothetische Annahme, die nicht durch Beweise nachgewiesen werden kann), würde das bedeuten, dass das Comma in den griechischen Zeugen weitaus älter ist, als moderne Textkritiker das behaupten. [54]

Jedenfalls enthielt die erste gedruckte armenische Übersetzung von 1666, auf Geheiß von Bischof Uscan angefertigt, das Comma, und die neueste Version des UBS Textes gibt zu, dass das Comma in einigen armenischen Handschriften auffindbar ist. Die erste gedruckte georgische Übersetzung von 1743 (in Moskau) enthielt ebenso das Comma. Diese Ausgabe basierte auf »georgischen Handschriften, die eine ältere Lesart widerspiegeln« [55], die nahelegen, dass das Comma auch in älteren armenischen Quellen existierte.

Es muss ebenso erkannt werden, die Befürworter der Textkritik zitieren immer wieder die gotische Übersetzung des Neuen Testamentes als frühe Version, in der das Comma fehlt. Diese Aussage ist wahr – aber ebenso auch trügerisch. Die einzigen noch existierenden Zeugen für das gotische Neuen Testament sind die Wulfilabibel, Codex Argenteus, Kodize Ambrosius A-E, Codex Carolinus, Codex Gissensis und das Fragmenta Pannonica. Die Wulfilabibel enthält nur die Evangelien und die paulinischen Briefe wie auch ein paar »Skeireins« (gotisch biblische Kommentare) zu diesen Abschnitten. Codex Argenteus enthält Teile der vier Evangelien, während die Kodize Ambrosius Teile der Evangelien und die Briefe enthalten (aber nicht 1.Johannes 5) wie auch verschiedene Skeireins (wieder keine über 1.Johannes 5). Codex Carolinus enthält Römer 11-14 und Codex Gissensis enthält Fragmente von Lukas 23-24. Außerdem wird auch Codex Vaticanus Latinus 5750 aufgelistet, obwohl es nur Skeireins für die Evangelien enthält. Von keinen dieser Handschriften ist bekannt, dass sie 1.Johannes 5 enthalten, daher ist das Fehlen des Comma Johanneum in dieser Übersetzung im technischen Sinne sehr einleuchtend. Dies jedoch ist kein Beweis, dass das Comma ursprünglich fehlte, als diese Übersetzung angefertigt wurde. Gegenwärtig ist es so oder so unmöglich über den Sachverhalt zu sprechen, basierend auf den Beweisen, die wir derzeit besitzen.

Der Beweis durch patristische Schriftsteller

Eine weitere Anklage, die gegen die Authentizität des Comma Johanneum erhoben wird, ist, dass das Comma von frühen patristischen Schriftstellern der Kirche nicht verwendet wurde, sondern erst später eine Rolle spielte. Das wird für gewöhnlich an die Behauptung gekoppelt, das Comma wurde von einem leichtsinnigen Schriftgelehrten oder »orthodoxen« Schriftsteller hinzugefügt, um das trinitare Zeugnis der Bibel zu stärken. Und in 1.Johannes 5 fand man die beste Stelle, um dies zu vollbringen. Typisch für die Art von Behauptung, die Liberale, naturalistische Kritiker und ihre Verbündete in der textkritischen Bewegung gerne aufstellen, ist folgendes Zitat:

»Die Erwähnung des dreifachen Zeugnis lies die christlichen Studenten an die drei Personen der Trinität denken. Irgendwann im 4. oder Ende des 3. Jahrhunderts formte ein spanischer Christ wahrscheinlich, der Latein beherrschte, einen passenden Satz: »Denn drei sind es, die Zeugnis ablegen im Himmel, der Vater, das Wort und der Heilige Geist, und diese drei sind eins.« Vielleicht schrieb er es an den Rand seiner Kopie von 1.Johannes und spätere Kopisten dachten, es gehört zum Text. Jedenfalls werden diese Worte als Teil der lateinischen Bibel seit ca. 380 in Spanien zitiert, wobei in Vers 8 »auf der Erde« hinzugefügt wurde, um den Einschub zu glätten. Die »Randglosse« (so wurden diese Einschübe genannt) verbreitete sich und wurde so gängig im Latein sprechenden Christentum, dass es in Griechisch übersetzt und einigen späten griechischen Handschriften hinzugefügt wurde. So fand sie ihren Weg in die gedruckten Ausgaben und so in die ersten englischen Bibeln. Die RV und die ASV lassen sie mit Recht ganz aus, weil sie keinen Anspruch haben, als Wörter von Johannes betrachtet zu werden.« [56]

Das Comma rutschte also in Folge der Glossierung einer Studiennotiz durch einen leichtsinnigen Schriftgelehrten einfach so in die Bibel? Diese These basiert natürlich auf bloßer Vermutung, ohne irgendeine sachliche Grundlage. Außerdem ist die Behauptung über das [erstmalige] Erscheinen des Commas in der lateinischen Bibel um ca. 380 vollkommen falsch, aus Gründen, die wir später sehen werden.

Ich glaube jedoch, dass es an dieser Stelle angebracht ist, einen weiteren Mythos über die Geschichte des Comma anzugehen, einen Mythos, der von Befürwortern der Textkritik weiterhin verbreitet wird (inklusive der oben zitierten), obwohl dieser bereits seit über einhundert Jahren entschieden widerlegt wurde. Dieser Mythos handelt von der vermeintlichen Insertion des Commas in den Bibeltext durch einen häretischen spanischen Bischof namens Priscillian, der den Vers in seiner Liber Apologeticus um 380 zitiert. Diese These wurde systematisch von Karl Künstle aufgestellt in seiner Monografie mit dem Titel Das Comma Johanneum auf seine Herkunft untersucht, in der er zeigen wollte, dass das Comma zuerst in Priscillians Schriften auftauchte, um seine den Sabellianern ähnelnde Auffassung von der Trinität zu stützen. [57] Es war zu erwarten, dass die damalige kritische Wissenschaft über den Artikel von Künstle jubelte. Daraufhin erklärten sie, dass die Debatte hiermit ein für alle Mal beendet ist. [58]

Doch Künstles Theorie wurde bereits kurz nach ihrer Veröffentlichung widerlegt. Im Jahr 1909 verwies Ernest Charles Babut (und andere Kritiker von Künstles Behauptungen) auf grundlegende und fundamentale Probleme in Künstles Argumenten, die wiederum die Theorie über die »priscillianische Urheberschaft« des Commas in den Mülleimer verbannte. [59] Das Hauptproblem in Künstles Argumenten ist, dass es niemandem damals, nicht einmal Priscillians Todfeinden (und das ist buchstäblich gemeint, denn er wurde möglicherweise für seine Irrlehre hingerichtet), in den Sinn kam, ihn dafür anzuklagen, dass er dem Text aus 1.Johannes etwas hinzugefügt hat. Außerdem hätte ein orthodoxer katholischer Schriftsteller unter keinen Umständen jemals von der angeblichen Interpolation eines Irrlehrers Gebrauch gemacht, vor allem dann nicht, wenn dieser das Comma einfügte, um eine Version des Sabellianismus zu stützen. Dennoch machten viele wirklich orthodoxe Schriftsteller im 5. Jahrhundert und später immer wieder Gebrauch von dem Comma in ihren Schriften, ohne Hinweis auf einen angeblich häretischen Ursprung, sogar während der Jahrhunderte, in denen Priscillians Irrlehre weiterhin den spanisch-katholischen Obrigkeiten Kopfschmerzen bereitete.

Einfach gesagt, von Künstles Thesen mal abgesehen, merkte damals scheinbar niemand, dass Priscillian der Bibel beinahe zwei komplette Verse hinzufügte, die zu einer umstrittenen Lehre gehören. Es ergibt keinen Sinn zu glauben, dass Priscillians Feinde die falschen Verse, die er hinzugefügt haben soll, sofort akzeptieren und sie dann in ihren eigenen Kirchenräten und Schriften verwenden. Es ist viel vernünftiger einfach zu akzeptieren, dass Priscillian und die orthodoxen Schriftsteller der damaligen Zeit alle das Comma in ihren Bibeln hatten.

So können wir sehen, dass Priscillian tatsächlich nicht der Urheber des Comma Johanneum war. Stimmt es jedoch, dass das Comma vor Priscillian von niemanden verwendet wurde, wie das die Befürworter der Textkritik behaupten? Eine Untersuchung der Beweise von patristischen Autoren der frühen Kirche widerlegt diese Behauptung, die gegen das Comma gerichtet ist.

Wir beginnen mit Athenagoras, einem griechischen Schriftsteller aus dem 2. Jahrhundert (ca. 177). In seiner Legatio pro Christianis wendet sich Athenagoras an zwei römische Kaiser, Mark Aurel und Commodus, und verlangt von ihnen Christen innerhalb des römischen Reiches zu tolerieren. Als Teil seiner Bemühung legt er verschiedene zentrale Punkte ihrer Lehren dar, darunter auch die Auffassung von Gott als Trinität, die aus Gott dem Vater, Gott dem Sohn, und Gott dem Heiligen Geist besteht. Obwohl Athenagoras das Comma nicht direkt zitiert, scheint seine Ausdrucksweise allerdings die Kenntnis und den Gebrauch des Verses, die Trinität zu erklären, widerzuspiegeln. Indem er die genaue Beziehung zwischen dem Sohn und dem Vater erklärt, sagt Athenagoras:

»Halte es doch ja niemand für lächerlich, dass Gott einen Sohn habe! Denn unsere Gedanken über Gott, den Vater oder den Sohn, weichen gar sehr von den Mythen der Dichter ab, die die Götter nicht im mindesten besser sein lassen als die Menschen. Aber der Sohn Gottes ist das Logos des Vaters, in Gedanke und in Kraft, denn nach Ihm und durch Ihn ist alles gemacht, und Vater und Sohn sind eins. Da durch die Einheit und Kraft des Geistes der Sohn im Vater und der Vater im Sohn ist, so ist der Sohn Gottes der Sinn und der Logos des Vaters.« [60]

Sein Gebrauch des Ausdruckes Logos (das Wort), um den Sohn zu beschreiben, ist allein eine johanninische Darstellung von Jesus Christus. Ebenso ist es auch die Darstellung von Vater und Sohn als Einheit (Johannes 10,30; 17,11.22). Während Johannes 10,30 eine eindeutige Passage ist, die die Einheit zwischen dem Vater und dem Sohn veranschaulicht, spricht sie jedoch nicht über die Trinität. Athenagorus fährt jedoch damit fort die Sache zu verdeutlichen:

»Auch machen wir geltend, dass der Heilige Geist, der in den Propheten wirkt, ein Ausfluss Gottes ist, ausströmend und zurückkehrend wie die Strahlen der Sonne. Wer würde da nicht überrascht sein von Männern zu hören, Gottesleugner genannt, die von Gott dem Vater, von Gott dem Sohn und von dem Heiligen Geist sprechen und verkünden, dass sie eins in ihrer Macht und unterschiedlich in ihrem Rang sind?« [61]

Demzufolge verbindet Athenagoras den Vater, den Sohn (zuvor bezeichnet als den »Logos«, das Wort) und den Heiligen Geist, und verdeutlicht ihre Einheit und ihren Unterschied im Rang. Die einzige Stelle in der Schrift, in der diese zwei Punkte so nebeneinandergestellt werden, ist 1.Johannes 5,7. Dass Athenagoras wahrscheinlich das Comma im Sinn hatte, wird durch seine vorherige Verwendung des Ausdrucks »Logos« deutlich, der in Johannes 10,30 nicht verwendet wird und kann daher nicht als Ursprung für den Ausdruck im Zusammenhang mit der Einheit des Sohnes und des Vaters gelten. Außerdem sollten wir festhalten, dass die Entwicklung komplizierter Definitionen der Trinität, die auf die Unterscheidung der Personen in ihrem hervorgehenden Rang beruhen, nicht auf Athenagoras zurückzuführen sind, denn diese präzisen Definitionen und Diskussionen entstanden erst viel später. Wenn Athenagoras beschreibt, wie sie »eins in ihrer Macht und unterschiedlich in ihrem Rang« sind, wäre die logischste Schlussfolgerung die, dass er 1.Johannes 5,7 im Sinn hat (und nicht Augustinus oder Hilary).

Obwohl Athenagoras’ Verwendung nicht eindeutig ist, finden wir nun eine eindeutigere Verwendung des Commas bei Tertullian um ca. 200. In seinem apologetischen Werk Adversus Praxean. Im Bezug auf die Trinität sagt er:

»Somit gehen aus der Verbindung des Vaters in dem Sohn und des Sohnes in dem Parakleten drei kohärente Personen hervor, die dennoch voneinander unterscheidbar sind. Diese drei sind eins im Wesen und nicht eins in Person. »Ich und der Vater sind eins« heißt es, daher sind sie eins im Wesen und nicht ein und dieselbe Person.« [62]

Während Tertullian hier Johannes 10,30 zitiert, um seinen Punkt über die Wesenseinheit unter den Personen der Gottheit zu verdeutlichen, ähnelt sein Wortlaut hinsichtlich der drei Personen besonders dem Wortlaut, den man in 1.Johannes 5,7 findet. Er zitiert »diese drei sind« und verdeutlicht dann, dass sie »eins« sind in Substanz und Essenz, nicht in Person. Dies ist ganz klar ein Bezug auf das Comma. Es ist auch wichtig zu berücksichtigen, dass Adversus Praxean ein Werk ist, welches insbesondere dafür angefertigt wurde, um die Lehre der Trinität zu erklären und sie gegen den Sabellianismus zu verteidigen. Aus diesem Grund unternimmt Tertullian die größten Anstrengungen, um zu zeigen, dass die Einheit sich auf das Wesen bezieht und nicht auf die Person. Die Tatsache, dass das Comma fast eineinhalb Jahrhunderte vor den trinitarischen Kontroversen (während des sogenannten Schweigens der Kirchenväter über diesen Vers, so als ob sie den Vers nicht kannten) verwendet wurde, um die Lehre der Trinität zu verteidigen, ist bemerkenswert, denn es zeigt sich, dass das Comma sehr wohl Zeugen findet und dass es gerade wegen der Thematik herangezogen wurde.

Manche argumentieren natürlich, dass Tertullian gar nicht über 1.Johannes 5,7 spricht, denn wäre das der Fall, würde dies ja einen Haufen textkritischer Annahmen über das Comma umstürzen. Souter zum Beispiel ist der Meinung, dass sich Tertullians Aussage auf 1.Johannes 5,8 bezieht und die Einheit die der drei irdischen Zeugen ist. [63] Jedoch scheint dieses Argument kaum plausibel zu sein, denn wir sehen, dass zumindest zwei der drei irdischen Zeugen (das Wasser und das Blut) keine Personen sind und daher konnte Tertullian sich nicht darauf bezogen haben, als er sagte, dass aus der Verbindung der Zeugen drei kohärente Personen hervorgehen. Außerdem sagt die Schrift nicht, dass die drei irdischen Zeugen eins sind, sondern sie stimmen überein, so dass diese Vorstellung erhebliche Zweifel aufwirft, dass sie die drei sein könnten, über die Tertullian schreibt, dass sie eins im Wesen wären. Die weitaus logischere Haltung wäre einfach zu akzeptieren, dass sich Tertullians Aussage mit hoher Wahrscheinlichkeit auf das Comma bezieht.

Tertullian
Tertullian von Karthago (ca. 160 – 220).

Es hat einen Grund, weshalb die Befürworter der Textkritik sich weigern zuzugeben, dass sich Tertullians Formulierung tatsächlich auf 1.Johannes 5,7 bezieht. In dem Moment, wo sie dem zustimmen, würden sie die prekäre Grundlage zerstören, auf der sie ihre Theorien von der »Einführung des Commas in den Text« aufgebaut haben. Wir halten uns vor Augen, dass ihr Hauptargument folgendes ist: das Comma soll zur Zeit Priscillians um etwa 380 entstanden sein. Und obwohl diese offensichtlich falsche Behauptung schon vor einhundert Jahren widerlegt wurde, behaupten noch immer viele ohne Rücksicht auf diese Tatsache, dass Priscillian die Quelle des Commas ist. Und wenn man jetzt einen patristischen Schriftsteller aus dem Jahr 200 findet, der das Comma erwähnt, würde genau diese Behauptung der Textkritik vollkommen auf den Kopf gestellt werden (so wie beim nächsten Zitat von Cyprian). Darüber hinaus versetzt Tertullians Bezug auf das Comma der Behauptung, dass dieser Vers ursprünglich nicht in der alt-lateinischen Übersetzung existierte, einen schweren Schlag. Tertullian hatte vermutlich Zugang zu den alt-lateinischen Handschriften, die damals in Nordafrika veröffentlich wurden. Überdies ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Handschriften zu seiner Zeit verfälscht wurden, viel geringer als es später der Fall gewesen wäre (sie existierten schätzungsweise seit 30 Jahren), denn Augustinus sprach von »vielen lateinischen Texten«. Dass sich Tertullian auf das Comma bezieht, macht deutlich, dass es bereits in der sehr frühen alt-lateinischen Überlieferung existierte, und nicht nur in der europäischen oder italienischen, sondern auch in der afrikanischen Überlieferung. Was diente nochmal als Grundlage für die alt-lateinische Übersetzung? Griechische Handschriften. Gelehrte debattieren darüber, ob Tertullian eine alt-lateinische Handschrift verwendete oder ob er lediglich das Griechische gelesen hatte und es direkt ins Latein übersetzte. So oder so sollten wir sehen, dass das Zeugnis für das Comma bis ins Griechisch des späten 2. Jahrhunderts zurückreicht (entweder durch direktes Lesen oder durch Übersetzung). Diese Zeitspanne ist ebenso noch vor den sogenannten trinitarischen Kontroversen, so dass man nicht länger behaupten kann, die Kirchenväter hätten das Comma als Interpolation hinzugefügt. So wird an dieser Stelle die Authentizität dieser Lesart vergrößert. Die modernistische Textkritik kann dem hier einfach nicht zustimmen und ist gezwungen weiterhin das Hirngespinst zu verbreiten, dass »Tertullian den Vers wahrscheinlich nicht zitiert hat«, obwohl jeder mit offenen Augen sowohl in Deutsch oder in Latein sehen kann, dass er es sehr wahrscheinlich zitierte.

Der nächste Zeuge für das Comma ist Cyprian, ein weiterer nordafrikanischer Bischof, der das Comma um etwa 250 ausdrücklich zitiert. Er schreibt:

»Wer den Frieden und die Eintracht Christi bricht, der handelt wider Christus; wer anderswo, außerhalb der Kirche sammelt, der zerstreut die Kirche Christi. Der Herr sagt: „Ich und der Vater sind eins” und ebenso steht geschrieben über den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist: „Und diese drei sind eins”.« [64]

Dies ist ein eindeutiges Zitat von 1.Johannes 5,7 und seine Sprache zeigt hervorragend, dass das Comma schon 130 Jahre zuvor existierte, bevor Priscillian es zitiert. Die Kritiker, die die Realität dieses Zitates des Commas in Frage stellen wollen, offenbaren an dieser Stelle, dass ihre Neigung gegen das Comma ihre Fähigkeit zur Vernunft kontrolliert. Cyprian bezieht sich ebenso auf das Comma in einen seiner persönlichen Briefen. Einige haben aufgrund (eines afrikanischen Bischofs aus dem 6. Jahrhundert) Facundus argumentiert, dass sich Cyprian auf Vers 8 in dieser Passage bezieht. Das ergibt aber keinen Sinn, denn Cyprian bezieht sich explizit auf den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist und sagt, dass sie eins sind. Sein Gebrauch von »Sohn« anstelle von »Wort« umgeht nicht den aufschlussreicheren Gebrauch von »diese drei sind eins« und ist wahrscheinlich mehr ein Überbleibsel von Cyprians Denkvorgang zu dieser Zeit (das heißt, er ersetzt unbewusst »Wort« mit »Sohn«) anstatt eine Handschrift, aus der das Comma entfernt wurde. Es gibt keinerlei Andeutung in dieser Passage, die besagt, sie stimmen überein, und nirgendwo werden die drei irdischen Zeugen erwähnt. Scrivener, der selber kein Befürworter des Commas ist, fasst alles zusammen und argumentiert, dass es am meisten Sinn macht einfach zu akzeptieren, dass Cyprian sich auf das Comma bezieht, und dass man es dabei belässt. [66]

Andere Gelehrte haben ebenso anerkannt, dass Cyprian das Comma zitierte. In dem 19. Jahrhundert stellte Bennett fest, dass Cyprian das Comma zitierte und weist das Argument zurück, dass Cyprian eine allegorische Interpretation von Vers 8 präsentiert haben soll. [67] In moderneren Zeiten akzeptierte Elowsky, Maynard folgend, dass Cyprian wirklich das Comma zitierte. [68] Gallicet stellte ebenso fest, dass man Cyprians Zitat des Commas nur schwer anzweifeln kann. [69] Pieper macht den Fall kristallklar, wenn er schreibt:

»Cyprian zitiert Johannes 10,30 und fügt dann sofort hinzu: „Et iterum de Patre et Fillo et Spiritu Sancto scriptum est: Et tres unum sunt” („Und ebenso steht geschrieben über den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist: Und diese drei sind eins”). An dieser Stelle sind jene, die behaupten, dass Cyprian hier nicht die Worte von 1.Johannes 5,7 zitiert, gezwungen zu beweisen, dass Cyprians Worte („Und diese drei sind eins”), wie er sie auf die drei Personen der Trinität anwendet, außer in 1.Johannes 5 noch woanders in der Heiligen Schrift stehen. Griesbach entgegnet, dass Cyprian hier nicht die Schrift zitiert, sondern seine eigene allegorische Interpretation der drei irdischen Zeugen präsentiert. „Der Geist und das Wasser und das Blut, und die drei stimmen überein.” Das funktioniert so nicht. Cyprian sagt ausdrücklich, dass er sowohl mit den Worten: „Ich und der Vater sind eins” als auch mit den Worten: „Und ebenso steht geschrieben über den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist: Und diese drei sind eins” Passagen aus der Bibel zitiert. Das sind die objektiven Tatsachen nach unserer Meinung.« [70]

Tatsächlich scheint es angebracht festzuhalten, dass es jenen, die sich über die Sache äußern und textlich keine Voreingenommenheit aufweisen, nicht sonderlich schwer fällt anzuerkennen, dass Cyprian wirklich das Comma zitierte. Es fällt jemanden nur dann schwer, wenn er von seinen von vornherein bestehenden Vorurteilen behindert wird, dann gilt für ihn Cyprians Zitat des Commas als »unwahrscheinlich«. Als Beispiel dient hierfür Sadlers Festellung im Bezug auf Cyprians Zitat:

»Gäbe es den Beweis, dass die frühen Handschriften und die Väter den Text der drei himmlischen Zeugen kannten, gäbe es nicht den leisesten Zweifel, dass Cyprian hier den ursprünglichen Text zitiert. Aber das Fehlen jeglicher Beweise bis drei Jahrhunderte später beweist, dass in Cyprians Kopie eine Interpolation gewesen sein muss.« [71]

Im Grunde ist Sadlers Argument, dass das eindeutige Zitat von Cyprian (welches für sich »ohne den leisesten Zweifel« anerkannt würde) eine Interpolation sein muss, weil wir ja bereits wissen, dass das Comma erst Jahrhunderte nach Cyprian auftauchte. Und warum? Weil genau das die anerkannte Interpretation verlangt. Die Beweise, die dem textkritischen Dogma der Unechtheit des Commas widersprechen, werden einfach wegerklärt und ignoriert. Diese Art von Argumentation, wie sie von modernistischen Textkritikern verwendet wird, ist schlicht und einfach intellektuelle Unaufrichtigkeit. Anstelle zu versuchen die Beweise wegzuerklären, scheint es am besten Scrivener zu folgen und zu akzeptieren, dass Cyprian das Comma zitiert. Natürlich geht unsere Interpretation der späteren Beweise (für und gegen das Comma) von der bestimmten historischen Tatsache aus (wie man bei Tertullian und Cyprian sehen kann), dass in einigen Handschriften, die in den Kirchen um 200-250 verwendet wurden, ungeachtet ob alt-latein oder griechisch, von denen sich die alt-lateinische Übersetzung ableitete, das Comma enthalten war.

Nun wollen wir eine Anmerkung über die bekräftigende Natur dieser Zeugen im Lateinischen machen. Von Tertullian an sehen wir verschiedene frühe lateinische Zeugen für das Comma Johanneum. Diese Zeugen, alle aus Nordafrika, existieren nicht in einem Vakuum. Während Tertullians Zeugnis aus Adversus Praxean weniger deutlich ist, wird es im Licht der Tatsache, dass Cyprian deutlich das Comma in demselben geographischen Gebiet lediglich fünf Jahrzehnte später zitiert, wesentlich wahrscheinlicher, dass Tertullian das Comma tatsächlich zitierte und im Kopf hatte, als er diesen speziellen Ausdruck verwendete. Dasselbe gilt auch für das Zeugnis der Abhandlung über Wiedertaufe – ein Text, der in dasselbe Zeitfenster fällt und von lehrmäßigen Kontroversen handelte, die in diesem geographischen Gebiet ausgetragen wurden. Cyprian wird darüber hinaus ausdrücklich durch die Tatsache bestätigt, dass Fulgentius, der Bischof von Ruspe in Nordafrika Anfang des 6. Jahrhunderts, das Comma in seinen eigenen Schriften zitiert und in seiner Abhandlung gegen die Arianer gezielt argumentiert, dass Cyprian ausdrücklich die himmlischen Zeugen zitiert hat. Alle diese Beweise arbeiten synergistisch zusammen um zu zeigen, dass Comma Johanneum in den lateinischen Bibeln Nordafrikas anerkannt war, und zwar bevor und nachdem die Vulgata Revision angefertigt wurde.

Ein weiteres Zeugnis aus dem 4. Jahrhundert wird uns durch Idacius Clarus gegeben, der um ca. 350 das Comma zitierte. [72] Sein Zeugnis ist von doppelter Bedeutung, denn zum einen zitiert er das Comma noch vor Priscillian (und zeigt prima facie, dass Priscillian nicht der »Urheber« des Commas war) und zum anderen müssen wir uns daran erinnern, dass Idacius Clarus einer der größten Gegner Priscillians war in der Kontroverse aufgrund seiner den Sabellianern ähnelnden Lehren. Es ist extrem unwahrscheinlich, dass ausgerechnet Idacius Clarus das Comma verwendet, wenn bekannt war oder der Verdacht bestand, dass Priscillian das Comma in den Text der Bibel hinzugefügt hatte.

Das nächste Zeugnis, auf das wir uns bei 1.Johannes 5,7 stützen, findet sich in dem Werk von Athanasius, dem großen (griechischen) Verteidiger des orthodoxen Glaubens in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts. Gill stellt fest, dass Athanasius um ca. 350 das Comma in seinen Schriften gegen die Arianer zitiert. [73] Ein klares Zitat des Commas findet man ebenso in der Synopsis, auch bekannt als der Dialog zwischen Athanasius und einem Arianer, die Athanasius zugeschrieben wird. Kritiker haben versucht den Dialog als unecht abzutun, größtenteils aufgrund stilistischer Argumente (z. B. der Stil des Dialoges ist nicht konsistent mit Athanasius’ anderen Schriften). Zum Beispiel war ein früher Kritiker, der dieses Argument machte, der Klassische Philologe Richard Porson aus dem 18. Jahrhundert. Charles Forster [74] jedoch widerlegte seine Argumentation, indem er zeigte, dass der Stil und die Art der verwendeten Zitate in dem Dialog völlig mit dem übereinstimmt, was wir in den anderen Werken von Athanasius, die von allen als echt anerkannt werden, finden. Darüber hinaus stellte 1772 David Martin (der glaubte, dass einer von Athanasius’ Zeitgenossen der Autor war) fest, dass der Dialog über den Kaiser Konstantin, der mit seinem Sohn Konstantius regierte, in der Gegenwartsform spricht, was für die erste Hälfte des 4. Jahrhunderts als Zeit der Verfassung spricht. [75]

Deswegen gibt es keinen Grund das Argument zu akzeptieren, dass der Dialog unecht oder spät sei – eine Haltung, die scheinbar aus keinem anderen Grund existiert als nur zu versuchen, die Beweise zu umgehen, die für die Echtheit des Commas sprechen. Und wie Forster festhält, selbst wenn der Dialog einem Maximus aus dem 7. Jahrhundert zugeschrieben werden würde, wie einige Revisionisten behaupten, würde dies dennoch deutlich zeigen, dass das Comma im Griechischen bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt existierte, was wiederum die Behauptung der Kritiker zerstört, das Comma erschien im Griechischen erstmalig zu einem sehr späten Zeitpunkt.

Erst nach all diesen früheren Zeugen zitiert Priscillian das Comma in 1.Johannes 5,7 um etwa 380. Soviel zur Behauptung, dass das Comma sich gegen Ende des 4. Jahrhunderts als Randglosse in den Text eingeschlichen hat und zuerst von Priscillian »entdeckt« oder »erfunden« wurde.

Noch ein anderer Beweis deutet auf das frühe Erscheinen des Commas in den griechischen Zeugen hin. Forster schrieb, dass das Comma dreimal von Vigilius Tapensis (einem lateinischen nordafrikanischen Schriftsteller, bei dem vorher schon gesehen wurde, dass er das Comma in einem anderen Werk verwendete) in einer Abhandlung über die Trinität zitiert wurde, datiert auf 490-500, die er unter Athanasius’ Namen veröffentlichte. [76] Wie Forster bereits zeigte, schrieb Vigilius diese Abhandlung während dem Exil in Konstantinopel aufgrund der Besetzung Nordafrikas durch die Vandalen. Vigilius’ Abhandlung, die besonders unter dem Namen eines der berühmtesten östlichen Kirchenmännern und von einem zentralen Punkt des östlichen Christentums aus veröffentlicht wurde, sollte ein Aufruf an die östlichen (griechischen) Teile der christlichen Welt sein. Daher ist es höchst unwahrscheinlich, dass Vigilius sich mehrmals auf einen Vers bezieht und diesen einem solch berühmten Namen zuschreibt, wenn dieser Vers im griechischen Neuen Testament zu dieser Zeit gefehlt hätte und bekannt war oder vermutet wurde, dass er unecht ist. Das er es so getan haben könnte und nicht sofort ertappt wurde, wäre unglaublich. Die Tatsache, dass sein Zitat des Comma Johanneum völlig unbestritten blieb, weist stark darauf hin, dass dies nur sein kann, weil zumindest einige griechische Textzeugen zu dieser Zeit die umstrittene Passage enthielten, ungeachtet der möglichen Verwüstungen durch die Arianer.

Es ist auch möglich, dass Augustinus (ca. 390) den Vers kannte aufgrund seiner verwendeten interpretativen Sprache in der Exegese von 1.Johannes 5,8. Augustinus sagte:

»Ich will nicht, dass du die Stelle in dem Brief von Johannes dem Apostel missverstehst, in der er sagt, es gibt drei Zeugen: der Geist und das Wasser und das Blut und diese drei sind eins. Damit du nicht sagst, dass der Geist und das Wasser und das Blut sind verschiedene Substanzen, und doch heißt es, die drei sind eins. Aus diesem Grund habe ich dich ermahnt, dass den Sachverhalt nicht missverstehst. Denn diese sind geheimnisvolle Ausdrücke, in denen der bestimmte Punkt gesehen werden muss und nicht das, was die Dinge eigentlich sind, sondern was sie als Zeichen bedeuten. Da diese Dinge Zeichen sind, muss betrachtet werden, dass das, was sie in ihrem Wesen sind, die eine Sache ist, und dass das, was sie bedeuten, eine andere ist. Wenn wir dann die Bedeutung der Dinge kennen, werden wir finden, dass diese Dinge eine Substanz haben. Wenn wir sagen sollten, der Fels und das Wasser sind eins, dann ist Christus der Fels und der Heilige Geist das Wasser, wer bezweifelt dann, dass Fels und Wasser zwei verschiedene Substanzen sind? Weil Christus und der Heilige Geist jedoch ein und das gleiche Wesen haben, und wenn nun jemand sagt, der Fels und das Wasser sind eins, kann dies so richtig aufgefasst werden, dass diese zwei Dinge, die zwar unterschiedliche Naturen haben, jedoch Zeichen von anderen Dingen sind, bei denen die Natur eins ist. Wir wissen, dass drei Dinge von dem Leib des Herrn entspringen, als er gekreuzigt wurde: zuerst der Geist, von dem geschrieben steht: „Und er neigte das Haupt und übergab den Geist”. Dann, dass seine Seite mit einem Speer durchbohrt wurde: „Blut und Wasser”. Betrachten wir diese drei Dinge für sich, sind sie in ihrer Substanz verschieden und daher nicht eins. Wenn wir uns mit der Bedeutung dieser Dinge auseinandersetzen, erscheint die Trinität in unseren Gedanken, nämlich der eine, alleinige, wahre, höchste Gott: Vater und Sohn und Heiliger Geist, über die wahrhaftig gesagt werden kann: „Da sind drei Zeugen und diese drei sind eins”, so dass mit dem Ausdruck „Geist” Gott, der Vater, gemeint ist, denn als es darum ging, ihn anzubeten, sprach der Herr „Gott ist Geist”, mit dem Ausdruck „Blut” der Sohn, weil das Wort Fleisch wurde, und mit dem Ausdruck „Wasser” der Heilige Geist, denn als Jesus von dem Wasser sprach, dass er jenen, die dürsten, geben würde, sagte der Evangelist: „Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, welche an ihn glauben”. Außerdem sind Vater, Sohn und Heiliger Geist „Zeugen”, denn der Sohn sagt: „Ich bin es, der ich von mir selbst Zeugnis gebe, und der Vater, der mich gesandt hat, gibt auch Zeugnis von mir”. Und obwohl der Heilige Geist hier nicht erwähnt wird, darf man nicht meinen, er sei von ihnen getrennt. Hinsichtlich des Geistes war er keineswegs schweigsam, denn auch er ist ein Zeuge und das kann klar und deutlich gezeigt werden. Indem er ihn verhieß sagte er: „Er wird Zeugnis von mir geben”. Dies sind die drei Zeugen und diese drei sind eins, weil sie eine Substanz sind. In den gekennzeichneten Zeichen, die dem Leib des Herrn entspringen, versinnbildlichte die Kirche, die die Trinität predigt, dass sie ein und dieselbe Natur haben: denn diese drei sind in dreifacher Weise eins und die Kirche, die sie predigt, ist der Leib des Herrn. In dieser Weise sind die drei gekennzeichneten Dinge, die dem Leib des Herrn entspringen, ähnlich dem Befehl, der vom Leib des Herrn erschallte: „tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes”. „Auf den Namen” und nicht auf die Namen, denn „diese drei sind eins” und der eine wahre Gott ist diese drei. Wenn auf irgendeine Weise die Tiefe des Geheimnisses, welches wir in dem Brief von Johannes lesen, erklärt werden kann und übereinstimmt mit dem richtigen Glauben (der die Trinität weder verdreht noch spaltet, der auch nicht glaubt, die Substanzen seien verschieden oder es ablehnt, die Personen sind drei), dann darf dies keinesfalls zurückgewiesen werden. Denn wo auch immer in der Heiligen Schrift etwas unklar ist, so dass die Treuen hierdurch ihren Verstand trainieren, soll es begrüßt werden, wenn es auf vielerlei Weise, nur nicht unvernünftig, erklärt werden kann.« [77]

Aufgrund der vollständigen Aussage von Augustinus ist es schwer nicht zu sehen, dass er das Comma Johanneum kannte und sich im Verlauf seiner Darlegung darauf bezog. Auch wenn behauptet wird, dass Augustinus’ Fokus auf „das Wasser, das Blut und der Geist” andeutet, dass er Vers 7 nicht kannte, ist dies eine unberechtigte Behauptung. Sowohl seine Wortwahl als auch seine Konstruktion zeigen deutlich seine Kenntnis von Vers 7, wie auch sein wiederholter Bezug auf die drei Zeugen, die eine Substanz sind. Das ist etwas, was man aus der Aussage über das Wasser, das Blut und den Geist in Vers 8 nicht ableiten kann. Augustinus konzentriert sich auf die in Vers 8 aufgelisteten Dinge aufgrund seiner exegetischen Vorgehensweise – er scheint zu versuchen die Zeugen in Vers 8 mit den Zeugen in Vers 7 zu versöhnen und benutzt dabei einen allegorischen Ansatz. Es ist wirklich schwer zu sehen, von woher Augustinus seinen allegorischen Parallelismus des Vaters mit dem Geist in Vers 8 genommen haben könnte, wenn nicht aus Vers 7, denn Vers 6 bezieht sich deutlich auf den Geist als eine Person der Gottheit, und nicht eine Sache. Und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass Augustinus widerlegen wollte, dass der Vater und der Geist Personen sind, da diese ganze Passage besonders dazu dient, teilweise, diejenigen zu widerlegen, die die Gottheit verdrehen und in eine Person vereinen wollen. Augustinus hatte deutlich die parallele Stellung des Vaters in Vers 7 und des Geistes in Vers 8 vor Augen.

Ein letzter patristischer Schriftsteller, diesmal ein Grieche, der mit der Überlieferung griechischer Handschriften vertraut ist, bietet uns einige Indizien für das Comma. Gregor von Nazianz, der bestimmte Einwände griechischer Gegner in Bezug auf die Einheit der Gottheit anspricht, sagt folgendes:

»Wie steht es dann mit Johannes, wenn er in seinem Brief sagt, drei sind die Zeugnis ablegen, der Geist und das Wasser und das Blut? Denkt ihr er redet Unsinn? Erstens, weil er gewagt hat unter einer Ziffer Dinge zusammenzurechnen, die nicht wesensgleich sind, obwohl ihr sagt, dass darf nur im Fall von Dingen getan werden, die wesensgleich sind. Denn wer würde behaupten, dass diese wesensgleich sind? Zweitens, weil er nicht konsequent ist in der Art, wie er mit seinen Ausdrücken umgeht, denn nachdem er „drei” in der maskulinen Form verwendet, folgen drei Worte, aber in neutraler Form, entgegengesetzt zu den Definitionen und Gesetzen, die ihr und eure Grammatiker festgelegt haben. Denn was ist der Unterschied, wenn auf ein „drei” im Maskulinum ein „Eins und Eins und Eins” im Neutrum oder auf ein „Eins und Eins und Eins” im Maskulinum ein „drei” im Neutrum und nicht im Maskulinum folgt? Dies lehnt ihr ja selber im Fall der Gottheit ab.« [78]

Franz Anton Knittel sieht sowohl den Einwand auf Vers 8, den Gregors Gegner aufgrund des grammatikalischen Solözismus vorbringen, der durch die Entfernung des Commas entsteht, als auch Gregors Versuch dem Konflikt aus dem Weg zu gehen, indem ihm der Konflikt egal ist. Er schreibt:

»Und was antwortet der ehrenwerte griechische Bischof? Er sagt: „Es ist mir gleichgültig, ob wir τρεῖς oder τρια sagen, wenn wir über die Sache mit dem Neutrum sprechen.” Diese Gleichgültigkeit jedoch hätten die Linguisten zu seiner Zeit wohl kaum befürwortet. Soweit ich weiß, bestätigen weder Gregor noch andere Griechen diese Regel [ein maskulines Adjektiv gefolgt von neutralen Nomen] in ihrem Schreibstil. Wir können das τρεις μαρτυρουντες auch nicht als einen Hellenismus bezeichnen. Zumindest hat Johannes mit aller Deutlichkeit gezeigt, dass er für diesen Fehler, sowohl im vorliegenden Fall als auch in seinem restlichen Brief, nicht verantwortlich sein kann.« [79]

Knittels Argument ist, dass, ungeachtet von Gregors Gleichgültigkeit, kein sachkundiger griechischer Schriftsteller in seiner Zeit die von Gregor vorgebrachte Gleichgültigkeit unterstützt hätte. Gregors Gleichgültigkeit schien mehr der Versuch, ein Argument seiner Gegner durch Verunglimpfung abzuwenden, als ein Appell an Vernunft oder Tatsache. Gregor selbst, sowie andere griechische Schriftsteller (einschließlich Johannes), machten niemals einen solchen grammatikalischen Fehler, wie den, der durch die Entfernung des Commas entsteht.

Wie dem auch sei, es entspricht nicht der Wahrheit, dass dieser Konflikt erst »vor Kurzem« von Robert Dabney entdeckt wurde, wie einige Befürworter der Textkritik das in verschiedenen Foren im Internet behaupten. Der grammatikalische Konflikt in dieser Passage, mit der sich Befürworter der Textkritik auseinandersetzen müssen, wurde tatsächlich von einem Griechisch sprechenden patristischen Schriftsteller entdeckt, der vor über 16 Jahrhunderten lebte, auch wenn er scheinbar nicht wusste, was er damit anfangen sollte.

Tatsachen über Grammatik und Übereinstimmung

Der grammatikalische Konflikt in dieser Passage, wenn das Comma fehlt, basiert auf einer Regel in der griechischen Grammatik (sowie auch in anderen Sprachen), die eine Übereinstimmung der Geschlechter in den Satzteilen verlangt. Wenn man das Comma an seinem Platz lässt, stimmen maskuliner Artikel, Partizip und Zahl in der Apodosis von Vers 7 mit den zwei maskulinen (Vater, Sohn) und einem neutralen (Geist) Substantiven in der Protasis überein. Diese Übereinstimmung basiert auf dem »Prinzip der Anziehung«, eine Regel der griechischen Syntax, in der ein maskulines Substantiv, in einer Serie von Substantiven (innerhalb des gleichen Abschnittes) das Geschlecht für die ganze Serie »anzieht« oder bestimmt. Das Geschlecht des Abschnittes, für gewöhnlich der untergeordnete, stimmt mit dem Prädikat des vorhergehenden Abschnittes in jenem Satz überein. Dadurch zwingen die zwei maskulinen Substantive in der Protasis, dass die ganze Liste de facto das maskuline Geschlecht annimmt, welches dann mit den maskulinen Prädikaten in der Apodosis übereinstimmt. Das Problem für diejenigen, die die Entfernung des Commas befürworten, ist, dass das maskuline Prädikat in der Apodosis von Vers 7, wenn das Comma in dem Text fehlt, mit den drei neutralen Substantiven (Wasser, Blut, Geist) aus Vers 8 verbunden wird (der dann zu einem untergeordneten Abschnitt wird) und das ist ein schwerwiegender grammatikalischer Fehler. Der Konflikt verschwindet, wenn das Comma an seinem Platz ist, weil dann Vers 7 nicht nur aufgrund des Anziehungsprinzipes im Geschlecht übereinstimmt, auch wird die Verbindung der drei neutralen Substantive in Vers 8 mit den maskulinen τρεις μαρτυρουντες (drei Zeugen) in Vers 8 dann durch das Prinzip der Anziehung erklärt. Dabney sagt:

»…dass das πνευμα, das führende Substantiv in dieser zweiten Gruppe, neben den Adjektiven, sich gerade eine maskuline Form zugezogen hat aufgrund seiner vorigen Stellung in der maskulinen Gruppe…« [80]

Die unmittelbare Nähe und die Tatsache, dass das πνευμα ein übertragenes Substantiv aus der vorhergehenden Liste von Substantiven ist und de facto kraft des Anziehungsprinzipes in Vers 7 zu einem Maskulinum gemacht wurde, bewirkt ebenso, dass die Substantive in Vers 8 als Maskulina angesehen werden. Dies alles fällt in sich zusammen, wenn das Comma entfernt würde, denn dann gäbe es keine wirklich maskulinen Substantive (oder ein maskulinisiertes πνευμα) aus Vers 7, die auf das Phänomen der Anziehung abzielen. [81]

commatext
Das Comma in Latein und Griechisch, ohne das ein grammatikalischer Fehler im griechischen Text des Briefes von Johannes entsteht.

Vielleicht ist es vernünftig davon auszugehen, dass Gregors Gegner (und Gregor selbst) das Comma direkt nicht kannten, weil die Arianer damals alles daran setzten, das Comma aus den Abschriften der Heiligen Schrift zu verbannen. Da weder im Evangelium noch in den Briefen von Johannes bekannte grammatikalische Solözismen auftauchen, wäre es vernünftig davon auszugehen, dass die Existenz eines derart ungeheuerlichen grammatikalischen Fehlers (der, wir erinnern uns, von Griechisch sprechenden Menschen bemerkt wurde!) eher das Resultat einer Entfernung eines relevanten Stückes der Heiligen Schrift ist, als ein ursprünglicher Fehler in den inspirierten Schriften von Johannes.

Wir sollten erneut um der Betonung willen festhalten, dass Robert Dabney nicht der moderne »Entdecker« des grammatikalischen Konfliktes in 1.Johannes 5,7-8 gewesen ist, wenn man das Comma entfernt. Bengel bemerkte den erwähnten grammatikalischen Konflikt bereits 1740. [82] Ebenso erkannte Eugenius Bulgarus, Erzbischof von Cherson, ein hoher Beamter und Gelehrter in der griechischen Ostkirche, im 18. Jahrhundert den grammatikalischen Konflikt, der durch die Entfernung des Commas entsteht. Knittel gibt Eugenius’ Gespräch über den Solözismus wieder, wie es 1780 von einem Professor Matthaei in Moskau berichtet wurde, der einen Brief von Eugenius in seiner eigenen Auseinandersetzung mit der Passage miteinbezogen hatte. [83] Ein ähnliches grammatikalisches Argument wurde von Frederick Nolan 1815 vorgebracht. [84]

Middleton (der über die Echtheit des Commas unsicher war) fand 1808 in den Versen 7-8 einen weiteren grammatikalischen Konflikt, wenn Vers 7 fehlt. [85] In seiner Auseinandersetzung mit dem Vers stellte er den ungewöhnlichen und empathischen Gebrauch des Artikels το vor εν in Vers 8 fest. Wenn Vers 7 echt ist, ist es verständlich, dass sich der Artikel auf das εν in Vers 7 zurückbezieht, was bedeuten würde, dass die drei Zeugen in Vers 8 in einer Sache übereinstimmen (Person und Werk des Christus), worüber auch die drei Zeugen in Vers 7 zustimmen. Ohne Vers 7 ist die Konstruktion bestenfalls eigenartig und der emphatische Bezug, der solch einen Gebrauch voraussetzt, fehlt einfach. Weil Middleton das Comma für eine Interpolation hielt, konnte er in Vers 8 den Gebrauch dieses grammatikalischen Apparates nicht erklären. Wenn das Comma dagegen echt ist, verschwindet jener grammatikalischer Konflikt, genauso wie der Konflikt, der eben besprochen wurde.

Der grammatikalische Konflikt, der durch die Entfernung des Commas entsteht, wurde ganz offensichtlich nicht von Dabney »erfunden« und ist auch nicht erst vor kurzer Zeit entdeckt worden. Tatsächlich reichen jene, die den Solözismus in diesem Text festgestellt haben, bis zu den frühen Jahrhunderte des Christentums zurück, egal ob sie an die eigentliche Echtheit des Commas geglaubt haben oder nicht.

Zu dem grammatikalischen Konflikt müssen wir außerdem erkennen, dass die Entfernung des Commas, interpretiert man den Kontext der Passage, ein Problem mit der Stimmigkeit hervorruft. Die ganze Passage von Vers 6-9 liest sich wie folgt:

»Er ist es, der durch Wasser und Blut gekommen ist, Jesus der Christus; nicht durch Wasser allein, sondern durch Wasser und Blut. Und der Geist ist es, der Zeugnis gibt, weil der Geist die Wahrheit ist. Denn drei sind es, die Zeugnis ablegen im Himmel: der Vater, das Wort und der Heilige Geist, und diese drei sind eins; und drei sind es, die Zeugnis ablegen auf der Erde: der Geist und das Wasser und das Blut, und die drei stimmen überein. Wenn wir das Zeugnis der Menschen annehmen, so ist das Zeugnis Gottes größer; denn das ist das Zeugnis Gottes, das er von seinem Sohn abgelegt hat.«

Das Comma im Text ist kursiv hervorgehoben. Der Konflikt besteht darin, dass, wenn das Comma entfernt wird, die Passage einen irrelevanten Bezug macht. Die Passage spricht von dem »Zeugnis der Menschen« und dem »Zeugnis Gottes«. Wir wissen, dass bei dem Zeugnis von »Geist, Wasser und Blut« die Rede vom »Zeugnis der Menschen« ist. Am Anfang des Evangeliums von Johannes bezeugt Johannes der Täufer die Rolle des Geistes, der über Christus Zeugnis ablegt:

»Und Johannes bezeugte und sprach: Ich sah den Geist wie eine Taube vom Himmel herabsteigen, und er blieb auf ihm.« (Johannes 1,32)

Auch am Ende des Evangeliums sehen wir Johannes’ eigenes Zeugnis über das Wasser und das Blut:

»Einer der Kriegsknechte stach mit einem Speer in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus. Und der das gesehen hat, der hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr, und er weiß, dass er die Wahrheit sagt, damit ihr glaubt.« (Johannes 19,34-35)

Wir können in diesen Fällen also sehen, wie »der Geist, das Wasser und das Blut« Gegenstand des Zeugnisses der Menschen ist, wie beide Passagen das ausdrücklich festhalten. Dies scheint besonders schlüssig, wenn der erste Brief des Johannes ursprünglich mit dem Evangelium von Johannes verbunden war und als »Einleitung« für das Evangelium diente, wie einige Gelehrte das behaupten. Die natürliche Folge wäre dann beim Lesen des Evangeliums, dass man unter dem »Zeugnis der Menschen« Christus und seinen Dienst versteht, so wie Johannes das auch beabsichtigte.

Das Johannesevangelium bezieht sich in ähnlicher Weise auf das »Zeugnis Gottes«, wie das bei dem »Zeugnis der Menschen« sichtbar war. In Johannes 8,18 sagt Jesus (wir erinnern uns, dass Johannes ihn das „Wort” nennt): »Ich bin es, der ich von mir selbst Zeugnis gebe, und der Vater, der mich gesandt hat, gibt auch Zeugnis von mir.« In Johannes 15,26 heißt es: »Wenn aber der Beistand kommen wird, den ich euch vom Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, so wird der von mir Zeugnis geben.« Wir sehen also im Evangelium von Johannes, dass alle drei Personen der Trinität Zeugnis über Jesus ablegen. Wenn man nun das Comma entfernt, wo bleibt dann als paralleler Ausdruck das Zeugnis Gottes, über das in dem Vers gesprochen wird, – ein Zeugnis, dass sich ganz natürlich auf »Vater, Wort und Heiliger Geist« bezieht, die Zeugnis ablegen im Himmel? Es ist verschwunden und Vers 9 bezieht sich damit auf … nichts. Der Parallelismus zwischen dem Evangelium und dem Brief wird aufgehoben und der dortige Bezug in Vers 9 wird unklar.

Warum benutzten orthodoxe Schriftsteller nicht das Comma in den »trinitarischen Kontroversen«?

Ein Argument, dass Befürworter der Textkritik gebrauchen um zu anzudeuten, dass das Comma in der Bibel vor dem späten 4. Jahrhundert nicht gefunden wird, basiert darauf, dass dieser Vers, der ein klarer Beweistext für die Trinität ist, nicht verwendet wurde von den christlichen Apologetikern und anderen Schriftstellern während der verschiedenen doktrinellen Kontroversen um das Wesen der Gottheit. Das Comma, so heißt es, wurde in den Kontroversen des 3. und 4. Jahrhunderts nicht verwendet, sondern erscheint plötzlich immer wieder in den arianischen Kontroversen im späten 4. und 5. Jahrhundert.

Das eben genannte Argument stammt von dem Missverständnis über die verschiedenen Kontroversen, die man für gewöhnlich alle mit dem Ausdruck »trinitarische Kontroverse« in einen Topf wirft. Die erste der Hauptkontroversen entstand im 3. Jahrhundert und befasste sich mit den Sabellianern. Die Sabellianer waren Monarchianisten (auch Patripassianisten genannt), die die individuelle Persönlichkeiten der drei Personen der Gottheit ablehnten. Es gab (und gibt noch immer) verschiedene Permutationen ihrer allgemeinen Irrlehre, aber sie lehnen alle ab, dass der Vater, der Sohn und der Heilige Geist verschiedene Personen waren – eins im Wesen, aber individuell in Person und Funktion. Die Sabellianer lehnten die Trinität nicht per se ab. Sie lehnen jedoch ihre Individualität ab und sagen für gewöhnlich: der Vater ist der Sohn und der Sohn ist der Geist. Einige lehren auch, dass Gott sich als Vater, Sohn und Geist geoffenbart hat, aber immer nur in aufeinanderfolgende Weise als eine Person zu einer Zeit. So wurde aus der sabellianischen Lehre de facto Unitarismus.

Das Comma Johanneum an sich war nicht wirklich hilfreich im Umgang mit diesen Irrlehrern. Denn wenn man sagt, diese drei sind eins, war das etwas, dem auch die Sabellianer zugestimmt hätten, wenn auch aus anderen Gründen wie orthodoxe Trinitarier. Die Sabellianer hätten gerne ihre Position mit dem Comma belegt, nämlich dass die drei eins sind und zwar in Person, nicht im Wesen. Es gibt keinen Grund, weshalb ein früher patristischer Schriftsteller dazu geneigt hätte, in dem Comma etwas zu finden, das gegen diese besondere Irrlehre nützlich. Wir sehen, dass Tertullian es sehr früh schon für notwendig hielt, immer wieder zu betonen, dass die Einheit der drei Personen eine Einheit des Wesens war, nicht der Person. Dies ist durchaus erklärbar im Hinblick auf die Tatsache, dass Tertullian seine Argumente gegen Praxeas richtete, der an der monarchianischen Theologie festhielt. Überhaupt tendierten die Patristiker wahrscheinlich dazu, sich nicht auf diesen Vers zu stützen, um die orthodoxe Sicht der Trinität zu verteidigen, denn der Vers konnte einfach verdreht und gegen sie verwendet werden, um die sabellianische Irrlehre zu stützen (so wie das später bei Priscillian der Fall gewesen ist, der das Zeugnis der himmlischen Zeugen so verdreht hat, dass es sagen sollte: »diese drei sind eins in Christus Jesus«).

Der praktische Nutzen des Commas jedoch veränderte sich, als sich die Kirchen gegen Ende des 4. Jahrhunderts mit den Arianern auseinandersetzen mussten. Hier sehen wir dann patristische Schriftsteller (wie Athanasius, der große Verteidiger der Trinität), die den Vers verwendeten, obwohl es immer noch die Tendenz gab, zögerlich mit dem Vers umzugehen. In den anschließenden zwei Jahrhunderten sehen wir dann patristische Schriftsteller, die den Vers in der Auseinandersetzung mit den Arianern verwenden (Fulgentius, Cassiodorus, Victor Vitensis, Vigilius Tapensis…). Und natürlich, haben christliche Schriftsteller aus dem 3. Jahrhundert, wie wir bereits gesehen haben, das Comma zitiert und verwendet, gerade gegen die Irrlehren, die sich mit der Trinität beschäftigen.

Schlussfolgerungen

Seit Jahrhunderten schon ist das Comma Johanneum einer der umstrittensten Verse der Heiligen Schrift. Obwohl die modernen Textkritiker das Comma generell ablehnen, so glaube ich, dass diese Ablehnung unberechtigt ist im Licht aller Beweise. Auch wenn das Comma kaum durch griechische Handschriften bezeugt wird, gibt es Beweise, die nahelegen, dass es ursprünglich im Griechischen Text enthalten war und die Bedingungen in den Griechisch sprechenden Regionen des Reiches geeignet waren, das klare Zeugnis der Trinität anzugreifen. Die Beweise für das Comma durch andere Quellen (mit Ausnahme des Griechischen, wie zum Beispiel andere Bibelübersetzungen und das Zeugnis patristischer Schriftsteller) zeigen zum einen, dass das Comma schon weitaus länger existierte, als moderne Textkritiker das zugeben wollen, und zum anderen, dass es von Menschen im Altertum allgemeiner akzeptiert wurde, als heutige Kritiker das anerkennen wollen. In Wirklichkeit gibt es meiner Ansicht nach keinen triftigen Grund anzunehmen, das Comma sei kein inspirierter und bewahrter Teil der Heiligen Schrift. Wenn es auch Tatsachen geben mag, die viele dazu gebracht haben das Comma Johanneum abzulehnen, so gibt es dennoch Beweise, die das Comma authentisch sein lassen. In der Tat, die offensichtliche Bewahrung des Commas auf anderen Wegen (d.h. neben den griechischen Handschriften) schmälert oder verwässert keineswegs den Grundsatz und die Lehre von der Bewahrung des Wortes Gottes.

Dieser Artikel basiert auf Timothy W. Dunkins ursprünglich englischen Artikel mit freundlicher Genehmigung.

Fußnoten:

[1] Peake’s Commentary on the Bible, Eds. M. Black, H.H. Rowley, A.S. Peake, p. 1038

[2] The Interpreter’s Dictionary of the Bible, Eds. K.R. Crim, G.A. Buttrick, Vol. IV, p. 711

[3] Ibid., p. 871

[4] The Eerdmans Bible Dictionary, Ed. A.C. Myers, p.1020

[5] D.E. Hiebert, The Epistles of John: An Expositional Commentary, p. 27

[6] C.C. Ryrie, The Ryrie Study Bible: King James Version, Expanded Edition (1994), Notiz zu 1.Johannes 5,7-8. Wir sollten festhalten, dass Ryrie in diesem Punkt tatsächlich falsch ist, denn »der Geist und das Wasser und das Blut, und die drei stimmen überein« findet man in allen Handschriften, die diese Passage enthalten.

[7] B. Metzger, Textual Commentary on the Greek New Testament, p. 647

[8] The Greek New Testament, 4th Edition, Eds. K. Aland, B. Aland, J. Karavidopoulos, and C. Martini

[9] T. Holland, Crowned With Glory, p. 164

[10] W.N. Pickering, The Identity of the New Testament Text, p. 51; citing H.C. Hoskier, Codex B and it’s Allies, Vol. 2, p. 1

[11] Holland, loc. cit.

[12] See Burgon, where he states, „The impurity of the Texts exhibited by Codices B and Aleph is not a matter of opinion, but a matter of fact“, in J. Burgon, The Revision Revised, p. 315; see also Pickering, op. cit., pp. 126-9

[13] Socrates Scholasticus, Ecclesiastical History, Bk. 7, Ch. 32

[14] Hieronymus’ ursprüngliche Beauftragung durch Damasus fand ca. um 380 statt, aber Hieronymus beendete seine Überarbeitung der Hauptbriefe nicht vor 395-400. Einige wagen zu behaupten die Überarbeitung dieser Briefe war nicht das Werk von Hieronymus, sondern von einem anderen unbekannten Überarbeiter, aber es gibt keinen wirklichen Beweis dafür, so dass wir diese Position in diesem Artikel verwerfen, ebenso wie die Mehrheit der zuständigen Wissenschaft auch.

[15] Jerome, Prologue to the Canonical Epistles, from the text of the prologue appended to Codex Fuldensis, Trans. T. Caldwell.

[16] Eusebius von Caesarea entwarf ein Glaubensbekenntnis für die Arianer auf dem Konzil von Nicäa um 325, in »welchem jeder Ausdruck von Ehre und Würde, mit Ausnahme der Einheit des Wesens, unserem Herrn zugeschrieben wird.« – http://www.newadvent.org/cathen/01707c.htm

[17] T. Scott, Commentary on the Holy Bible (1812), note on I John 5:7-8

[18] Pickering, op. cit., p. 83; the scribal study he references is E.C. Colwell, “Scribal Habits in Early Papyri: A Study in the Corruption of the Text,” The Bible in Modern Scholarship, Ed. J.P. Hyatt, pp. 370-89, spec. 367-7.

[19] Henk Jan De Jonge, “Erasmus and the Comma Johanneum”. Ephemerides Theologicae Lovanienses 56. (1980): p. 381-389

[20] Ibid., p. 252

[21] B. Metzger, The Text of the New Testament, p. 291

[22] C. Forster, A New Plea for the Authenticity of the Text of the Three Heavenly Witnesses, p. 126

[23] A. Clark, The New Testament: A Commentary and Critical Notes, Vol. 6, pp. 928-9

[24] E.F. Hills, The King James Version Defended, p. 198

[25] See F.H.A. Scrivener, A Plain Introduction to New Testament Criticism, Vol. 2, pp. 42-3; H.S. Miller, General Biblical Introduction, p. 236

[26] Augustine, On Christian Doctrine, Bk. 2, Ch. 15

[27] M. Maynard, in a presentation to the 13th annual meeting of the Dean Burgon Society in 1991, as cited in „In Defense of the Johannine Comma“, The Burning Bush, Vol. 3, no. 1, Jan. 1997

[28] Treatise on Re-Baptism, para. 19

[29] Ante-Nicene Fathers, Vol. 5, Ed. A.C. Coxe, Anonymous Treatise on Re-Baptism, note #61

[30] F. Kenyon, The Story of the Bible, p.110

[31] Während es ursprünglich Widerstand auf die Einführung der Vulgata im lateinischen Westen gab, wurde die Vulgata gegen Ende des 5. Jahrhunderts allgemein anerkannt (see, e.g., H. Lusseau and M. Collomb, Manuel d’Etudes Bibliques, Vol. 1, p. 456). Selbst Augustinus’ (er starb 430) Sympathie zu dieser Revision wuchs gegen Ende seines Lebens, auch wenn er sie öffentlich nicht benutzte (see F. Stummer, Einführung in die Lateinische Bibel: Ein Handbuch für Vorlesungen und Selbstunterricht, p. 126). Somit können wir nicht absolut sicher sein, dass jegliches Zitat aus diesem Zeitraum von Hieronymus’ Vulgata genommen wurde, doch die ursprüngliche Auftragsvergabe von Damasus, die zunehmende Popularität gegen Ende des 5. Jahrhunderts und im 6. Jahrhundert vergrößert die Wahrscheinlichkeit, dass die Vulgata die lateinische Version war, die die frühen katholischen Quellen benutzten.

[32] Der UBS-3 textkritische Apparat listet Johannes Cassianus (435) als Schriftsteller, der das Comma zitierte. Ich war nicht in der Lage dieses Zitat zu bestätigen und UBS-4 hat es auch von ihrer Liste genommen.

[33] Dabney zitiert diese Handschrift als sehr frühes griechischen Zeugnis für das Comma – siehe Discussions of Robert Lewis Dabney, „The Doctrinal Various Readings of the New Testament Greek,“ Discussions: Evangelical and Theological, Vol. 1 (1891), p. 381. Sie erscheint zuerst in der Southern Presbyterian Review, April 1871. Dieses Zitat entspringt scheinbar aus Dabneys Missverständnis hinsichtlich einiger Textzitate von dem Philologen Karl Lachmann aus dem 19. Jahrhundert. Während dies höchstwahrscheinlich ist, wurde ein solcher Fehler, vonseiten Dabneys, weder faktisch bewiesen noch wurde angemessen erklärt, weshalb ein Mann mit dieser enormen Gelehrsamkeit einen scheinbar derart einfachen Fehler gemacht haben soll. Die Möglichkeit besteht immer, dass Dabney sich wirklich auf eine derart alte griechische Handschrift bezog, eine die heute, aus welchem Grund auch immer, nicht länger allgemein bekannt ist. Bengel, seinerseits, listet Codex Wizanbergensis (99) als Vulgata-Handschrift aus dem 8. Jahrhundert auf, die das Comma enthält (see J.A. Bengel, E. Bengel, J.C.F. Steudel, and A.R. Faucette, Gnomon of the New Testament, Vol. 5, p. 136, in the notes). Bengels Behauptung über die Worte des Commas, dass »alle alten Versionen, sowie griechischen Handschriften, sie ablehnen« hat sich daher als völlig falsch erwiesen, immerhin sollten wir bemerken, dass Bengels Information sehr veraltet ist. Seltsamerweise, abgesehen von seiner allgemeinen Zustimmung zu den textkritischen Argumenten, hielt Bengel dennoch an der Echtheit des Commas fest.

[34] A.W. Mitchell, The Waldenses: Sketches of the Evangelical Christians of the Valleys of the Piedmont, pp. 28-9

[35] W. Gilly, Waldensian Researches, p. 50

[36] G.S. Faber, An Inquiry into the History and Theology of the Ancient Vallenses and Albigenses, p. 275

[37] A. Neander, General History of the Christian Religion and Church, Vol. 8, p. 352

[38] Faber, op. cit., p. 293

[39] From Jerome, Jerome Against Vigilantius, Ch. 2

[40] See W. Preger, Beitrage zur Geschichte der Waldesier, pp. 6-8

[41] Faber, op. cit., pp. 281, 286-7

[42] C. Neff and H.S. Bender, „Waldenses“, Mennonite Encyclopedia, Vol. 4, p. 876

[43] E.g., G. Audisio, The Waldensian Dissent, p. 10, quoting Bernard Gui’s statement on the subject from his De Secta Valdensium

[44] M. Raynouard, Monumens de la Langue Romane, p. 137

[45] F. Owen, The Germanic People, p. 114

[46] P. Allix, Ancient Churches of the Piedmont, p. 37

[47] M. Jacobus, Roman Catholic and Protestant Bibles Compared, pp. 4, 200

[48] E.g. Irenaeus, Against Heresies, Bk. 3, Ch. 20.4, note #399 in Ante-Nicene Fathers, Vol. I, Ed. A.C. Coxe, wo Irenaeus‘ Zitat von Habakuk sich vom dem Hebräischen und von der LXX unterscheidet – kommt der alt-lateinischen Bibel am nächsten; also see Bk. 4, Ch. 9.2, note #109, wo Irenaeus‘ Zitat von 1.Kor 4,4 in Phil 3,12 integriert wurde, auf eine bemerkenswert ähnliche Art und Weise wie die alte Italick-Handschrift St. Germain.

[49] F. Nolan, Integrity of the Greek Vulgate, pp. xvii-xviii

[50] J. K. Elliot, „Old Latin MSS in NT Editions,“ A Survey of Manuscripts Used in Editions of the Greek New Testament, p. 280; ebenso listet A. Merk den Codex Teplensis unter die alt-lateinischen Kodize in seiner kritischen Ausgabe Novum Testamentum: Graece et Latine

[51] Maynard, op. cit.

[52] Maynard, A History of the Debate Over I John 5:7-8, pp. 15-6

[53] Anton Baumstark, ein prominenter Gelehrter, der das syrische und östliche Christentums studiert, bemerkt dieses Zitat in »Ein syrisches Citat des Comma Johanneum«, erschienen in dem deutschen Journal Oriens Christianus: Hefte für die Kunde des Christlichen Oriens, Teil 2 (1902), S. 440-1, bemerkt seine Erscheinung in Jakobs On the Holy Mysteries. Brown erwähnt dieses Zitat in seiner Auseinandersetzung der Beweise für und gegen das Comma und versucht in eher nicht überzeugender Weise seine Aussagekraft herunterzuspielen; vgl. The Anchor Bible: Epistles of John, Ed. R.E. Brown, p. 778

[54] Es ist interessant zu sehen, dass zumindest ein Armenianist beobachtet hat, dass der Text der armenischen Version in den Hauptbriefen textlich dem griechischen Codex Vaticanus sehr ähnlich ist (see Lyonnet in M.-J. Lagrange, Critique Textuelle: La Critique Rationelle, p. 578, as cited by B. Metzger, The Early Versions of the New Testament: Their Origin, Transmission, and Limitations, p. 168). Dies führt zu einer interessanten Frage – Was, wenn dies ein Beweis ist, der nahelegt, dass selbst die alexandrinische Lesart das Comma bezeugte, ein Zeuge, der im Großen und Ganzen eliminiert wurde, aber hier erhalten blieb?

[55] A. Vööbus, Early Versions of the New Testament, p. 206

[56] The Abingdon Bible Commentary: First John, Ed. B.S. Easton, p. 1357

[57] K. Künstle, Das Comma Johanneum auf seine Herkunft untersucht (1905), pp. 45-57

[58] E.g., T.J. Shahan’s review of Künstle’s monograph in The Catholic University Bulletin, Vol. 12, No. 1 (Jan. 1906), pp. 93-4; W.L. Sullivan, „The Three Heavenly Witnesses,“ The New York Review, Vol. 2 (1907), pp. 175-88, esp. 184-5; etc.

[59] Diese finden wir in E.-Ch. Babut, Priscillien et le Priscillianisme, pp. 267ff; zitiert von A.E. Brooke, The International Critical Commentary on the Holy Scriptures Old and New Testaments: A Critical and Exegetical Commentary on the Johannine Epistles (1912), p. 160; andere Zeitgenossen, die Künstles Theorie widerlegten, umfassen Eugène Mangenot, Le Comma Johanneum (1907) und Adolf Jülicher, Göttingische Gelehrte Anzeigen, Vol. 167 (1905), pp. 930-5, both reported by J. Moffatt, An Introduction to the Literature of the New Testament, p. 586

[60] Athenagorus, Plea for the Christians, Ch. 10

[61] Ibid.

[62] Tertullian, Adversus Praxean, Kapitel 25

[63] A. Souter, Tertullian: Against Praxeas, p. 98

[64] Cyprian, Über die Einheit der katholischen Kirche, Kapitel 6

[65] Cyprian, 73.Brief, Kapitel 12

[66] See Scrivener, op. cit., p. 405; Coxe beschreibt ebenso Scriveners Position – und die Neigung der Kritiker die Beweise zu verdrehen, damit sie versuchen zu leugenen, dass Cyprian das Comma kannte – und schreibt: »Scrivener entschließt sich dazu, dass es „sicherer und ehrlicher ist zuzugeben, dass Cyprian [das Comma] in seinen Handschriften las, als sich des Wegerklärens zu bedienen”.« See Coxe, op. cit., p. 418.

[67] J. Bennett, The Theology of the Early Christian Church (1855), p. 94

[68] J.C. Elowsky, Ancient Christian Commentary on Scripture: New Testament, IVa, John 1-10, p. 359, note # 37

[69] E. Gallicet, Cipriano di Cartagine: La Chiesa, p. 206, note # 12

[70] F.A.O. Pieper, Christian Dogmatics, Trans. T. Engelder, Vol. 1, pp. 340-1; emphasis mine

[71] M.F. Sadler, The General Epistles of Ss. James, Peter, John, and Jude (1895), p. 252, note #1

[72] J.-P. Migne, Patrilogiae Cursus Completus: Series Latina, Vol. 62, Col. 359

[73] Siehe die Kommentare von John Gill über 1.Johannes 5,7 in Exposition of the Bible, wo er sagt, dass Athanasius das Comma in seiner Abhandlung gegen die Arianer zitiert.

[74] Forster, op. cit., pp. 48-63

[75] See D. Martin, The Genuineness of the Text of the First Epistle of Saint John, Chap. v., V. 7, pp. 137-8

[76] Forster, op. cit., pp. 43-4

[77] Augustine, Ten Homilies on the First Epistle of John; 1 John V. 7, 8; Contra Maximinum, lib. ii. c. 22 §. 3.

[78] Gregory of Nazianzus, Oration 32, The Fifth Theological Oration, On the Holy Spirit, para. 19

[79] F.A. Knittel, New Criticisms on the Celebrated Text 1 John v.7, Ed. Trans. W.A. Evanson, p. 208

[80] Dabney, op. cit., p. 378.

[81] Es sollte hier festgehalten werden, dass einige Kritiker des Commas die Kraft des Anziehungsprinzipes nicht umfassend verstehen wie beispielsweise G.G. Thomason, “Scripture, Authentic and Fabricated” (faraboveall.com/015_Textual/Authentic.pdf). Thomason argumentiert (pp. 49-50), dass die grammatikalischen Argumente für den Ausschluss des Commas widerlegt werden durch die Anwesenheit des gleichen Solözismus, wenn das Comma hinzugefügt wird, wobei das maskuline τρεις…μαρτυρουντες εν τη γη in Vers 8 dann nicht mit den drei irdischen Zeugen im Neutrum übereinstimmt. Entweder ignoriert er die Tatsache oder ist sich dessen nicht bewusst, dass das πνευμα eine übertragende Maskulinität »angezogen« hat (wie Dabney und andere das gezeigt haben), wodurch die zweite Liste der drei Zeugen im Geschlecht übereinstimmt mit dem maskulinen Abschnitt am Anfang von Vers 8. Im Übrigen wird in Thomasons Artikel ebenso der diskreditierte Mythos von »Erasmus’ Versprechen« gestützt, so dass wir einen Hinweis darauf haben, wie seriös seine Untersuchungen in dieser Thematik wirklich sind.

[82] J.A. Bengel, Gnomon of the New Testament, Vol. 2, p. 808

[83] See Knittel, op. cit., pp. 206-8; interessanterweise schreibt Knittel auch wo Gregor von Nazianz sich mit diesem grammatikalischen Konflikt auseinandergesetzt hat.

[84] F. Nolan, An Inquiry into the Integrity of the Greek Vulgate, or Received Text of the New Testament, pp. 254-61, 564-5

[85] T.F. Middleton, The Doctrine of the Greek Article Applied to the Criticism and Illustration of the New Testament, pp. 441-3

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2 Kommentare zu „Die Verteidigung des Comma Johanneum

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