Hebr 6,4-6

Hebr 6,4 (Schl 2000)
»Denn es ist unmöglich, die, welche einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind.«

»αδυνατον γαρ τους απαξ φωτισθεντας γευσαμενους τε της δωρεας της επουρανιου και μετοχους γενηθεντας πνευματος αγιου.«

Unser Text aus dem Hebräerbrief sagt, sie sind »Heiligen Geistes teilhaftig geworden« (μετοχους γενηθεντας πνευματος αγιου). Der Autor des Hebräerbriefes macht damit deutlich, dass jene seinem Wirkungsbereich ausgesetzt waren oder diesen an ihrem Leben oder im Leben anderer um ihnen herum bezeugen konnten. Das heißt, sie haben z.B. in der Gemeinde seine Wunderwerke, Heilungen, Sprachengaben und jene Wirkungen bezeugen können, die andere dazu gebracht haben, sich dem christlichen Glauben zuzuwenden. Sie haben die biblischen Prophezeiungen und übernatürliche Erkenntnisse derer gehört, die vom Heiligen Geist geleitet waren. Sie haben die verändernde, überführende, erziehende Kraft des Heiligen Geistes im Leben derer gesehen, die tatsächlich errettet wurden. Jene, die zur Zeit der Apostel und der apostolischen Offenbarungsgaben lebten, empfingen ein Privileg, dass jene, die nach dem apostolischen Zeitalter lebten, nicht hatten. Jene in Hebr 6,4-6 genannten Menschen sind keineswegs wiedergeborene Menschen, die »den Heiligen Geist« besaßen, sondern jene, die als Nebenstehende sein göttliches Wirken erfahren haben und bezeugen konnten. Daher heißt das Wort, dass mit „teilhaftig“ übersetzt worden ist (gr. μέτοχος – metochos), auch an derer Stelle „Gefährte“ (Luk 5,7) – jemand der als Begleiter dabei war.

Daher können wir aufgrund von Hebr 6,4 nicht schlussfolgern, dass diese Passage Wiedergeborene beschreibt. Vielmehr zeigt sich durch Hebr 6,9, dass jene aus Hebr 6,4-6 keine Errettung hatten.

Hebr 6,9 (Schl 2000)
»Wir sind aber überzeugt, ihr Geliebten, dass euer Zustand besser ist und mit der Errettung verbunden ist, obgleich wir so reden.«

Der Autor deutet an dieser Stelle an, dass es zwei Zustände gibt. Nachdem er in Verse 4-6 einen Zustand beschrieben hat – nämlich den Zustand derer, die sich zwar zu Christus bekennen, aber keine Frucht bringen (vgl. Hebr 6,7-8) – sagt er in Vers 9, dass er jene, denen er schreibt, nicht zu diesen rechnet. Er sagt, ihr Zustand sei “besser” (gr. κρείττων – kreittōn). Dieses griechische Adjektiv drückt eine offensichtliche Andersartigkeit aus und bezieht sich auf einen Unterschied im qualitativen Sinne. Dieses Wort wird verwendet um zwischen dem Alten und den Neuen Bund zu unterscheiden, wobei der Neue Bund “besser” ist (Hebr 7,22; 8,6), und dem qualitativen Unterschied zwischen Engel und dem Sohn Gottes – der erhabener ist als die Engel (Hebr 1,4). Es ist wichtig zu erkennen, dass der Autor des Hebräerbriefes hier zwei Zustände beschreibt – den Zustand der Abtrünnigen und den Zustand der Gläubigen. Der Ausdruck “mit der Errettung verbunden” lautet im Grundtext “εχομενα σωτηριας” (Errettung habend). Streng wörtlich sagt der Autor hier, dass sie sich in einem Zustand befinden, in dem sie “Errettung haben”. Leider sind hier sämtliche Bibelübersetzungen nicht wörtlich und geben den Grundtext nicht angemessen wieder. Folglich ist die Darstellung in Verse 4-6 nicht die Darstellung von Menschen, die errettet waren, sondern Menschen, die sich, obwohl sie sich zu Christus bekannten und gewisse Privilegien (Zeugen von Wundern; Hörer der gepredigten Wahrheit usw.) erfuhren, nicht errettet waren. Ihr Zustand war anders und nicht mit Errettung verbunden.

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4 Kommentare zu „Hebr 6,4-6

  1. Ich staune! So viele weise Worte! Und doch scheint ihr Vers 6 einfach zu überlesen, denn dort steht doch klar, dass diejenigen abgefallen sind! Von was denn, wenn sie nicht Glaubende gewesen wären? Wieso würden sie denn den Sohn Gottes „erneut“ kreuzigen?

    1. Wenn jemand abfällt im Neuen Testament, dann fällt er von dem ab, was er zuvor bekannte – von seinem Glaubensbekenntnis. Er fällt nicht aus der Erlösung heraus, so als ob Erlösung eine Schale wäre, in die man hineingesetzt wird, aus der man aber herausfallen kann, wenn man mal unachtsam war. Du liest also nur ein falsches Verständnis in einen Begriff herein, der in sich selbst das aber nicht unterstützt. Ein Beispiel:

      „Und sie verließen den HERRN“ heißt es irgendwo in der Schrift. Wenn jemand den HERRN verlässt, kannte er Ihn dann und hatte bereits Gemeinschaft mit Ihm? Laut deinem Verständnis müsstest du sagen: „Ja, wenn die Schrift sagt, sie verließen den Herrn, dann kannten sie Ihn und hatten Gemeinschaft mit Ihm!“. Nun, die Schrift erklärt sich immer selbst und daher kann man ihr nicht so einfach etwas unterjubeln, was sie so nicht meint, auch wenn manche Formulierungen auf den ersten Blick „unmissverständlich“ erscheinen. Die zitierte Stelle ist aus Richter 2,12. Wenn du nun den Kontext dieser Aussage berücksichtigst, dann erkennst du, dass jene, „die den Herrn verließen“, jene waren, „die den Herrn und seine Werke nicht kannten“ (Richter 2,10). Verlassen setzt hier also nicht voraus, dass jene den Herrn kannten und Gemeinschaft mit Ihm hatten. Sie kannten den Herrn eben nicht und auch nicht seine Werke – deswegen wird über jene gesagt, dass sie den Herrn verlassen haben.

      So ist es auch mit dem abfallen. Jene, die abfallen, sind nur jene, die die Glaubensprüfungen nicht bestehen (2.Kor 13,5) und von Anfang an Gott nicht kannten und sein Werk der Wiedergeburt nicht erfuhren – sie waren gottlos von Anfang an. Wer abfällt, zeigt durch sein Abfallen, dass er kein Kind Gottes „ist“. Diese Person wurde „nie“ von Gott gekannt (Mat 7,21-23). Wer abfällt, ist ein Sünder, kein Kind Gottes! Veranschaulicht wird das vortrefflich durch Luk 8,13 und Apg 8,13. Vergleich beide Stellen miteinander und sieh anhand des Kontextes, dass der Ausdruck „glauben“ nicht immer rettender Glaube meint, sondern einfach nur ein abgelegtes Glaubensbekenntnis. Doch ob dies echt oder unecht ist, wird die Prüfung (2.Kor 13,5) und die Frucht (Mt 7,16-20) zeigen.

      Denkst du nun anders über das „abfallen“?

  2. Wenn die in Hebr.6:4-6 Angesprochenen derartig abfallen, dass sie den „Sohn Gottes ERNEUT kreuzigen müssten“, um zur Buße erneuert zu werden, dann ist doch dies eine klar Sache! Sie haben demnach zuvor das Werk des Kreuzes für sich in Anspruch genommen, waren also Gläubige, welche „erleuchtet“ waren!

    Lukas 8:13 sagt es doch so deutlich, dass man eine Zeit im Glauben bleiben und dann dennoch abfallen kann!
    Auch 2.Petr.2:20 und Hebr.2:1 zeugen davon.

    Wie kann man nur die Gläubigen in einer so falschen Sicherheit wiegen! Sie werden überheblich und unachtsam und werden letztlich den Siegeskranz am Ende vlt. sogar gar nicht erhalten.Jak.1:12; Off.3:11 Ist es denn da nicht besser, ihnen die vielen Warnungen des NTes in Bezug auf Ausharren, Überwinden, mit Ausdauer laufen, dran bleiben bis zum Ende, der Heiligung nachjagen ohne die niemand Gott sehen kann mitzuteilen, damit sie das Erbe nicht verpassen?

    So schließe ich diese Diskussion mit dem gleichen Kapitel des Hebräers 6:11 und wünsche allen Lesern:

    „……. dass jeder einzelne von euch den gleichen Eifer an den Tag legen möge, um die Hoffnung bis ans Ende mit voller Gewißheit festzuhalten, 12 damit ihr nicht stumpf (oder: lässig) werdet, sondern dem Vorbild derer nachfolgt, die durch Glauben und standhaftes Ausharren (oder: Geduld) die verheißenen Heilsgüter erben.“

    1. Gut, dann ist Jesus nach dir ein Lügner, denn Er sagt: »Ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden in Ewigkeit nicht verlorengehen.« Jesus sagt nicht, dass Er ihnen ewiges Leben gibt und sie in Ewigkeit nicht verlorengehen werden »wenn…«

      Weißt du, Maggie, Jesus hat eine Menge über Heilsgewissheit gesprochen und Er hat sogar falsche Heilsgewissheit erklärt und gezeigt, wie sie funktioniert, weshalb denkst du dann, dass seine Apostel das Gegenteil von dem lehren, was Jesus gelehrt hat? Wenn du konsequent bist, müsstest du doch Jesus vorwerfen können, dass Er nicht immer die Wahrheit gesagt, denn seine Apostel hätten im Bezug auf Heilsgewissheit deutlichere Worte gesprochen. Doch deutlicher als das Zitat aus Joh 10,28 kann es doch wohl nicht gehen, oder?

      Eine Aufgabe hätte ich dann noch für dich: Wieso kannte Jesus jene nicht (wörtl.: zu keinem Zeitpunkt), obwohl diese sich im Glauben zu Ihn bekannten (Mat 7,21-23)? Kannst du mir das erklären?

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